Retropunkstyle


Epoxies, The Briefs Live im Kato, 30.3.2006

April 24th, 2006 | 0 Kommentare ...  

Retropunkstyle

Von AC Horn

Diesen Abend gab es gleich zwei Konzerte in ähnlichem musikalischen Spektrum. Man musste sich entweder für kanadischen Rock n´Roll des selbstverliebten Energiebündels Danko Jones entscheiden oder konnte es im Kato punkrockiger mit Epoxies und Briefs angehen lassen. Da ich für beide Gigs Karten hielt, war es keine leichte Entscheidung. Ich habe schließlich die Danko Jones Karte am Postbahnhof verkauft, nachdem ich Danko schon live bei seiner letzten Tour im SO36 und bei einer Lesung im White Trash erlebt hatte. Die Karte wurde mir regelrecht aus der Hand gerissen, nachdem die 2 Jungs von Channel Music die Kasse erst einmal dicht gemacht haben. Auch viele Checker unterwegs, die überteuerte Karten an ahnungslose Kids weiterveräusserten.

Am Kato war es dagegen zu Anfang relativ ruhig, so daß man sich noch ein Bier vor dem Club genehmigen konnte und sich noch auf einen Plausch mit einer Geschlechtsumgewandelten einlassen konnte. Mir fiel auf, dass das Flaschensammeln jetzt auch hier in Deutschland deutlich einreisst, und eine neue Gruppe der Deklassierten dies zur Haupteinnahmequelle macht, so dass das Anbetteln wohl auch hier bald der Vergangenheit angehören wird.

Laura (von den Berliner Trashcats) sprach mich an, und wir gingen zur ersten Vorband ins Kato. Ganz junge Boys rocken ein bisschen unter dem Namen Bad Habitz. Ich wurde noch schnell auf ein Bier eingeladen, danach ging’s auch schon weiter mit den Epoxies, die so eine Art Kim Wilde on Punk Sound in Dickies Outfit präsentierten. Crazy Future Style, mit Lasern an der Gitarre und Badeschaumgebläse über die Menge werden als Beiwerk zu den tollen Songs geboten, welche, wie am Titel ihrer letzen Platte “Stop the Future” abzulesen, sehr 80er Retropunk-mässig daherkommen. Hatte ich sie bei ihrer letzten Tour noch vor 40 Leuten als absoluten Insidertip im Wild at Heart gesehen, konnten sie diesmal vor 300 Zuschauern überzeugen.

Roxy Epoxie, Photo © Dorfdisco 2006

Roxy Epoxie, Photo © Dorfdisco 2006

Als Hauptact zuletzt The Briefs, die schon 4 Langplatten und eine Single-Kompilation mit annährend gleicher Qualität veröffentlicht haben, und sich somit jeder Kommentar erübrigt. Eine Punkrockhitband, die mit einheitlich blond-stacheligem Kurzhaarschnitt, verrückten Brillen und den lose umgehängten Kravatten genauso aussehen wie sie klingen. Musikalische Einflüsse sind etwa die Ramones, Angry Samoans, Sex Pistols oder auf der neuen Platte “Steal Yer Heart”, die etwas poppiger ausgefallen ist, die Dickies. Textlich findet ein ironisches Umgraben von bürgerlichen Werten statt, ob es da um Ladendiebstahl bei Macys geht, ums Pillennehmen, den Kindesmissbrauch des ehemaligen Glamrockers Gary Glitter, oder um die sexuelle Beziehung zwischen einem 18 Jährigen zu einer Mitvierzigerin. Jede textliche Aussage liegt leicht abseits des Normierten, wird aber immer fröhlich flott mit ein paar prägnanten Akkorden dargeboten.

Wie bekannt, haben die Briefs eine 7″ mit ihren Berliner Freunden von den Shocks aufgenommen, auf der sie sich jeweils gegenseitig covern, und in diesem Sinne durfte Shocks-Sänger Smail dann auch ein Lied mit backing von den Briefs zum Besten geben. Ich hatte mich gleich beim ersten Song ins Pit begegeben und bei allen Hits wie “Destroy the USA” volle Breitseite gegeben. Die letzte Zugabe “The Todd Killings” von Angry Samoans war dann auch der sprichwörtliche Killer für mich, der mich dazu brachte vor dem Club ein bißchen frische Luft zu schnappen.

Der inoffizielle Geheimgig der Briefs mit den Shocks im White Trash in den nächsten Tagen wurde übrigens abgesagt, also nichts zu verpassen. Ein schönes Event, wobei ich mir die Afterparty im Wild at Heart entgehen liess, da ich den Club innerhalb einer Woche schon zu oft frequentiert hatte.



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