Rebellion im Untergrund


Berlin Insane V Festival in der Volksbühne am 03.10.2008

Oktober 8th, 2008 | 6 Kommentare ...  

Rebellion im Untergrund
Volksbühne Foyer: trommeln bis man taub wird auf Andrew Unruhs Installation Gott hats getrommelt. Foto: Tanja Krokos

Von Sascha Roeder

Passend umrahmt von einer Demonstration gegen die Feier zum Tag der Deutschen Einheit,
fand in der Volksbühne die von Pale Music präsentierte 5. Auflage des Berlin Insane Festivals
statt. Angriffsziel dieser Veranstaltung waren jedoch eher die Strukturen der etablierten
Musikindustrie und der daraus hervorgehende musikalische Einheitsbrei. In diesem Sinne
lautete das Motto dann auch „Fuck off – Back to the Roots of Underground”. Überhaupt
scheint sich derzeit jeder, der in der Berlin Musikszene rebellieren will, mit dem Wort
„Fuck“ zu bewaffnen. Ich denke da an die kurz bevorstehende “Fuck You All” Party von
Louisville und Siluh Record. Nicht gerade beeindruckend und differenziert ist das meines
Erachtens, aber vielleicht auch ganz guter Ausdruck einerseits der Aggression und anderseits der Orientierungslosigkeit, die hinter diesen Aufbegehren steht.

Zum Auftakt gab es in diesem Jahr erstmalig auch ein Filmprogramm. Als ich gegen halb 10
den großen Theatersaal betrat ging es noch recht beschaulich zu, zumindest was die
Besucherzahl angeht. Es lief gerade Julia Ostertag’s düsterer Kurzfilm SEXJUNKIE im
Rahmen der „Underground Shorts“. Eine erste Andeutung, dass es bei dieser Veranstaltung
um das Vortasten in Grenzbereiche ästhetischer Wahrnehmung geht. Ein kurzer Abstecher zu
den Klangexperimenten von Atelier Theremin im Foyer bestätigte diese Tendenz. Zudem
muss ich gestehen, dass mir das Instrument Theremin bis dahin nicht einmal ein Begriff war.
Bei Sedlmeir, dem selbst titulierten Mann der 3 Akkorde, reduzierte sich die musikalische
Komplexität um einiges, für meinen Geschmack auch eine Spur zu weit. Dafür erlaubte das
punk-rockige Format klar textlich artikulierten Protest. Das Amt setzte diesen mit
aggressivem Sprechgesang und Elektro-Beats fort. Bei Rummelsnuff hielt mich trotz
zugegeben intensiver Bühnenpräsenz nicht viel. Wem es ähnlich ging, der durfte sich bei
Andew Unruh’s Trommelprojekt „Gott sei’s getrommelt“ austoben. The Prostitutes aus Prag
sorgten dann mit ihrem eingängigen 80s-Post-Punk Sound erstmals auf der Tanzfläche auch für ausgelassene Stimmung.

Auch der Garage-Punk der 3 Girls von „An Experiment On A Bird In The Air Pump“ aus London wenig später kam nicht schlecht an. Markant war auch das Klanggewitter zwischen Angst und Hoffnung, das Mark Boombastik später mit seiner human-beatbox performance hervorzauberte. Von „Call me an Ambulance“ konnte ich nur einen kurzen Eindruck erhaschen – dieser war aber durchaus positiv. Für einen Moment erinnerte mich der Sound an Sonic Youth. Und es tat gut an diesem Abend bei all dem Gitarren- und Elektrolärm auch mal eine Violine zu hören.

Die Atmosphäre im Theatersaal litt etwas unter der Größe des Raums und der Bestuhlung. Sitzen bei „Berlin Insane“ – das passt irgendwie nicht! Weder Mona Mur mit En Esch an der Gitarre noch die Kill The Dandies aus Prag mit ihrem 60s Retro-Sound vermochten dagegen etwas auszurichten. Erst bei Warren Suicide erhob sich der ein oder andere aus den komfortablen Theatersesseln. Und dies geschah aus gutem Grund, denn der Auftritt hatte richtig Power und war das Highlight des Abends. Als die Band kurz vor Schluss zu einer „Hymne von Künstlern für Künstler“ anstimmte, ergriff ich die Flucht. Nach gut 9 Stunden Berlin Insane Beschallung freute ich mich durchaus auf etwas Besänftigung durch die Songs auf meinem MP3 Player.

http://www.berlininsane.com



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. S.Morell  

    Anscheinend hat der Schreiber dieses Artikels leider nur die Hälfte verstanden, sich die Ohren nicht geputzt oder war irgendwann event. einfach schon zu betrunken ;=))), denn : Warren Suicide´s Hymne war von Musiker für dem Publikum und nicht den Künstlern gewidmet. Wenn Atelier Theremin für ihn in Grenzbereiche ästhetischer Wahrnehmung geht, ist sein musikalischer Horizont leider sehr klein und fängt event. erst Mitte der Achziger an oder er hat soweit vielleicht noch nie was von Krautrock gehört, na ja, was soll ich sagen wenn jemand Musikrezensionen schreibt der noch nie was von einem Instrument namens Theremin gehört hat ? (Tip: Bei Ebay kann man bestimmt sehr billig ein Instrumentenlexikon ersteigern) so viel Ahnung von Musik sollte man schon haben wenn man über Musik schreibt. ;=)) . Die Erstellung einer Tendenz gegen 22:00 erscheint mir desweiteren ein wenig früh für eine Veranstaltung welche um 6:00 endet. Schön das dem Schreiber “Call me an Ambulance” gefallen haben und er sich freute mal eine Violine zu hören, leider war er aber dann bestimmt gerade auf Toilette als “James Nemo & The Doll” mit ca. 5 Streichern und Cellos das Sternfoyer bespielte. Tja, event. manchmal nicht nur nach den ganz grossen Namen Ausschau halten, dann hätte er vielleicht gemerkt das eine grössere Masse diesen Künstler ziemlich gut fanden und Mr. IAMX Chris Corner ihn im Publikum förmlich anbetete. (P.S. IAMX steht glaube ich noch nicht im Rocklexikon) Desweiteren würde ich dem Schreiber gerne eine der ersten Platten von “The Sonics” oder die “Pepples” Compilation Reihe ans Herz legen (letztere gibt es glaube ich noch nicht auf CD, also Plattenspieler besorgen) um sich eine Meinung über das Klangbild von Garage-Punk zu bilden. ;=)) Denn mit Garage-Punk hat er bei „An Experiment On A Bird In The Air Pump“ nun wirklich weit daneben gelegen. Aber well .. das mit dem richtig liegen bei Definitionen von Garage-Punk kommt schon noch, don´t worry, immer weiterschreiben. Es sieht so aus als hätte er bis auf zwei/drei Acts alle anderen verpasst, welche gut ankamen, mmhh .. keine ahnung was er in dieser Zeit tat als diese performten. Desweiteren nutzt er seine Rezension und den hierfür bereitgestellten Platz dafür für eine andere Veranstaltung Werbung zu machen welche auf der Seite sowieso schon sehr stark beworben wird. Wenn er die Betitelung mit “Fuck” nicht sehr beeindruckend und differenziert findet und dieses „Aufbegehren“ einer Veranstaltung mit einem guten Ausdruck von Aggression und Orientierungslosigkeit betitelt, sollte er sich erstens einmal kundig machen wer seine Veranstaltung zuerst so betitelt hat, zweitens glaube ich kaum das bei der Veranstaltung welche er letzten Freitag umsonst besuchte weder von Aggression noch von Orientierungslosigkeit gesprochen werden kann. Sowohl von Veranstaltern wie auch von Künstler und Publikums Seiten her gesehen nicht, es waren eher alle ziemlich gut drauf. Ich würde es eher als Frustration und künstlerische Interpretation diverser sozialer Lebensumstände bezeichnen, was 90 % der Künstler dieses Festival versuchten zum Ausdruck zu bringen. Ja Ja .., zugegeben waren die Künstler ein wenig abseits ausgewählt von dem was die Masse der nachts durch die Strassen ziehenden Feiergemeinde gerade hören will, aber um ehrlich zu sein will eine Berlin Insane Veranstaltung auch wirklich nicht zeigen was man eh jede Nacht in dieser Stadt sieht und hört. Es möchte eher mit der Musik und der Kunst die präsentiert wird eine Stimmung vermitteln welche sich gerade in der Stadt ausbreitet. Vielleicht müssen sich Schreiber heutzutage auch erst in ähnliche soziale Abgründe stürzen um zu verstehen was diverse Künstler mit ihrer Musik zu Ausdruck bringen wollen. Auch denke ich das es nicht wirklich vielen ähnlich ging wie zb. im Falle von Rummelsnuff, denn ich glaube ausser dem Schreiber hat niemand bei Rummelsnuff den grünen Salon verlassen, er war wohl eher Publikumsmässig einer der Highlights. Im grossen und ganzen ist festzustellen das ihn doch einiges auf dieser Veranstaltung gefallen hat wie z.B. Warren Suicide u.a., was mich sehr freut, nur leider hat er auch hier wieder den Saal zu früh verlassen, (wie er schreibt „die Flucht ergriffen“ also gefiel es ihm nicht wirklich) denn er verpasste somit nach der Hymne „What did we do“ an das Publikum eine fantastisch psychedelisch angehauchte Zugabenversion von „Oh Baby“ welches mich eher an die letzten zwei Alben der Beatles erinnerte als an eine Electro Punk Band. Nach 7 Minuten Länge endete diese mit einem Abschlussschrei des Sängers „Nackt“ mit den Worten „Fuck off Berlin – Good Night“! meines Erachtens sehr zutreffend. Als letztes zu erwähnen das es sehr schade ist das der Schreiber nicht wirklich in die musikalische Vielfalt des Events eintauchen konnte was zum Glück der Grossteil des Publikums und Künstler schon tat und das er sich wirklich seines Mp3 Players bemächtigen musste um bessere Laune zu bekommen. Vielleicht sind dann solche Veranstaltungen nichts für ihn und er sollte sich bei seinen nächtlichen Streifzügen mehr auf die wirklichen Hip Veranstaltungstips konzentrieren, event. wäre es auch besser wenn Veranstalter ihm in Zukunft Mp3´s mit live Mitschnitten einer Berlin Insane Veranstaltung zukommen lassen um sich ein Bild zu machen als teure und reduzierte Gäste-Presse-Listenplätze an Schreiber zu verschwenden welche sich bei gewissen Veranstaltungen eh nur langweilen bzw. es verpassen sich im voraus zu informieren welchen Event und welche Künslter Auftritte sie besuchen.

    Als allerletztes vielen Dank für den Re-view

    Steve Morell

  2.  
    2. Oliver Shunt  

    Lieber Steve…

  3.  
    3. S.Morell  

    ja .. Oliver .. ;=)) was wolltest du sagen ?
    du fingst an mit . Lieber Steve… und dann ??
    ;=)))) let me know .. and you know how I mean it ..
    wenn ich schon von manchen als Querulant der Stadt bezeichnet werde dann darf ich mir doch auch eine meinung erlauben .. ;=)) love you anyway ;=)

  4.  
    4. Oliver Shunt  

    Lieber Steve,
    ich bin ganz froh dass sich unser Schreiber nicht erst in soziale Abgründe stürzen muss um zu “verstehen” was diverse Künstler zum Ausdruck bringen wollen, und eine “fantastisch psychedelische Hymne”, die mit einem Abschlussschrei mit den Worten Fuck Off Berlin endet, finde ich auch nicht gerade Anlass zum jubeln. Dabei dachte ich es ging bei Insane mehr um den Event, den Anlass an sich, und nicht ob das nun Garage-punk ist oder nur Garage (Pepples schreibt sich übrigens Pebbles). Oder man sollte hier nur so alte Säcke schreiben lassen, die alles wissen mögen, sich aber dann doch nicht trauen auch nur ein Wort zu sagen. Was die teure reduzierte Gästelistenplätze betrifft, es waren unter uns sogar mehr ausgemacht, finde ich nirgens eine Besprechung des Events?

  5.  
    5. Ein geneigter Leser  

    Und vielleicht sollten Menschen, die recht ausführliche Kommentare verfassen und Autoren auf Webseiten wie diesen als “Schreiber” gewissermaßen in eine *doch recht negativ intonierte* Schublade stecken, zunächst einmal grundlegende Regeln des Ausdrucks und der Interpunktion beherrschen, bevor sie wie getroffene Hunde Zeile für Zeile laut und frustgeladen bellen.

    Für mich ein sehr anschaulicher und gut gemachter Bericht über eine mit Sicherheit hoch interessante Veranstaltung, der zumindest bei mir Lust und Interesse geweckt hat, die nächste *hoffentlich stattfindende* Berlin-Insane-Ausgabe zu besuchen, um mir selbst ein Bild zu machen.

    Vielen Dank, freundliche Grüße,
    Alex

  6.  
    6. Sea Wanton  

    …ein querulant ist jedenfalls besser zu lesen als ein mp3-besänftigter. will sagen: diese art von musik-journalismus gibts ja nun schon seit dekaden und noch schlimmer: nichts besseres in sicht. zugegeben: war selbst nicht auf der veranstaltung (da auf urlaub in schweden) aber: “…Für einen Moment erinnerte mich der Sound an Sonic Youth. Und es tat gut an diesem Abend bei all dem Gitarren- und Elektrolärm auch mal eine Violine zu hören…” – lärm und ‘guter” (weil: kompetenter und verantwortungsvoller) musik-journalismus: das ist schon lange nichts mehr was zusammenpasst.
    “Because truly, how much has the world really changed since Punk began? (V. Vale, RE/search)”