Rau, jung und wild – Chuckamuck


Chuckamuck, live im Bang Bang Club, 4.5.2010

Mai 6th, 2010 | 0 Kommentare ...  

Rau, jung und wild – Chuckamuck

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Ist es nicht der Wunsch eines jeden jungen Mannes, mal Etikette und Anstand zu verlieren um richtig auf die Kacke zu hauen, ohne an die Konsequenzen denken zu müssen? Seit einiger Zeit geistert ein Bandname von Lippe zu Lippe, und deren Musik von Gehörgang zu Gehörgang, die für diesen wilden Rock’n’Roll steht: Chuckamuck. Eine junge Berliner Band, die mit ihrer Mischung aus frühem Punk und unkonventionellem Auftreten wohl zu den sensationellsten Liveacts in der Hauptstadt avanciert ist, zumindest seitdem Bonaparte Mainstream sind.

Am Dienstag traten die vier Boys von Chuckamuck während der wöchentlich stattfinden Headache-Party im Bang Bang Club auf und boten eine Show, die, wie alle anderen, noch nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Das Konzert eröffnete Chuckamuck Sänger Oska nur in Begleitung seiner Gitarre. Auffällig war nicht nur seine von 5 Jahren singen gestärkte Stimme, sondern auch sein Bühnenoutfit. Gekleidet in einem goldenem Wams und Boxershorts, symbolisierte er die Musik seiner Band: rau, etwas schmuddelig aber dennoch stilvoll mit einer gewaltigen Priese Exzentrik. Nach dem fixen Opener, der die Ruhe vor dem Sturm verkündete, betraten seine drei Mitstreiter Lorenz (git.), Jules und Julius (b/dr.) die Bühne, drehten ihre Verstärker auf und begannen einen Orkan, der durch das Bang Bang wirbelte.

Musikalisch irgendwo zwischen Black Lips, Libertines und Chuck Berry schaffen sie es wie keine andere Berliner Band zur Zeit ehrlicheren Garage Rock mit Haltung zu verbinden, ohne prätentiöses Musik-Magazin-Gepusche oder reicher-Elternknete-billig-klingen-herablassend zu sein, dafür so herzerfrischend angesagt, wie man es sich schon immer mal gewünscht hat.

Auf der Bühne, die mit sämtlichen Getränken der Bar geschmückt war, ging es archaisch, anarchistisch zu. Die Instrumenten wurde drangsaliert, die Stimmen bis zum äußersten getrieben und alles ergab ein Bild von wundervoller roher Energie. Lieder wie, Dip Dip, Outta My Way und Jagenschmagen ließen bei der Band alle Dämme brechen. Kopf über warf man sich ins Publikum, der Ausnahmezustand wurde propagiert und die Zuschauer angepogt, die vor lauter Staunen mal wieder zurückwichen, als entgegen zu agieren.

Photos: Chuckamuck, Bang Bang Club, 5.4.2010

Nichtsdestotrotz liebt sie das Publikum. Selbst wer nur an der Bar lungert und als Außenstehender das Spektakel beobachtet weiß was die Stunde geschlagen hat, ist Chuckamuck doch eine Band, die man keinesfalls einfach nur hören kann. Man muss sie fühlen, muss Teil dieser Kompromisslosigkeit und Wildheit werden, damit man weiß, was diese Band so besonders macht.

Es ist ein Genuss zu sehen, wie sich die vier der Musik hingeben. Nach dem letzten Lied dröhnt nur noch die Rückkopplung der Gitarren und es bleibt die Zuversicht, dass diese Radikalität des Musizierens und eine bestimmte Ungestümtheit wieder salonfähig wird und Chuckamuck aus Berlin die neue Avantgarde dazu sein werden.

http://www.myspace.com/therealchuckamuck



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