Rafgier II


Rafgier 2 mit The World Domination,Gene Serene,Dahlia, 21.5.2005, Gewerbehof Saarbrücker Str.

Mai 25th, 2005 | 0 Kommentare ...  

Rafgier II
The World Domination bei Rafgier 2, Photos AC Horn © Dorfdisco 2005

Von AC Horn

Sven Rafgier und seine Mitstreiter haben in der vielgenutzten Saarbrückerstrasse in einem hinterstgelegenen Gewerbeareal eine neue Location ausfindig gemacht und diese ausschweifend eingeweiht. So war an diesem Abend in selbiger Strasse, für sich alleinegenommen, genug los, um andere deutsche Städte komplett mit Abendprogramm zu versorgen.

Während es in der Königstadtbrauerei div. Parties & ein Rockabilly Event gab, erhob sich im etwas weiter an der Prenzlauer Allee gelegenen Deep Club (Bötzowbrauereigelände) eine weitere Electotrash Party mit dem grandiosen Team Plastique und den Überbabes, um dem Electorglam alle Ehre zu erweisen. Soviele still gelegte Brauereien und so schlechtes Bier in Berlin; das habe ich nie verstanden. Und zwei mal elektronischen Glampunk in relativ groß angelegten Locations fand ich anfangs etwas riskant, aber in Berlin geht irgendwie alles.

Also folge ich etwas verfrüht den von Rafgier aufgestellten Friedhofskerzen in den hintersten Winkel des Geländes, wo noch an der Tür verhandelt wurde, wer überhaupt welche Einlasstätigkeit zu übernehmen hat. Ich ging derweilst noch etwas über den Hof und wer kommt mir entgegen? Gene Serene, die wir zur Dorfdisco Lounge zwei Tage zuvor in den King Kong Club eingeladen hatten, und die uns dort onstage, offstage und backstage begeisterte. Wir tun uns also zusammen und gehen mit einem gerade unbeschäftigten DJ (Carlo) etwas essen. Nach einem improvisierten anti-vegetarischen Abendmahl vor dem Roadrunners Club, will ich Gene noch schnell ins Deep schleifen, aber sie lehnt wegen der etwas schwierigen Strassenverhältnisse für High Heels ab.

Zurück zur Rafgier also, wo sich der Laden schon etwas füllt und ich mal ganz nach oben in die 2. Etage gehe, wo es einen Velour-überspannten Tisch gibt, und diverse künstlerische Aktivitäten im Gange sind: Mädchen in Cowboystiefeln und Petticoats lassen sich auf einer extra bespannten Wand von manischen Künstlern verewigen, andere stehen in einer Schlange vor dem Toilettenbereich, wo absolut nichts zu wollen ist, und man mir empfiehlt besser zum Fenster hinauszupissen.

Das besondere an den Rafgier Parties ist, daß diese mit viel Sorgfalt und Liebe zum inszenatorischen Detail aufgezogen werden. Hier handelt es sich nicht um Massenevents für unintelligente Leute, sondern um eine innovative Szene nach dem Motto: was letztesmal noch OK war, wird diesesmal noch übertroffen. Vom Flyer, über die Webpage bis zum Innendecors ist alles auf den Punkt durchgestaltet, ohne dabei zu vergessen, daß Parties einfach exzessiv sein müssen, um nicht vergessen zu werden.

Gene Serene, Dahlia at Rafgier, Photo by AC Horn © Dorfdisco 2004

Gene Serene, Dahlia at Rafgier, Photo by AC Horn © Dorfdisco 2004

Einige (inzwischen legalisierte, hey-where-is-the-fun?) Drogen wurden konsumiert, woraufhin auch schon einige hübsche Ärsche in Schwingung versetzt wurden. Dahlia eröffnet ihr Set in ultraknappen Camouflage Dress, Nietengürtel und gesunder Hautfarbe, dazu gesellt sich etwas später Gene Serene mit ihrem 50er Chromdesign Mikro, so daß im Duo performt wurde. Dahlia strahlte nach Beendigung ihres beiderseitigen Auftritts wie nach der Oskarverleihung, aber etwas mehr musikalischer Exzess wäre wünschenswert gewesen.

Im Anschluß noch die zwei Superposer von The World Domination mit ihrem im Größenwahn schwelgenden elektronisch rhythmisierten Glamhardrock, der für sinnfreie Parties nahezu perfekt ist. Man coverte gelungen geschmacklos Eye of the Tiger aus dem Rocky 3 Film, Val666 zog sich bis auf einen roten Kunststoff Slip nackt aus, und Ringo Fire rockte in NY-Cop Schildmütze, Paillietten besetzten Hemd und einer Kravatte aus beweglichen Metallgliedern. Outfitmässig also ziemlich transgressiv; ob sie jetzt allerdings den Glamour to Kill einen Gefallen tun wollen, weiß ich nicht, und von den Village People war wohl nur der Indianer vom anderen Ufer. Ihr Sound kommt sehr sehr catchy rüber, und die Jungs haben den Laden in jeden Fall gut gerockt. The World Domination waren angeblich schon live in NYC und DJ Hell hat bereits Interesse angemeldet: zu recht muß man behaupten. However: Rafgier rules! Diese Parties sollte man auf jeden Fall erlebt haben.



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