Räucherstäbchen, Riffs und Rotwein


Wolfmother im Columbiaclub, 17.10.2009

Oktober 20th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Räucherstäbchen, Riffs und Rotwein

Von Monika Levinski

Die Roadies verteilen glühende Räucherstäbchen auf Instrumente und Verstärker, das Licht wird gelöscht, die Band betritt zu ‘Come Together’ von den Beatles die Bühne des ausverkauften Hauses und stimmt ‘Dimension’ an. Los geht die Reise, eben dorthin: into another dimension.

Die Bilder in den Köpfen der Anwesenden sehen dazu vermutlich bei jedem anders aus, zumal sämtliche Jahrgänge vertreten zu sein scheinen. Gerne würde ich zu Protokoll geben, dass ich mich in meine Kindheit zurück versetzt fühlte, in der meine Hippie-Eltern in der WG geile Parties feierten und dabei Led Zeppelin, Doors und Black Sabbath hörten und ich immer ganz lange auf bleiben durfte. In Wahrheit waren es jedoch Mitch Miller, John Denver und die Carpenters; Hippies kamen nicht ins Haus und ich hatte, bis ich 18 wurde, feste Bett- oder zumindest Heimkommzeiten. Entsprechend frustriert erarbeitete ich mir meine Hardrock-Kompetenz als Teenager selbst. Zugegebenermaßen mithilfe meines Bruders und einer ortsansässigen Mofa-Gang inklusive erstem Boyfriend. ‘Heaven and Hell’ – in jeder Hinsicht sogleich Motto und Soundtrack meiner Jugend.

Bleibt die Frage, warum ich mir nun also als Erwachsener Wolfmother antue. Auch wenn die Musik klingt wie “von früher”, die Vermarktung der Band könnte kaum mehr 2000er-like sein. “Sommerschlussverkauf des Rock’n’Roll” titelte Wee Flowers denn auch vor wenigen Monaten. Angesichts von Beiträgen zu diversen Soundtracks, Werbespots und Videospielen (allem voran dem heutzutage scheinbar unumgänglichen Guitar Hero) sicherlich nicht unberechtigt. Aber gut – auch in Australien, wo die Band herkommt, wird man vermutlich Rechnungen zu zahlen haben. Von daher wird man sich wohl an diese alternativen Einkommensmöglichkeiten von Bands gewöhnen müssen.

Das fällt anhand der Liveshow von Wolfmother leicht. So lange es auf der Bühne stimmt, kann es einem eigentlich egal sein, was die Jungs sonst noch so treiben. Ein episches ‘Woman’ oder ‘White Unicorn’ genügen schon, um einen weg zu beamen. Das ist das tolle an Wolfmother, man kann nüchtern hin und trotzdem berauscht heimgehen. Eingelullt allein von Gitarrenbrettern und der Stimme von Andrew Stockdale, dem einzig verbliebenen Mitglied der Gründungsformation. Ob er den neuen Bassisten/Organisten Ian Peres beim Frisör rekrutiert hat ist nicht überliefert, aber das Afro-Doppelpack ist auf jeden Fall ein visuelles Vergnügen.

Die Band spielt sich durch ein abwechslungsreiches Set, das keinen einzigen Durchhänger hat und aus Songs vom selbst-betitelten Debut von 2005 sowie dem Ende Oktober erscheinenden “Cosmic Egg” besteht. Nicht nur die neue Single ‘New Moon Rising’ ist den Fans bereits bestens bekannt. Sie wird, wie das komplette Album, längst Band2.0-mäßig auf der Myspace-Seite gestreamt. Das hat ein begeistertes Publikum zur Folge, das mitsingt, mitbangt, mitmosht und bei der ersten Zugabe – einer von Stockdale und Peres allein mit Gitarre und Rotweinflasche vorgetragenen Version von ‘Wuthering Heights’ von Kate Bush – gar weit ausholend mitwinkt.

So wird man am Ende nach einem großartigen ‘Joker and the Thief’ nach Hause geschickt und kann, derart gedoped, eine Spur leichter und sehr glücklich wieder in die eigene ‘Dimension’ zurück kehren. Wie auch immer die aussehen mag.



Kommentare sind geschlossen.