Radar 2007 Festival (Istanbul)


mit CSS, The Horrors, The Long Blondes, Marylin Manson, Coco Rosie u.v.a.

Juli 10th, 2007 | 0 Kommentare ...  

Radar 2007 Festival (Istanbul)
Kam, sah, siegte: Lovefoxxx von CSS betritt die Bühne, Photo © Dorfdisco 2007

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Es wird Sommer und es steht die Festival Saison wieder an. Ich muss sagen, dass mich das Angebot deutscher Festivals mehr und mehr langweilt. Smashing Pumkins? Puhh! Stattdessen nahm die Gelegenheit wahr mal wieder in meine geliebte Zweitmetropole Istanbul zu flitzen. Den Abend zuvor noch bei Dinosaur Jr. im Postbahnhof, nahm ich nächsten morgen den Flieger um das vielversprechende Radar Festival am Schwarzen Meer zu besuchen.

Was wurde dort nicht alles angekündigt? Neben unzähligen lokalen DJs und Acts verteilt auf zwei Haupt und drei Nebenbühnen traten dort international bekannte Namen wie Jamie Lidell, Beirut, Nouvelle Vague, The Magic Numbers, The Rapture, Piano Magic, Juliette and the Licks, Plan B, Kelis, Groove Armada, Peter Björn and John, Joan as Police Woman, Coco Rosie, CSS, The Long Blondes, The Horrors und Marylin Manson auf. Und schon die letzten vier Acts waren die ganze Reise wert.

Vom Flughafen ging es über Highways durch die Metropole und dann Landstrassen und unausgeschilderten Nebenwegen rauf zum Schwarzen Meer. Dort zog sich das weitläufige Strarndgelände die Küste entlang, etwa dreieinhalb Kilometer. Gut dass die zweite Hauptbühne gleich an dem falschen Ende gelegenen Eingang lag, ich hätte die Krise gekriegt bei der Vorstellung durch die Anlage zu hetzen um den Anfang jener Band mit zu kriegen, auf die ich am ersten Tag am meisten gespannt war: Cansei de Ser Sexy a.k.a. CSS.

Coco Rosie - Photo © Dorfdisco 2007

Coco Rosie - Photo © Dorfdisco 2007

Doch ich kam rechtzeitig, auch weil die zweite Bühne viel Zeit mit Soundproblemen vertat (ich habe mir sagen lassen, dass diese Bühne technisch nicht so versiert wäre). Für Coco Rosie brauchte es schon über eine halbe Stunde um all ihre Instrumente, Spielzeuge und Gimmiks in die richtigen Steckplätze zu bekommen. Als dann Coco Rosie begann, naja, ich bin kein Fan mehr von albernen Teletubbies, und The Slits hatten das Schelmenhaft-weibliche eines permanenten Orgasmus auch schon dreimal besser und vor allem eingehender vorgeführt.

Mit anderen Worten, Spielzeug wegnehmen und rüber zum Bierstand. Istanbul hatte wie das gesamte östliche Mittelmeer eine enorme Hitzwelle hinter sich und der Boden war zu Staub zerfallene Erde, die sich unmittelbar zwischen die Zähne setzte.

Dann aber CSS. Mit meinem Presseausweis hatte ich hinter der Bühne schon mal ausgemacht wie ihr gesamtes Equipment mit Luftballons dekoriert wurde. Dann wurde mir auf einmal klar dass ich neben zwei anderen Offiziellen der einzige Fotograf vor der Bühne war. MTV hatte alle anderen verbannt und mich nicht auf der Rechnung gehabt. Fein!

Im Publikum fanden sich sehr viele und sehr junge türkische Fans ein, die den Durchstarter des Jahres 2006/2007 zum ersten Mal in ihrem Land erleben durften. Ich hatte CSS letztes Jahr kurz mal im 103 gesehen, aber hier brachen sie wirklich durch. Der Sound war zwar immer noch nur die Luft vom Ei, doch versprühte CSS von Anfang eine Tanz und Feierlaune dass diese sofort auf das ganze Publikum übersprang. Lovefoxxx, diesmal in einem glitzernd pailettierten Ganzkörperanzug und katzenähnlicher Theaterschminke (waren da etwa Coco Rosie am Werk?) feuerte das Publikum sofort an “Hey – so happy to be here first time in Istanbuuul – jaii!” – und die Reaktion der ca. 2000 war wirklich r i e s i g!

Dank Internet muss man heute auch kein Publikum mehr für dumm verkaufen. Als beim Umbau einer der CSS Roadies mit dem selbstgeschriebenen Slogan “Klaxons are Kunts” auf dem T-Shirt erschien, war dies gleich Topthema in den ersten Reihen. Waren Simon Reynolds und Lovefoxxx nicht ein Liebespaar? Und heisst das etwa dass dem nicht mehr so ist?, usw usf.

Lovefoxxx Theaterschminke - Coco Rosie am Werk?

Lovefoxxx Theaterschminke - Coco Rosie am Werk?

CSS jedenfalls genossen den Abend – und auch die quasi brasilianischen Temperaturen. Ihr Set beinhaltete alle bekannten Hits inklusive ihrer L7 Coverversion von Pretend That We’re Dead. Dabei merkte man der Band im Vergleich zum letzten Jahr eine professionelle aber coole Steigerung an was die Musik und Selbstbewusstsein betrifft. CSS’s Performance rockte und flirtete zugleich und zu Lets Make Love To Death From Above stieg zwischen dem nicht mehr zu haltenden Fans eine dicke Wolke verbrannter Erde auf.

Danach, das heisst erst nachdem CSS noch Minuten auf der Bühne zubrachten und sich und ihre überglücklichen Fans winkend und Küsschen werfend feiern liessen, erkundete ich das weitere Gelände. Bis zur Hauptbühne waren es noch gute 10 Minuten entlang einer gut ausgebauten Strandanlage, und auf dem Weg dorthin stellte ich fest, dass auch dieses Festival, das immerhin über 4 Tage ging, nicht ohne einen ganzen Stapel Sponsoren auskam. War vorne die XY-Bühne, war hinten die XYZ-Bühne. Dazwischen lagen alle möglichen Buchstabenkombinationsstände. Urlaubsstimmung kam aber schon deshalb nicht auf, weil das nicht ungefährliche Schwimmen im Schwarzen Meer aus Sicherheitsgründen unterbunden wurde. Dafür erfreute ich mich an den allgegenwärtigen, zack-schnellen, bedienungsfreundlichen und pfandlosen Halb Liter Bier-bars, ein kühles Plus einer durchweg verstandenen Servicegesellschaft.

Das Hauptbühnen Line-Up beendete gerade Kelis oder Groove Armada, also wieder zurück wo Allen Alien noch eine Horde Technojünger b-pitchte, bis mitten in einem Track, so “I want you tooo…” der Strom ausfiel. Naja, gehört wohl auch zum Service.

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