Psycho-garage schlägt zurück


The Black Lips im West Germany, 7.7.2005

Juli 12th, 2005 | 0 Kommentare ...  

Psycho-garage schlägt zurück
The Black Lips, Photo by AC Horn © Dorfdisco 2005

Von AC Horn

Vier junge Typen Anfang 20 aus Atlanta/Georgia, die mit selbstgemachtem bratzigen Garagensound als “The Black Lips” über den Atlantik kommen. Das durfte man sich nicht entgehen lassen, zumal sie schon die Woche zuvor im Doppelprogramm mit King Khan den Mudd Club zu überzeugen wussten. Diesmal nahm man sich vor, die Kreuzberger Undergroundlocation West Germany gnadenlos zu beschallen.

Eigentlich fast am Kotti gelegen, war der Ort eine zeitlang auch als The Clinic bekannt, was ganz gut zur weißen S/M-Porno Kachelung dieser ehemaligen Arztpraxis gepasst hat. Obwohl das West Germany sehr versteckt gelegen ist, findet sich ein handverlesenes Publikum, bestehend aus nur etwa 40-50 Leuten ein, um zu hören, ob die Ami-Garage immer noch mit links alle daherschrammelnden Britpopper hinwegfegt. Hier geht’s weniger um schicke Frisuren hübscher Jünglinge, als daß man es mal wieder so richtig krachen lässt und man mit Hörsturz aus dem Club geht. Deswegen sind wir da: Verstärker durchlassen, Bierflaschen zerdeppern und manisch vor der Bühne herumzucken.

Und schon geht’s los: ein Bassist als Frontman, viel Chorus im Duett und irgendwo zwischen Psychogarage & 60ties Punk. Im weiteren Verlauf des Sets betrat sogar der begnadetste Vokalist des souligen Voodoo-Blues “King Khan” die Bühne um ein Liedchen zum Besten zu geben. Die Lyrics handelten davon, daß er absolut Gay ist, was mich, na ja, nicht voll überzeugt hat, weil man ihn meist mit irgendwelchen Trashmiezen rummachen sieht. Im gesamten gefallen mir die wilderen Black Lips Songs am besten, bei denen man sich an alte Glitterhouse Bands erinnert, die einem mit ihren simplen reduziert-brachialen Harmonik immer so viel Freude bereitet haben.

Photo by AC Horn © Dorfdisco 2005

Photo by AC Horn © Dorfdisco 2005

Ob man jetzt zum zigstenmale irgendein Garagenrevival beschwören muß, bezweifle ich, da diese Art von Musik einfach immer zeitlos gut ist und sowieso nie alle ansprechen wird, kann und soll. Ich merkte allerdings schon bei den etwas langsameren Black Lips Songs, daß mir persönlich einfach die raue Energie fehlt, wenn’s mal etwas seichter wird und es gehört schon ganz große Klasse dazu, auch bei langsamerem Tempo noch voll zu überzeugen. Deswegen Jungs: in Zukunft weiter kompromisslos Gas geben, daß sich die Gitarrenhälse biegen, und vielleicht mehr Pagans und Oblivians hören.

Im Abschluß des doch sehr kurzen Sets (ohne Zugaben) wurde nocheinmal Seelenverwandtschaft zu King Khan bewiesen, so sich der tuntig angezogene Sänger/Gitarrist mal wieder ins eigene Maul pisste. Das macht King Khan eigentlich schon längere Zeit in diversen Clubs, und es scheint sich jetzt allgemein als Trend durchzusetzen. Auf jeden Fall musste jeder sofort auf Klo und der Auftritt wurde ersteinmal beendet, wobei man sich einen zweiten Teil doch sehr gewünscht hätte, zumal es keine Vorgruppe gab.

Tja da blieb einem nichts anderes übrig als auf der Veranda herumzustehen, in den wolkenverhangenen Sternenhimmel zu blicken und sich von irgendwelchen zugereisten Szenetouristen wegen der Drogenconnection anhauen zu lassen. Irgendwer von den Black Lips schluckt wohl Medikamente, aber wer tut das nicht. Früher hatten sie mal einen anderen Gitarristen, der aber schon 2002 via Autounfall ins Elysium eingegangen ist. Später des Abends, konnte man vom BL-Drummer noch ein paar flotte Tanzschritte erlernen, wobei sich besonders DJ Ragdoll als willige Schülerin erwies.



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