Psychedelic Underground


Spectrum / Wooden Veil – Bang Bang Club 10.11.2008

November 17th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Psychedelic Underground
Peter Kember - Spectrum. Foto: Tanja Krokos, dorfdisco 2008

Von

Seit nunmehr auch schon wieder 26 Jahren ist Peter Kember alias Sonic Boom mit seinen verschiedenen Bands und Projekten unterwegs. Spaceman 3 war in den 80er Jahren wohl dass, was man so schön nichts sagend unter dem Label ‘Psychedelic Underground’ einsortieren konnte (dafür gab es in manchen Plattenläden früher sogar noch ein eigenes Fach!!), aber eigentlich doch immer irgendwie mehr.

An ihrem Album ‘Playing with Fire’ (1989) erstaunt mich vor allem, wie mühelos hier der Bogen von Sixties-Garagerock ala 13th Floor Elevator, über Achtziger-Indie (Suicide seien hier mal als Referenzpunkt genannt) bis hin zum damals gerade entstehenden ‘Seattle-Sound’ um das Sub Pop-Label gespannt und dabei zu einer eigenwillig minimalistischen Mischung geformt wird. Mit Spectrum hat Sonic Boom in den 90ern mal eben noch ein paar Britpop Einflüsse eingesackt (ja, der war vorher da und darf das deshalb!!) und feilt bis heute stetig munter weiter an seinen typischen experimentellen Soundscapes.

Womit wir im Berliner Bang Bang Club an diesem trüben Montagabend angekommen wären.

Den Anfang machten die Berliner Wooden Veil, die während ihres 30minütigen Sets tief in der Krautrock-Kiste wühlten, inklusive singender Säge, Glocken und Banjo als Sitar-Ersatz. Das war vor allem dann interessant, wenn die Band sich in polyrhythmischen Spielereien verlor. Mir persönlich aber insgesamt dann doch zu avantgardistisch – wenn man es denn so nennen darf.

Sonic Boom und seine Mitmusiker waren danach schon ein ganz anderes Kaliber. Wer bei der Band der Chef im Ring ist, zeigte sich von der ersten Minute an. Obwohl mit Gitarrist Kevin Cowen ein Mitglied der ersten Spectrum-Generation auf der Bühne stand, beschränkte sich dieser, zusammen mit Bassist Nolan Watkinson und Roger Brogen am Schlagzeug, auf das Fundament, will heißen: man lieferte die Basis auf der sich der Boss genüsslich auszutoben verstand.

Hanayo - Wooden Veil, Foto: Tanja Krokos, dorfdisco 2008

Das Konzert war dann auch so etwas wie ein Überblick über das Schaffen von Peter Kember, wobei sich die Spaceman 3 – Sachen (meist erkennbar wenn Mr. Boom vom Synthesizer zur Gitarre wechselte) erstaunlich gut ins Restprogramm aus Spectrum und E.A.R. – dem anderen Projekt des viel beschäftigen Briten – einfügten.

Nach spätestens 20 Minuten hatten sie damit nicht nur mich, sondern auch den mit gut 200 Besuchern gut gefüllten Laden größtenteils im Griff, was nicht zuletzt an dem angenehmen, unprätentiösen Auftreten der Band lag. Sound- und Klangwände hieß das Geheimnis; Songs ohne wirkliche Songstrukturen, die meist irgendwann irgendwo anfingen und sich auf ein Ende zu bewegten, das dann doch noch minutenlang auf sich warten ließ. Synthie, Bass, Gitarre ‘brummten’ sich dabei immer mehr aufeinander ein. Zwischen einem solch sorgfältig engmaschig geknüpften Klangteppich, immer wieder durchsetzt von diesen feinen Melodien und Gesangslinien, ging dann irgendwann auch mein Zeitgefühl dahin.

Es war sicher kein euphorischer Tanzabend, das konnte man auch nicht erwarten. Gegen Ende des Konzerts ließen sich dann auch vereinzelte ‘langsam wird’s langweilig’- Unmutsbekundungen aus den Besucherreihen vernehmen, die ich aber so nicht teilen kann.

Wer es schafft ein solch minimalistisches Konzept derart zu perfektionieren – man könnte es Originalität durch Selbstbeschränkung nennen – muss sein Publikum nicht mittels Lautstärke oder Showeffekte überrollen. Da reicht es genauer Hinzuhören, und zumindest das haben Spectrum an diesem Abend geschafft. Im meinem Kopf weitergebrummelt hat es auch noch ein paar Stunden nach dem Konzert – immer ein gutes Zeichen!

Und an die lieben Plattenlädenbetreiber: Wenn ihr unter dem Etikett ‘Psychedelic Underground’ in Zukunft wieder Tonträger einsortiert die dieses Qualitätslevel erreichen, dürft ihr auch gerne wieder ein eigenes Fach dafür einrichten.

www.myspace.com/woodenveil
www.sonic-boom.info
myspace.com/spectrumofficialpage
myspace.com/sonicboom



Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: