Prädikat Punk


MIT live im Tape, 25.1.2008

Februar 11th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Prädikat Punk
Edi d. Winarni, MIT @ Tape, Berlin Photos by Maja George © Dorfdisco 2008

Von Vera Lenerz

MIT spielen im Tape-Club. Sehr junge Band aus Köln. Nach ersten Recherchen bin ich zwiegespalten. Zwar sind sie beim Berliner Label Haut Areal unter Vertrag, die auch Juwelen wie Sedlmeir vertreten. Und London oder Japan, ein Land in dem alles Erfolg hat was schrill, neu und exotisch ist, reißen sich um sie. Das konservative Deutschland fragt sich, was dahinter steckt. Und ich mich auch.

Elektropunk, New Rave, Artpunk, sind alles Begriffe, denen in meinen, zugegeben nicht vorurteilsfreien Augen etwas Sperriges, Gewolltes anhaftet. Auf einen Satz gebracht, ich hab die MC5 immer lieber gemocht, als The Velvet Underground. Und die Peaches kann ich ungefähr fünf Minuten hören, dann ist es mir zu primitiv. Bei aller Innovation und interessanten Texten, der Scheiß muss auch rocken und dann ist mir Raw Power lieber als All Tomorrows Parties.

Soviel zu meinen Vorurteilen – und nicht nur meinen. “Studentenrock”, “Kiddies mit zuwenig zu tun”, findet sich im Internet, neben frenetischen Lobeshymnen als Kommentar zu ihren Youtube- Auftritten. Ich bin also gespannt. Um ein Uhr fangen sie an. Sie bringen die Leute zum Tanzen. Das Berliner Publikum ist dem Feiern immer zugeneigt, und wenn es darum geht, Teenageangst zu zelebrieren, ist Edis feminin anmutendes, und doch aggressives Parole Shouting genau das Richtige.

Die Band geht auf Tuchfühlung mit ihrem Publikum, einen Großteil des Sets bestreitet Edi von den Schultern eines Zuschauers aus. Die Sets dauern nur eine halbe Stunde, was wohl Standard ist.

Die Musik: Elektrolastig, die Lieblingsband Daft Punk lässt grüßen. Inhaltlich bietet die Band interessante Widersprüche. Ihre Texte sind nicht wichtig, hinter ihrer Musik zweitrangig, sagen sie, und doch werden sie in den neuen Liedern durchdachter. Allein die Tatsache, dass man die neuen Lyrics auf Myspace runterladen kann, lässt Anderes vermuten.

Auf die Frage in einem Interview, welche Bücher sie gerne mögen, antworten sie, niemals welche zu lesen. Wer wie Edi einen Ipod mit sich rumschleppt, der 80 GB fasst und auch randvoll mit Songs ist, kommt wohl auch nicht dazu. Wohlgemerkt, einzelne Songs. Momentan neben Anderen bevorzugt Lykke Li, ist aus Schweden und “ein ganz süßes Mädchen”. Seine Lieblingsquelle für neue Musik sind Blogs, bevorzugt hypem.com/, eine Plattform, auf der übersichtlich viele Quellen zu Bands zu finden ist. All das spiegelt Interesse, Engagement und einen eigenen Geschmack wieder.

Maja George

Edi - Mit , wo mittendrin. Foto: Maja George

Da wundert einen die Geschichte der drei auch nicht mehr. Ihr erstes Konzert spielten sie als Support von Feedom, a.k.a. Savvy, Peaches und Gonzales. Auf ihre Email mit dem Anliegen zu supporten wurde nicht geantwortet, also gingen sie am Gigtermin kurzerhand zur Konzerthalle und ließen ein Demoband da. Das Tape gefiel, sie durften spielen. Dann wurden sie aus London eingeladen, der Rest steht in anderen Reviews.

Beklagt wird von den Seiten der Band, dass in Deutschland die Gig-Organisation wesentlich bürokratischer läuft, als in England, wo sie offensichtlich spontanere Buchungen erlebt haben. Karrierepläne haben sie erstmal nicht wirklich, sie wollen einfach veröffentlichen, auftreten, rumkommen. Auf die Frage, ob sie von ihrem Label nicht gepusht werden, grinst Edi. Klar versucht das Label das ein wenig, würde er ja an deren Stelle genauso machen, betont jedoch, sich gut aufgehoben zu fühlen. Zu dem Konzept einfach Live-Spielen und Rumkommen passt auch die Tatsache, dass die GründungsMITglieder sich sehr schnell von ihrem Drumcomputer trennten und Felix als Dritten MIT ins Boot holten. Sie verstehen sich als Live Act. Sieht man, merkt man. Macht Laune.

Ihre Platten zu kriegen ist nicht ganz leicht; ihr erstes Album wurde nur in Japan veröffentlicht. Was schade ist, da Titel wie “Deine Eltern” und “Buchheim” auch aufgrund ihrer Texte Nummern sind, die dazu einladen, sich mit ihnen eingehender zu befassen. Bald kommt ihr neues Album in Deutschland raus. Es sind zehn neue Lieder, keine Auswahl, alles was sie neu haben ist drauf, Remixe, etc. Es ist definitiv nicht meine bevorzugte Musikrichtung, die neuen Stooges sind sie auch nicht, dennoch kann ich diese Jungs aus vollem Herzen empfehlen. Sie sind jung und gehypt, aber das ist ihnen eher schnuppe. Man muss nicht mögen und super finden, was sie machen, sie machen es gern und das ist sypmathisch. Reinhören und selber Meinung bilden. Prädikat Punk.

www.mitmitmit.net
www.myspace.com/mitmitmit



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