Power-Riegel von der Insel


Boys in a Band, Dot-Club, 09.Juli 2009

Juli 12th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Power-Riegel von der Insel
Boys In A Band - Photo:Mike Menzel

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Die Färöer Inseln, dieses kleine Eiland irgendwo im Niemandsland zwischen Island und dem Britischen Königreich gelegen, sind hier in Deutschland den meisten Leuten wohl hauptsächlich als Fussballzwerg ein Begriff, den unsere Nationalmannschaft bei irgendwelchen Qualifikations- oder Freundschaftsspielen mindestens zweistellig abzufertigen hat. Aber die gründen manchmal sogar Bands, die Jungs da oben, und bringen es der Einfachheit halber dann gleich auf den Punkt:

BOYS IN A BAND – die langwierige und manchmal peinlich endende Suche nach einem originellen Gruppennamen geschickt umschifft!

Die 2006 gegründete Gruppe mag hierzulande noch eher den Status eines Geheimtipps innehaben, in ihrer Heimat (zugegebenermassen nicht gerade der Nabel der Rock’n Roll-Welt) sind sie die Größten. 2007 durfte man sogar aufs Roskilde Festival. Von Null auf Hundert in einem knappen Jahr – als britische Truppe wären sie wohl längst das neue Darling der Musikjournalie. Man kann es wohl nur als Blitzkarriere bezeichnen, wenn man es schafft ohne Plattenlabel im Rücken ( der Tonträger ‘Black Diamond Train’ ist laut Myspace-Seite schon seit Januar 2008 draußen, aber keiner scheint irgendwie so richtig zu wissen wie, wann, wo…) mal eben auf kanadischen und U.S.-amerikanischen Bühnen rumgereicht zu werden.

Hier in Berlin langte es noch nicht fürs Olympiastadion sondern nur für den Dot-Club, der dann auch sehr spärlich gefüllt war. Schande über euch, liebe Berliner! Da haben eine Menge Indie-Rock-Jünger wohl wieder gepennt und dabei einen Riesenspaß verpasst. Naja, so gabs für den durchgedrehten Fünfer aus Göta, Eioi und Torshavn halt mehr Platz zum Abtanzen, die Bühne war angesichts des Bewegungsdrangs der Jungs sowieso meistens zu klein.

Mike Menzel

Boys In A Band - Photo:Mike Menzel

Was die Boys selbst ‘Cowboy Rock’ nennen ist meilenweit entfernt von Peinlichkeiten mit Hut ala Boss Hoss, sondern orientiert sich vielmehr an den britischen Indie-Kollegen, wenn auch mit einer Spur mehr Dreck unter den Fingernägeln.

Von Anfang an bemühte man sich das Energielevel möglichst hoch zu halten, was angesichts der gähnenden Leere gar nicht so einfach war. Der Powerrock-Indiepop von der Insel knallte daher zwar schon ganz gut, aber der Rezensent hatte so manches Mal Bildern von wild pogenden Massen, verschwitzten Körpern im Kollektiv-Abgeh-Rausch etc. vor Augen. Mit der etwas tristen Realität im Dot-Club – Kopfnicken und Fußwippen – hatte das eher wenig zu tun. Dabei ist es gerade die Live-Show, sind es gerade diese Ohrwürmer mit eingebauter Abtanzgarantie wie ‘Secrets to Conceal’ oder ‘Black Diamond Train’, die solche Assoziationen provozieren.

Kein Wunder also, dass die Band ihren Stiefel zwar immer noch mit viel Energie und Verve, aber auch sichtbar routiniert runterspielte. Aus der Situation haben sie das Beste rausgeholt, die wenigen Anwesenden hatten ihren Spaß am ungestüm vorpreschenden Sound, der Lockerheit der Herren da oben und den skurillen Outfits zwischen Oberlippen- und Rauschebart. Die Band ist heiß und für das Berliner Publikum gilt: Da bleibt noch ganz schön viel Luft nach oben, Leute!!

www.myspace.com/boysinaband



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