Pop in Bundhosen


Jeans Team im Tacheles 1/6/2002

Juli 1st, 2002 | 0 Kommentare ...  

Pop in Bundhosen

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Wer weiss, es gibt viele junge Jeans und Teamfans im jungen Berlin. Dafür spielen sie hier aber nur alle Jubeljahre und schüren so einen Kult um sich, als dass man was verpasst, wenn man dort mal nicht hingeht. Also verabreden wir uns mit ein paar Freunden und waren gespannt auf die 4 Berliner Steppkes. Hier ist unser Bericht:

Nach längerem Geschwätz, das nur durch die überaus wierden Einfälle des Frathese Toys Dj Teams getoppt werden konnte, betraten die vier Berliner Hitmaker aus dem Kitty-Yo Stall die Bühne im grossen, gut gefüllten Saal. Ihre Instrumente sind eine in Reihe auf Handwerkstischen aufgestellten Yamaha’s, drei unergründlicheren Kontaktpiepsern, einem gitarrenähnlichen Plastikding sowie einer fetten Orgel, Schlagzeug und sogar Gitarren, die aber eher wenig zum Einsatz kamen.

Die erste halbe Stunde hörte sich in etwa an wie erste Gehversuche, dann kam ihr Hit ‘Ich singe keine Melodien’, was auch allzuleicht verständlich war, denn irgendwie blieben bei mir auch keine solche hängen. Trotzdem amüsierten sich die vier Berliner anscheinend königlich, was solch Kommentare wie jetzt aber, oder auf geht’s bezeugten. Der Junge mit der Umhängeorgel tanzte dabei unentwegt, was auch nötig war, weil der Rest der Band mehr oder weniger die ganze Zeit nur zu grinsen schien. Schließlich, und hier zeigte sich ihr grauseliger Abgrund, versuchten sie sich an einer Martin Rev a.k.a. Suicide Version, die ungefähr den Stellenwert einer Zündapp zur Indian hatte. Gegen Ende schaffte der Junge ohne Plastikkeyboard noch einige metaphorisch motiviert abstrakte Tanzhaltungen mit den Armen in Richtung Himmel, so, als schwebe dort das was ihnen dort unten fehlte. Nur leider fallen auch keine Jeans vom Himmel, die einer Band den Sound gibt, was Hosen dieser Art mal locker benötigen. Das Set wollte nicht durchstarten, man schaute sich teilweise recht hilflos an, was das Publikum auch mit den ersten Abgängen quittierte.

Einzig, und hier durfte man als Betroffener aufatmen, die Zugabe brachte genau das rüber, was dem ganzen Set zuvor fehlte: Energie. Plötzlich krachte es aus ihnen nur so heraus, heizten sie auch die Drähte der Mikrophone und gaben sich keine Mühe mehr unbedingt gut, schräg, schön oder was auch immer zu sein. Bei ‘Tür auf – Tür zu’ hatte man das erste Mal das Gefühl, dass hinter ihren Studentenfrisuren auch noch so etwas wie Rock’n’Roll versteckt begraben liegt.

(Rest) Jeans Team – Heimelektroniker beim Orgelkränzchen   Pic © Dorfdisco 2002

(Rest) Jeans Team – Heimelektroniker beim Orgelkränzchen Pic © Dorfdisco 2002

Pluxus: Sweden's Psykopotäts = 3x lustiger   Pic © Dorfdisco 2002

Pluxus: Sweden

Leider nur zehrte das lange Warten und der erste Teil schon zu sehr an unserer Durchsteh Kondition, und wir einigten auch schon auf eine andere, berüchtigte Party mit K.o. Tropfen Effekt in P.Berg zu gehen, als nach Jeans Team noch ein paar wirklich lustige Knallköpfe aus Schweden auftraten. Zwar bestand ihr Instrumentarium aus noch mehr Tasten und Knöpfen, doch besassen sie zumindest einen, der so ungelenk spastisch und N-e-r-d-l-i-k-e den ganzen Impetus von Elektro Pop in einen quietschenden Hüftgelenkschlenker brachte, wenn er nicht wie Mark Mothersborough von DEVO über die Bühne hopste.

Die Truppe hiess PLUXUS, und die Stücke hatten alle solch abgesägte Titel wie ‘Kung den Knege’, ‘Business’, oder ‘Psykopotät’. Die Mukke, auch wenn sie mehr in die ‘auch was für die Mitte’ Kategorie gehörte, war um so viel erfreulicher, als dass man nun nicht mehr wusste, ob man jetzt permanent durchgrinsen oder oder Arme irre zum Himmel strecken sollte. Doch betraf das nur eher mich, weil das Berliner Jeans Team Publikum jetzt wieder ganz rüber ins Obst und Gemüse gewandert war, und nur noch so zwei gehirnamputierte Fettwänste auf der Pluxus Bühnenkante sitzend zurückliess, die mit offenem Mund und Pfannen auf den Ohren jede Stimmung gleich zunichte machten.
So war das.



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