Papa Hardcore und die Stoiker


Fucked Up/ Monster – Festsaal Kreuzberg 27.11.2008

Dezember 1st, 2008 | 0 Kommentare ...  

Papa Hardcore und die Stoiker
Dürfte ähnlich so im Festsaal Kreuzberg ausgesehen haben: Damian Abraham aka Pink Eyes von Fucked Up drei Tage vorher in Köln. Foto Dorfdisco 2008

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Diese Band ist LAUT!! Das letzte Mal, dass ich mit einem derartigen Pfeifen im Schädel erwacht bin dürfte der Morgen nach dem letztjährigen Dinosaur Jr.-Konzert gewesen sein.

Ausserdem kann sich diese Truppe mir einem wirklich durchgeknallten Frontschwein (positiv gemeint!!) schmücken, einen sowas von tighten Groove hinlegen und überhaupt sind Fucked Up aus Toronto zur Zeit wohl der heißeste Scheiß im Hardcore-Punk-Bereich.

Zunächst standen aber noch die Berliner Monster auf der Bühne des Kreuzberger Festsaals und versuchten ein zurückhaltendes Publikum in Stimmung zu bringen . Ihr Old-School-Hardcore zeigte sich vor allem vom Spät-Achtziger NYHC-Sound ( Sick of it All, Agnostic Front etc.) beeinflusst, aber auch die unvergleichlichen Texaner von D.R.I. dürften den Jungs wohl nicht gänzlich unbekannt sein. Die ziemlich lauen Reaktionen auf ein eigentlich gar nicht so schlechtes Set (kurz und knackig, würd ich mal sagen) nahm man von Bandseite dann eher mit Humor.

Die Berliner Zuhörerschaft hatte sich halt mal wieder für Coolness pur entschieden, ein Umstand der im weiteren Verlauf des Abends zumindest von einer Handvoll umhertobendem Jungvolk außer Kraft gesetzt werden konnte.

Blickfang und sympathisches Original bei Fucked Up ist eindeutig Father Damian Abraham aka Pink Eyes, der sich schon nach dem ersten Song seines T-Shirts entledigte, die Shorts zurechtzog und – nun ja – richtig loslegte!! Auf der Bühne sah man Damian von da an eher selten. Sein wichtigstes Utensil an diesem Abend bestand aus einem sehr, sehr langen Mikrophon-Kabel, denn der Gute musste ja schließlich weiterhin zu hören sein, auch wenn er gerade mal wieder die Empore des Festsaals erstieg oder die Bar am anderen Ende besuchte, um sich mal kurz ne Cola geben zu lassen.Schon wenige Minuten nach dem Gig tauchte er dann gutgelaunt und fröhlich schwatzend am Merchandise-Stand auf. Wenn das mal keine perfekte und ungekünstelte Umsetzung der oft beschworenen Fanbindung ist!!

Der Rest der Band verzog bei all dem keine Miene und es zeigte sich mal wieder, was für ein ohrenbetäubendes Brett drei E-Gitarren und der gute alte Ampeg SVT nebst 8x10er Boxen-Ungetüm abzuliefern imstande sind. Da ging das Schlagzeug teilweise sogar etwas unter. Dem Sound hätte etwas weniger Lautstärke allerdings ganz gut getan, denn der war nur in der Nähe des Mischpultes wirklich erträglich (oder haben da einfach meine Ohren gestreikt?).

Den Gegenpart zu Damian Abraham bildete eindeutig Lead-Gitarrist und Gründungsmitglied Mike Haliechuk, sowohl optisch als auch gesanglich. Dessen melodiöse Backing-Vocals in Kombination mit der Reibeisen – Stimme von Pink Eyes machten für mich die eigentliche Originalität dieser
ansonsten doch eher straight zu Werke gehenden Band aus.

Das aktuelle Album ‘The Chemistry of Common Life’ wurde in diversen Foren der Hardcore-Gemeinde aufgrund des Einsatzes so Genre-untypischer Instrumente wie French Horn oder Querflöte eher spektisch zur Kenntnis genommen. Live verzichtete man auf derart artfremdes Zubehör und auch die Spielzeit von gerade mal einer knappen Stunde korrespondierte dann doch hevorragend mit dem HC-Ethos, getreu der Devise: Rausgehen, alles wegblasen, und tschüß…. bis zum nächsten Mal.



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