Noch ne Schicht


The Horrors, S.C.U.M. live im Luxor,Köln, 6.11.2011

November 8th, 2011 | 0 Kommentare ...  

Noch ne Schicht

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Ich war ziemlich begeistert von The Horrors als 2007 diese krachlederne 60s trifft Gespenster Platte Strange House rauskam. Die Band wischte damit eine ganze Generation an post-post Britpop Bands weg, von unseren weinerlichen Indiepopbands ganz zu schweigen.

Alles an ihnen war cool: die Haare, die Klamotten und auch das auftreten, das regelmäßig geistig verwirrte Zuschauer zurück ließ.

Als zwei Jahre später das Folgealbum Primary Colours rauskam, stand es um die Band schon ganz anders. Das mit Hochspannung erwartete Werk war kein dreckiger Psychobratz mehr, sondern ein an deutschem Krautrock und sonstigen verlangsamten Einflüssen orientiertes Kunststück, dass zwar alle Kritiker begeisterte, auf der Bühne aber nicht mal mehr die Hälfte der Jahre zuvor auslöste.

2011 nun folgte Skying, und will die Band einem weissmachen dass sie sich wieder komplett geändert hätte, so ist Skying doch nichts anderes als ein weiterer Ableger von Primary Colours: nett anzuhören, mit gelegentlichen Chillwave Elementen und eleganten Übergängen hier und da versehener Papierflieger.

Live war das bei der Primary Colours Tour schon so eine Sache: flogen zu Strange House  Zeiten noch die Fetzen, wurde bei Primary schon mehr Paar getanzt. Und soviel anders kommt es denn auch nicht bei Skying: zwar müht sich Gitarrist Joshua Third mit wilden Gesten und tänzelt Bassist Rhys Webb unablässig auf und ab, doch wirkt alles überladen, wird noch ne Schicht und noch ne Schicht lauter Gitarre-Synth Fläche aufgelegt und wirkt Stürmer Badwan bei all dem Durcheinander einmal mehr verloren und ohne Anschluss.

Vielleicht haben sie ja eine Art Geheimrezept dass nicht nur mir verborgen blieb, jedenfalls standen die meisten bei allem Interesse doch recht unschlüssig herum.

Ganz anders dagegen Vorgruppe S.C.U.M.. Schon vorher als Geheimtipp gehandelt lösten sie jede diffuse Erwartung ein, die bessere Band des Abends zu sein.  Die Band klingt trotz des störrischen Korg MS20 (bedient von Add N to X’s Barry7’s Sohn Samuel Kilcoyne) immer gut ausbalanciert zwischen Noise und Melodie – und Sänger Thomas Cohen ist wie ein junger, neuer Nick Cave!

S.C.U.M., benannt nach Valerie Solanas Manifest ” Society for Cutting Up Men” (SCUM) die fürihren Ruhm nebenbei noch Andy Warhol anschießen musste, sind auch sowas wie die kleinen Brüder von The Horrors. Nicht ganz klare Verbindungen zwischen beiden Bands existieren, und sei es auch nur die fast gleiche musikalische Attitude zwischen vielschichtigem Krach und tanzbaren Rythmen.

S.C.U.M. lösen dies ganz leicht und sympathisch, und mit jenem so verdammt gut aussehenden und wie hypnotisch in Bewegung gesetzten Sänger werden sie die Entdecker auf ihrer Seite haben.

http://thehorrors.co.uk

http://www.myspace.com/scum1968



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