Nineties Reloaded


The Vortex im Magnet Club, 16.10.2009

Oktober 24th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Nineties Reloaded

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Im Magnet macht sich in dieser Nacht so etwas wie Nostalgie breit. Zumindest bei einem Teil der Anwesenden. Die Mehrzahl des Publikums ist dafür zu jung.

Obwohl The Vortex bisher nicht mehr als eine 7″ Inch Single vorzuweisen haben, ist der Hype um die Band beträchtlich. Das mag natürlich einerseits damit zu tun haben, dass in ihren Reihen mit Bonehead, ehemals Oasis, eine ziemlich bekannte Besetzung an der Gitarre vertreten ist. Andererseits transportieren die wenigen Songs, die man bereits von ihrer My Space Seite kennt, sagenhafte Vibes, die direkt in Blut und Beine gehen. Pur und ohne viel Selbstzweifel geht es da zur Sache. Eine Reminiszenz an die Tage, als Rock’n’Roll Music von der Insel mit sehr vielen großartigen Songs, breitbeinig und wunderbar abgehoben daher kam.

Die Vorband Slow Club entfällt krankheitsbedingt, wofür die Gäste im nicht gerade überfüllten Magnet nicht mal ein Schulterzucken übrig haben. Um kurz nach eins kommen The Vortex auf die Bühne. Man merkt, die Band ist in Partylaune. Am Vorabend stand ein Gig in Amsterdam auf dem Plan. Unweigerlich sind die Augen und Kameras, natürlich vor allem während der ersten Songs, auf den Mann an der Gitarre gerichtet. Paul ‘Bonehead’ Arthurs lässt das sichtlich kalt.
Kein Wunder, war er doch auch bei Oasis alles andere als die Rampensau. Er zieht stoisch sein Ding durch, ist der ruhende Pol in einer ansonsten jungen Band, die um die Aufmerksamkeit weiß, die ihr durch Arthurs’ Anwesenheit zwangsläufig zuteil wird. Aber damit wird locker umgegangen. Sänger Mike Price sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum, sei es durch kurze Bemerkungen zum bisherigen Verlauf der Tour, ein beherztes „Cheers” oder der wiederholten Aufforderung zu tanzen, sich zu bewegen.

Die Songs sind ganz klar Madchester – inspiriert, die Aussagen der Knallersongs so simpel wie effektiv. „Spend some Time on the Dole, because it’s good for your Soul.” heißt es etwa in Rock’n’Roll. Wer vermag da schon zu widersprechen. Ein Problem dieses urbritischen Baggysounds war ja immer, dass er über weite Strecken mißverstanden wurde und eben nicht als das begriffen wurde, was er eigentlich ist: Tanzmusik im ursprünglichen Sinne. Go out and have a good Time. It’s just as simple as that.

Mike Price hat seine Lektion bei Liam Gallagher und Ian Brown natürlich mehr als deutlich gelernt, das zeigt sich in seinen Posen, die zum Glück nie aufgesetzt wirken, sondern herrlich frisch daherkommen. The Vortex spielen sich mit viel Enthusiasmus durch ihr überschaubares Repertoire, das ausnahmlos aus circa dreiminütigen Rock’n’Roll Tunes besteht. Balladen und Befindlichkeitsduseleien sucht man hier vergebens. Dirty Soul, Never Negotiate oder auch Shot Through sind Songs, die durch ihre bloße Energie leben, angereichert durch sparsam eingesetzte elektronische Elemente. Nach knapp 50 Minuten ist der Spaß dann vorbei. The Vortex werden heftig abgefeiert und für zwei Zugaben zurück auf die Bühne gebeten. Angesichts des knappen Materials gibt es noch einmal Revolution Sometime und Dirty Soul in ihrer vollen Wucht. Das endgültige Finale markiert ein gänzlich unbekannter Song, ich glaube Oblivion ist sein Name.

Fazit des Abends: Hier wurde garantiert kein neues Riff erfunden und auch einen Innovationsaward gab es nicht zu verleihen. Aber deshalb ist bestimmt niemand ins Magnet gekommen. Stattdessen sahen wir eine verdammt gute Band aus England, die noch für einigen Wirbel sorgen wird, wenn sie das Versprechen ihrer Live-Präsenz auf dem kommenden Debutalbum einhalten kann.

www.myspace.com/thevortexmanchester



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