Muskeln für Frauen


Juliette and the Licks im SO36

August 25th, 2005 | 0 Kommentare ...  

Muskeln für Frauen
Juliette Lewis, Photo Shuntrock © Dorfdisco 2005

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Das SO36 war ausverkauft, Karten von privat erzielten Schwarzmarktpreise, von wer weiß woher strömten massig Fans um die den Meisten wohl nur aus Filmen wie From Dusk ’til Dawn oder als lasterhaft sadistische Serienmörderin in Natural Born Killers bekannten Schauspielerin Juliette Lewis als heuer live explodierte Rockröhre mit ihrer Band the Licks zu erleben.

Allerdings, so heisst es, darf man nicht denken dass dies nur so nebenbei ist. Wo andere Schwergewichtsmusiker den Weg nach Hollywood suchen (und dort sachte untergehen), geht Lewis den umgekehrten Weg um mit fester Überzeugung einen Platz als Rockstern zu erobern.

Kurz nach 9 dann stiefelte sie in Netzstrumpfhosen und hautengem Oberteil bekleidet auf die Bühne, würdigte das volle Haus mit ein paar strengen Blicken und startete mit Shelter Your Needs von der 2004 EP “Like A Bolt of Lightning”. Das “it’s a mad world, you got to fight, fight, fight” schrie sie gleich kämpferisch. Auch sonst zeigte Lewis eine Vitamin geladene Power gepaart mit üppiger Portion Rockgymnastik, die so manch kulturell anwesenden Biertinker tief ins Bein leuchtete.

Denn Juliette ist noch lange keine lahme Ente im Glanze ihres Ruhms. Juliette schwitzt, rackert, arbeitet und schreit, was die manchmal etwas dünne Stimme wieder wettmacht. Einmal baut sie sich vor dem Publikum auf und spielt mit ihren nicht gerade vorhandenen Muskeln, ein andermal springt sie begeistert in dasselbe hinein. Nur ihr wiederholtes “Oh whow, you’re amaaazing” wollte ich nicht 100%ig abnehmen. Als Scientologenkind mit Gesundheitsfimmeln dürfte es ihr im vollgerauchten SO wohl doch nicht ganz behaglich gewesen sein.

War die Show vielleicht deshalb schon nach einer knappen Stunde vorbei? Das enttäuschte Publikum (“schwache Leistung” – Lesbe, blondiert) forderte bis zum Putzlicht wiederholt Zugaben. Es gab derer zwei, letztere übrigens Search and Destroy von Iggy and the Stooges, deren Musik Juliette angeblich mal geholfen hatte eine alte Drogensucht zu besiegen.

Zurück blieb mein Eindruck einer ok-so Rockband mit Rocksternchen, die aber zu vergleichsweise anderen Stars der Musikszene mehr als nur glänzend punktet. Auch der Umstand von Hollywood in Kreuzberg empfand ich als irgendwie antagonistisch. Da drängeln sich 1500+ ins SO um ne blütenreine Rockshow zu sehen. Wenn da mal nicht nur wieder Radio 1 schuld war…



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