Mona Mur


Mona Mur bei der Berlin Super 80 DVD Release Party, 8.2.2005 im K44

Februar 15th, 2005 | 0 Kommentare ...  

Mona Mur
Mona Mur Live at K44, 8.2.2005, Photo © Dorfdisco 2005

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Mona Mur wird manchem kein Begriff sein. Nicht schlimm, wenn man bedenkt dass ihr Debut 1982 in Hamburg an der Seite von Alexander Hacke, Mark Chung, FM Einheit (alle Einstürzende Neubauten), und Nikko Weidemann stattfand, auf Anhieb “Single of the Week” im NME wird, und die Band daraufhin zerbricht. Danach ging Mona noch erfolgreich Solowege bis…

Es ist Dienstag, der 8.2. 2005. im Rheinland feiert man Fastnacht, in Berlin aber wird im Rahmen der Berlinale eine DVD mit alten Super 8 Filmen von 1978-84 released. Bei der dazugehörigen Veranstaltung (70% Gästeliste, 50% Jahrgang frühe 60er) treten Kiddy Citny (mit Renault Schubert), Frieder Butzmann, Wolgang Müller (mit Namosh), Mona, sowie eine vergleichsweise vergessbare Elektroformation namens Dekadenz 2000 auf.

Eigentlich ist es relativ überflüssig auf die Bedeutung von Revivals einzugehen. Wenn im Rahmen ewiger Aufarbeitung Jürgen Teipel noch den Rest 80ger in Form von Interviewschnipseln und Dias (Verschwende Deine Jugend.doc) auf Celluloid quetscht, darf auch Original Super-8 Celluloid auf DVD für irgendwen recht sein. Live lässt sich die genial-kaputte Ästhetik der damaligen Zeit nicht wiederholen, und, waren die Acts des Abends auch elitär gewählt, so wollte bei manchem Zeitzeugen auch nichts mehr passieren. Einzig Kiddy Citny schaffte mit Renault Schubert am Bass einen neuen, packenderen Sound, der mit Nachdruck rockte.

Aber etwas anderes lag in der Luft. Seit Mona Mur’s Beitrag zu Fatih Akins “Gegen die Wand” und der darauffolgenden “Into your Eye” Compilation ist die eiserne Jungfrau der blutigen Passionen wieder da, und es war nur eine Frage der Zeit, bis ihr erster Auftritt seit nun mehr 15 Jahren stattfand.

Schon ergab sich ein ziemliches Gedränge als die All-Star Band bestehend aus Nikko Weidemann (Tasten, neben Thomas Stern einziger Originalmember), Jochen Arbeit (Gitarre), YoYo Röhm (Gitarre), Thomas Stern (Bass) und Kersten Ginsberg (Schlagzeug) auf die Bühne, ja, stiefelten. Und es brauchte keine 4 Takte um herauszuhören, dass hier mehr als nur Altersheim passierte.

Die Eröffnungsnummer Surabaja Johnny (Brecht/Weill) zelebrierte die Band zu einem industriell, düsterem Slowbeat im getragen morbidem Schick, wozu Mona den bekannten Text manisch-kühl fauchte und hauchte auf dass es dem Laden den Rücken runterieselte.

Mona Mur Live at K44, 8.2.2005, Photo © Dorfdisco 2005

Mona Mur Live at K44, 8.2.2005, Photo © Dorfdisco 2005

Auch Snake, Mon Amour oder Das Lied vom Ertrunkenen Mädchen erklangen zeitlos und in Folge dessen heute noch dreimal origineller als der letzte Deutschpop. Das liegt nicht zuletzt an Monas erotisch-rauchiger Stimme, dunkel, wild und ausholend genug auf dass nicht ganz sicher ist, auf welchen Abstand sich man sich besser mal begibt. Schließlich wurde Mona nach ihrer kurzen und heftigen Karriere erstmal internationale Vizemeisterin im Taekwondo (Technik 1998/1999), Internationale Dänische Vizemeisterin und Deutsche Vizemeisterin 2000 – aber halt immer nur Vize-vize-vize, so dass man glauben könnte, dass sie dieses Vize jetzt nochmal auf der Bühne kompensiert.

Dazu befand sich die Band im sogenannten Zustand konzertierten Rausches. “Wir hatten 4 Proben, und jedesmal merkte die Band dass was ging und man wuchs schnell über sich hinaus”, sagte Mona nachher, und “jeder wusste sofort was er zu tun hatte. Es lief wie geschmiert”. Dies referenzierte dann auch das kleine Wunder, als während des ersten Stückes gleich ein Teil der Fussmaschine zerbrach und niemand anders als Endruh Unruh entsprechend Ersatz aus der Tasche zauberte und das Teil im fliegenden Wechsel austauschte.

Ansonsten vertrubelte sich der Abend mehr in Bier-bis-Wein Gespräche, von den vorgeführten Super 8 Videos nahm eigentlich niemand so recht Notiz. Und, wenn man sich noch zurückerinnern kann an die kaputten Tage ihrer Entstehung, so fällt einem auch nichts weiter ein, als dass sich die Filmszene von ein paar wenigen Hartgesottenen nährte, die ihre Streifen vor nie mehr als einer handvoll, dafür um so ergebener Zuschauer zeigten.



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