Modischer B-Trash


Das Levi’s Unbuttoned feat. Esser, Amanda Blank, The Subways at Astra, 2.7.2009

Juli 6th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Modischer B-Trash

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Ein irgendwie exklusiver Event sollte es werden, bei dem es die Karten nur über Verlosungen geben sollte. Später gab es dann aber sogar noch welche an der Abendkasse, was das Niveau nicht gerade steigerte.

Das zur Berliner Modewoche anberaumte Levi’s Event war denn auch mehr modischer B-Trash, wenn überhaupt.

Abgesehen von ein paar Reklameschildern war es nicht mehr oder weniger als ein voll gelaufener Konzertabend: eine kritische Masse drängelt jeweils in eine andere Richtung, einzige Fixpunkte eine überdrehte Bühnenlightshow und hinten die Bar – beides hoffnungslos überfüllt und zu besprechen gab es eigentlich auch nichts.

Die meisten Besucher kamen denn für BoysNoize, so schien es, oder The Subways, sollte man dem Gebrüll nach urteilen.

Ich kam hauptsächlich um die ersten Berliner Auftritte von Britanniens 23-jähriger Pop-Zukunft (und, für euch Fashion-Geeks Hedi Slimane Freund) Ben Esser und Amerikas gerade-Gerede-in-der-Pfeife Amanda Blank zu sehen.

Um Esser zu beschreiben kommt man wohl nicht an Damon Albarn oder Beck vorbei. Nicht nur weil die aktuelle Singe Headlock Beck’s Loser-Refrain benutzt, Esser legt auch jene synkopierte Coolness an, mit der Beck seine Karriere startete, ziemlich easy-going und schwer Hitverdächtig.

In perfekt sitzenden Jeans, hautengem Unterhemd und der zum Himmel hin frisierten Tolle schwang sich der junge Dubhopper durch ein halbstündges Set, wenn er nicht mal beiläufig eine vorn aufgestellte Floortom mitschlug. Manch einer fand diese Easyness lustlos, sogar Playback wurde ihm unterstellt, weil eine Vocal Spur vorproduziert vom Band kam. Dies sei dann klar geworden, wenn Esser das Mikro nachlässig in Kniehöhe baumeln liess.

Andererseits war es so ein lockeres Statement, warum sich das Hemd durchschwitzen? Vorne standen ein paar Dutzend um Luftlöcher herum, der nörgelnde Rest drängelte an der Bar oder stand draussen in Erwartung eines anderen Acts des Abends.

Aber dies ist nun mal modernster britischer Pop, verspult und witzig, der in der britischen Presse sogar noch neben Lily Allen gestellt wird. Und was wohl noch niemand aufgefallen ist: Esser besitzt eine nach dem jungen Nick Cave geartete Körpersprache. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass man ihn hier lange nicht mehr sehen wird. Es sei den in irgendeinem Modeclub. Da sind andere Märkte doch noch attraktiver.

Zuletzt aber wurde Esser wohl wegen seiner modischen Looks und absoluten Hipness als Opener dieses Modeevents eingeladen, ein Easyjet-Flug aus London und ein bisschen Catering nebst Hotel tut ja auch nicht besonders weh.

Die anschließenden Subways konnte man da schon in einem Satz zusammenfassen: schweißtreibende Indieroller mit Animationsgepose – das nach vorn geeilte Publikum war aus dem Häuschen.

Spätestens zur jetzt die Seite…, jetzt die Seite – geht es noch ein bischen lauter? We love Berlin! Ansage musste man aber weg sein. Andererseits war ihr Energiepotential schon beeindruckend. Sänger und Gitarrist Billy Lunn hätte noch Stunden auf einem Strafgefangenenlager ackern können, und Bassistin Charlotte Cooper hüpfte unablässig mit einem Bass um die Schulter, der glatt ihr eigenes Körpergewicht hätte ausmachen können.

Unterm Strich sind The Subways eine englische “I Wont Let You Down” Arbeiterband, die gut in die 501, und am 10.7.als Vorgruppe zu den Toten Hosen passt.

Danach kam Amanda Blank.

www.myspace.com/esserhq

Besser: Esser:



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