Melodischer Lo-Fi-Lärm


Wavves / Jailhouse F_ck, West-Germany, 18.02.2009

Februar 22nd, 2009 | 0 Kommentare ...  

Melodischer Lo-Fi-Lärm
Jailhouse F-ck, West Germany, 18.02.2009 Photo: Tanja Krokos

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Ich muss doch hier zunächst mal eine Lanze für das Kreuzberger West Germany brechen. Es dürfte anno 2009 ziemlich schwierig sein in dieser Stadt einen Ort zu finden, der mit einem solchen Charme einen eigentlich eher ungemütlichem Platz ausfüllt. Das die Veranstalter einen hervorragenden Riecher für interessante Bands, DJ’s und sonstige außergewöhnliche Performances besitzen, dürfte sich mittlerweile auch herumgesprochen haben. Und in diesem Schwimmbad-ähnlichen Raum gelingt es sogar dem Mixer einen meist überraschend akzeptablen Sound zu schaffen, wie auch an diesem Abend. So, Lobhudelei aus!!

Da konnte man zunächst einmal Jailhouse Fuck mit Bierflaschen durch den Laden schlurfen sehen, wobei die beiden männlichen Mitglieder mit ihren langen Zottelharren und tief sitzenden Jeans ganz dem Bild schwedischer Gitarrenrocker entsprachen, wie sie uns seit Jahren von den Titelseiten der Musikjournalie entgegengrinsen.

Köstlich mit anzusehen wie das Trio anschließend solche Klischees auf der Bühne dann locker unterlief. Das ganze klang nicht annähernd nach Skandinavien-Rock, vielmehr so als hätten sich die frühen Ministry mal eben mit Extreme Noise Terror zum Jammen in einem New Wave Schuppen irgendwann Mitte der 80er verabredet. Motto der Truppe: Nur ein kurzer Song ist ein guter Song! Länger als eine Minute ist Rockstargehabe! Zwischendurch durfte auch mal der ‘ Aushilfs-Schlagzeuger’ auf die Bühne.

Drei Stücke, und schon war er wieder in der Menge verschwunden. Wunderbare Publikumsspalter waren sie dabei auch: Während etwa die Dame neben mir ekstatisch auf und ab hüpfte, überlegten sich die zwei Herren in meinem Rücken lautstark ob sie sich angesichts des ‘Kraches’ da vorne nicht doch lieber an der Bar betrinken sollten.

Wavves, West Germany, Photo: Tanja Krokos

Nathan Williams, Wavves, West Germany, 18.02.2009 Photo: Tanja Krokos

WAVVES aus Kalifornien werden ja schon vielerorts als die neue Hoffnung der All Ages Movement -Szene in den U.S.A. gefeiert, einer Bewegung die versucht eine ‘neue, kritische’ Generation von Jungamerikaner über ‘Indie-Musik’ zu vernetzen, also eine Art künstlerische Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Erinnert alles nicht von ungefähr an die New Yorker Indiebands der späten 80er (siehe unten).

E-Gitarre und Schlagzeug, Besetzung und Attitüde sind minimalistisch, die Stücke kurz, aber das Sonwriting-Talent dafür riesig. Zunächst lässt sich mal feststellen: Keiner schüttelt sein Haupthaar so schön wie Nathan Daniel Williams, kaum einer ist in der Lage derart viele „uhuhu’s” in seinen lärmenden Melodien unterzubringen. Ja, ja und das alles klingt natürlich schon irgendwie Lo-Fi , wie all die Kritiker anlässlich ihres neuen Albums WAVVVES (mit noch ‘nem zusätzlichen fetten V!) nicht müde werden zu betonen. Auch die vielfältigen Reminiszenzen an Dinosaur Jr., und die sperrigeren Sachen von Sonic Youth, fanden immer wieder Erwähnung und so ganz von der Hand weisen lässt sich das alles dann auch nicht.

Tatsächlich könnte man sich die gute Kim Gordon schon ab und an als Sidekick vorstellen, wie sie etwa das wunderbar hingerotzte ‘Beach Demon’ mit Stimme und Bassspiel veredelt. Aber dann tönte der heimliche Überhit ‘So Bored’ durch die gekachelte Schönheit des West Germany und ich musste doch mal kurz überlegen, ob vielleicht Ween so klingen würden, wenn sie das College vor ihrem Rock mal beiseite schieben würden? So richtig funktionieren all die Vergleiche halt bei den WAVVES dann doch nicht.

Also sollte man es machen wie die Band sich selbst auf der Bühnen präsentierte, auch wenn das jetzt wieder nach Phrasenschwein klingt: Weniger quatschen und die Musik für sich selbst sprechen lassen.  Vielleicht demnächst mit Sonic Youth? Und Kim am Bass?

www.myspace.com/wavves

www.myspace.com/jailhousefck



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