Magie der leisen Töne


Die Singer/Songer Nacht IV, Bang Bang Club, 16.10.2008

Oktober 20th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Magie der leisen Töne
Martha Rose - Foto: Tanja Krokos

Von Sascha Roeder

„Go Electric” ! – dazu fordern Grimm And The Brothers auf, zumindest wenn man den Titel des aktuellen Albums für sich stehen lässt. Anne Katrin Grimm & Hannes Guhl, zwei der drei Musiker dieser Formation, eröffneten die 4. Berlin Songwriter Nacht dann auch mit dem Song „Electric Blue”. Die melancholischen Lyrics verloren sich im beschwingten Zusammenspiel der Gitarren ins Träumerische und zurück blieb ein aufbauendes – ja man kann es auch so sagen – elektrifizierendes Gefühl. Ein Auftakt also bei dem man sich wünschte, die Spielregeln des Abends könnten gleich außer Kraft gesetzt werden. Denn maximal 8 Minuten bzw. 3 Songs hatte jeder Künstler um sich dem Publikum an diesem Abend zu präsentieren.

Beim nächsten Kandidaten waren die Forderungen nach einer Zugabe wohl am energischsten. Und das zu meinem vollsten Verständnis! Martha Rose heißt der englische Neuzugang in der Berlin Songwriter Szene, der sich als ein Highlight des Abends entpuppte. Auch ihrer kleinen Band gelang es bei aller Sentimentalität immer einen Schimmer Hoffnung aufrechtzuerhalten. Dieser transportierte sich nicht nur textlich, sondern schon allein durch den country-„folkigen” Sound, getragen von Akustikgitarre, Banjo und Perkussion.

„Getting Up Every Morning”, angetreten mit Gitarre und Glockenspiel, trugen anschließend eine kleine Auswahl ihrer Songskizzen aus dem „writing one song every night” Projekt vor. Zu hören gab es unter anderem den persönlichen Favoriten des Künstlers namens „That one string”. Wer die 103 zur Überwindung einer Lebenskrise geschriebenen Songs chronologisch nachhören möchte, findet die komplette Sammlung auf der Website www.gettingupeverymorning.com.

Auch relativ neu auf der Bühne ist ein Songwriter der unter dem Namen „neu geben” auftritt. Die Gitarre sorgte für etwas Erdung, während der vom Tape abgespulte Sound in Richtung des Sphärischen wies. In positiver Erinnerung blieb mir ein Song der passend dazu, wenn ich mich nicht verhörte, mit der Metapher eines glänzenden Sterns spielte.

Mit D.Cooper kam dann wieder ein älterer Hase der Berliner Songwriter Gemeinde zum Zug. Vorgestellt wurden drei Songs der neuen EP. Los ging es mit „In the morning after” einem schönen Folksong mit Mundharmonika-Parts ohne größere Überraschungen. Etwas flotter wurde es bei „Never say die”. Mit “I hate your flip flops, I hate your smile, don`t like your correct indie-style” gab es auch einen Refrain zum Mitsingen.

Es folgte aus meiner Sicht das nächste Highlight – Secret Hiding Place, ein Nebenprojekt des Frontmans der Band Bonaparte, die ja zuletzt das Titelbild der tip Berlin zierte. Bei Secret Hiding Place ging es dann auch ganz und gar nicht trashig daher. Die Songs entfalteten ihre Spannung langsam und überlegt. Präsent war in erster Linie die Stimme, getragen von dezenten Akkordfolgen auf der Gitarre. Textlich gipfelte das ganze dann in schönen Zeilen wie „Seems like time really finds a way for the things we cannot say” aus dem Song “Time Part III”.

Photos: Singer/Songer Nacht, Bang Bang Club, 16.10.2008

Im Anschluss an die für John Edward Donald (aka. Human Elephant) eingesprungenen Philipp Bellinger & Band, spielte Dirk Dresselhaus alias SchneiderFM ein paar, wie er sagte, „Post-Self-Pity-Folk” Songs. Das akustische Gewand stand den Songs ganz gut und lies die elektronischen Elemente wie man sie aus SchneiderTM kennt nicht vermissen.

Die angekündigte „low-fi-magic” von Marzipan Marzipan wusste mich dagegen nicht zu verzaubern. Etwas ausgefeilter wirkten dagegen die schwelgerischen Keyboardklänge und Melodien des Iren Richard Murphy. SKIRT verpasste ich leider, so dass es mit Race Car, einem Projekt von Justine Elektra, weiter und schon auf die Zielgerade zuging. Sie war ein weiterer kleiner Höhepunkt, denn der eindringliche Gesang und das tongewaltige Harmonium erweiterte noch einmal das Klangspektrum des Abends.

Die HipHopper AronHabits sollten das Publikum noch einmal zu später Stunde aufmischen. Da die Veranstalter wussten, dass dies nach 13 vorhergehenden Songwriter Acts schwierig werden würde, hob man zu guter Letzt auch die 8-Minuten Regel auf!

http://www.ag-parka.de/start08.html



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