Loop, Quietsch, Brummschleifen- (T)Error


Warren Suicide und T.Raumschmiere in der Volksbühne, 5.12.2008

Dezember 12th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Loop, Quietsch, Brummschleifen- (T)Error
T.Raumschmiere in der Volksbühne, 5.12.2008. Foto: Mike Menzel, Dorfdisco 2008

Von Mike Menzel

Es war Freitag, einer dieser grauen Freitage. In der U-Bahn sitzen Thor-Steinar-Mützen-Träger mit Handschuhen an und verbreiten irgendwie ein bedrohliches Gefühl als sie die Bahn abschreiten. Als sie ausstiegen lehnte ich mich zurück und lies mir mit Hilfe eines kalten Bieres meine Nerven beruhigen.

In der Volksbühne angekommen erwartet mich eine gemütliche, chillige Atmosphäre. Nichts ist auch nur ansatzweise zu spüren von der Abgedrehtheit der durchtanzten Nächte des Fusion-Festival (www.fusion-festival.de), bei dem Herr Raumschmiere fast schon zum Inventar gehört.

Nach einem leckeren, aber lieblos zurecht gezimmerten Drink an der unbequemen, weil irgendwie zu kleinen oder kurzen Bar ging es zum Aufwärmen auch schon in das Scheinwerferlicht des Großen Hauses.

Irgendwie beängstigend – so viel Raum in alle Richtungen … vor allem nach oben.

Dann ging alles ganz schnell. Rumpel-Test am Schlagzeug und schon quoll das Gewummer und Gefiepe aus den Boxen in Richtung Ohrenschmalz. Warren Suicide machten den Anfang und begrüßten freundlich das recht übersichtliche Publikum, das sich ohne Murren aus den überaus bequemen Sitzen schälte. Die Menschen wackelten bald schon mit all ihren Körperteilen und manche zuckten auch rhythmisch.

Die roten Schuhe von Cherie entzückten mich sehr, und die später sichtbare rot-glänzende Shorts von Nackt wurde auch frenetisch vom Publikum gefeiert.

Mike Menzel, Dorfdisco 2008

Warren Suicide in der Volksbühne, 5.12.2008. Foto: Mike Menzel, Dorfdisco 2008

Hin und wieder zog ich mich ein wenig zurück um mir das Treiben aus einiger Entfernung anzusehen. Die Visuals auf der Riesen-Leinwand waren sehr schön anzuschauen und insgesamt stimmig. Wer also keine Lust auf schwitzende Körper hatte, konnte sich ganz entspannt in den Sitz hängen und ein völlig anderes optisches Erlebnis wahrnehmen, als direkt vor der Bühne. Lediglich der Sound war mir persönlich auf den Sitzen zu mager.

Ab und zu tauchte ein Darsteller auf, der die sehr eigenen, abgefahrenen, schrägen Songs von Warren Suicide mit theatralischem Äußeren und ebensolchen Gesten und Gesichtzügen fachgerecht untermalte.

Dann war gerade Zeit die Blase zu entleeren und einen Espresso zu verdrücken bevor Mr. Raumschmiere standesgemäß los prollte, schepperte und bratzte, dass es eine Lust war.

Marco Haas, wie T.Raumschmiere mit bürgerlichen Namen heißt, hatte sich inzwischen auch die Hose von Herrn Suicide geliehen – warum die eigene abhanden gekommen war, blieb unklar. Dafür rutschte die Hose ordnungsgemäß über die hinteren Backen.

Hin und wieder gab es kleine Gastauftritte von Herr Nackt, Barbara Panther und auch die bezaubernde Lilian Hak – die Grande Dame der niederländischen elektronischen Popmusik – fand den Weg durch die Volksbühnen Katakomben auf die Bühne.

Wenngleich alles was geboten sehr abwechslungsreich und gut tanzbar war, blieb dennoch kaum ein Song wirklich hängen. Zu schnell prasselten die Klänge, optischen als auch geruchsintensiven Eindrücke auf einen ein. Eigentlich war mir das ganz recht – ich wollte nur weg gebasst werden und Spass haben!

Ansonsten bleiben folgende Eindrücke zurück: Ein aufgeräumtes Volksbühnen-Ambiente, das Publikum wartet anständig und stilvoll auf den Sitzen während der Umbaupause. Viel zu viel Platz weil wieder mal mit nach hinten erweiterter Bühne für Tanzfläche, daher wenig Körperkontakt beim Pogo. Eine im Publikum verloren gemeldete Digitalkamera fand sich wieder an und wurde redlich dem Besitzer zurückgegeben.

Alles sehr lieb und nett, was diesmal absolut nicht mal negativ gemeint ist. Nicht immer muss es ruppig auf Krawall gebürstet rüber kommen.

Lediglich die echt wunderlich geringe Zuschauerzahl sollte dem Veranstalter zu denken geben. Allerdings schien die Zuschauerzahl den Platzverhältnissen an der Bar angepasst zu sein.



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