Like Dylan on Drugs


The War on Drugs, live im Cafe Zapata, 7.3.2009

März 13th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Like Dylan on Drugs
Adam Granduciel, The War On Drugs, Cafe Zapata 9/3/09 Photo: Dorfdisco 2009

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The War on Drugs landeten letztes Jahr so einen kleinen Sommerhit. Ihr Herz- und Seele wärmender Prog-Folk aus akustischen, elektrischen und 12-saitigen Gitarren zu einem rummeligen, irgendwie fahrlässig tanzbaren Krautbeat, sprach einen unmittelbar an wie ein alter Freund, der, auf ihrem Debut Wagonwheel Blues (Secretly Canadian 6/08), oft aus einer spacig-verhallten Ferne sprach, was ihnen zusätzlich das Label Spacerock, also Space-Prog-Folk-Rock bescherte.

Im letzten Jahr als Vorgruppe zu den mittlerweile recht erfolgreichen The Hold Steady vorgesehen, platzte die Tour auf Grund der Hold Steady Tourabsage, wurde nun aber auf eine kleinen Headlinertour durch Europa nachgeholt wo sie unter anderem zum ersten Mal in Berlin, in der alternativen Tourihochburg Cafe Zapata/Tacheles auftraten.

Ins Vorprogramm wurde ein eigens aus London angereistes Quintett gebucht, die, weiß der Henker wie an diesen Slot kamen, aber heute scheint ja alles möglich zu sein. Zumindest zur qualligen Fegefeueratmo des Zapata haben sie gepasst mit ihrer merkwürdigen Parodie auf modische Hütchen und bebrillten Ansagen (oder war das ernst?), sie waren das verbürokratisierte Indietum, der Aufstand der C-Äffchen mit britischem Stimmungsaufhellern im Anschlag, überaus kommunikativ, was ihnen hernach den halben Tanzboden bescherte und beim pinkeln sogar wussten wer oder was Dorfdisco ist, oder haben zumindest so getan, als wüssten sie es.

Zwischendurch erwischte ich sogar mal War on Drugs Sänger und Gitarrist Adam Granduciel, der glücklich auf Tour zu sein schien und sich darüber freute, dass es sogar jemanden gab, der mit ihm ein Interview hätte machen wollen, was sich in der spontanen Kürze dann auf die eine Frage reduzierte: Dorfdisco: What do you hate the most? Granduciel: oh man, well, I think what i cant stand are things, you know are set, are blocked, musically anything, filled with no emotion, no feel, when things become static, like static persons who dont move yo know. Das in Bewegung bleiben scheint Adam also ein Bedürfnis zu sein, erzählte er anschließend noch danach davon wie er von San Francisco nach Philadelphia gezogen ist, und auch dass er vor 10 Jahren noch in Bremen gelebt hätte, und sich am allerersten Tag gleich eine Nahrungsmittelvergiftung zuzog. But I like Bremen, setzte Adam gleich nach, und seine Laune schien sich um noch ein Quentchen mehr gesteigert zu haben, Bremen is great!

Na, da schien er nicht die deutsche Städterivalität zu kennen, und nach einem kurzen Überblick darüber was heute abend in Berlin noch so passierte verschwand er Richtung Bühne um seinen Auftritt vorzubereiten. Dort sammelten sich eine Reihe von Effektgeräten, zwei Gitarren, eine Elektrische, eine 12-Saiten Akustische und ein tragbares Keyboard für Granduciel alleine, daneben ein Bassist am SVT und dahinter ein haariger Neandertaler von Schlagzeuger, der noch ein zusätzlichen Drumsampler einsetzt. Das alles, diese drei, aber entspannten ein Monster von Band, eine Wucht im Space, nicht nur Lautstärkenmäßig, sondern in ihrer Dichte ihre musikalischen Mittel zu komprimieren aber doch lebensgroß nach vorn zu bringen.

Dicke, spacig-verhallten Drumsounds, eine 12-saitige, über die PA verstärkte Akustikgitarre und tiefer, stoisch einfühlsamer Bass dröhnten nun durch Zapata, und Adam, in Karohemd, aufgerissener Blue-Jeans und flachen Stiefeln setzte seine mikroskopischen Weisheiten über die Leute, das Leben und die Liebe im allgemeinen ins Gehör, und mehr und mehr festigte sich die Erkenntnis, dass man The War On Drugs gut als mit Bob Dylan goes Can vergleichen kann: Bob Dylan für die lyrische Phrasierung, Can als Bild für den einen oder anderen musikalischen Moment und Sound.

Nur etwas zu oft vertrancten sich The War On Drugs in mächtig aufquellenden Soundgebirgen, die an diesem Abend dermaßen laut aufgedreht wurden, dass ich mich an nachträgliche Ohrenschmerzen seit langem erinnere.

Jede tanzbare Nummer aber, die mit ihrem unverkennbaren Countrytouch und verhallter Mundharmonika vorgetragen wurde, wurden abgefeiert und ließen beglückte Gesichter nebst ausgelassen feiernden Engländern zurück.

– myspace.com/thewarondrugs



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