Lautes Landleben


Killed by 9V Batteries live im Flex, Wien, 26.09.2008

September 29th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Lautes Landleben
Wolfgang Möstl, Killed by 9V Batteries, Foto: Philipp Brugner Dorfdisco 2208

Von Philipp Brugner


Weiz ist eine Kleinstadt im Osten Österreichs. Um genauer zu sein: Weiz ist eine Kleinststadt im Osten der Steiermark, die ja bekanntlich in Österreich liegt.

Was man dort machen kann, liest sich wie das Einmaleins des Familienausflugs: reiten, wandern, angeln und derlei weitere entspannungstaugliche Zeitvertreibe.

Aber nicht alle halten sich an diese Offerte und es hat gar den Anschein, als würde sich manch Einheimischer gegen die eigene Verniedlichung geradezu auflehnen. Rebellion im idyllischen Weiz oder was?

Eigentlich sind es ja vier Einheimische, die sich da in Form der Band „Killed by 9V Batteries“ ganz und gar nicht mit Seele-baumeln-lassen und Familienurlauben beschäftigen. Die Provinzkinder sind der bürgerlichen Obhut entschlüpft und fabrizieren – dieser ganz widersprechend – lautstark grob ausufernde Musik.

Dafür, dass man mit lauter Gitarrenmusik weit herum kommt, zeugen ihre regelmäßigen Auftritte europaweit – mit, selbstredend, dazugehörigem Erfolg.

Auch wenn es sie diesmal nicht über die Landesgrenzen verschlug, sorgte ihre Singlerelease-Party im Flex für ein nahezu volles Haus und viel Spaß unter den Beteiligten.

Begonnen wurde die Lehrstunde in Sachen konstruktivem Gitarrenknarrzen mit Similarität zu den Urzeiten des Noise- und Progrock erst nach Mitternacht, dafür dann aber richtig. Die gezupften Riffs schwirrten ohne Halt durch die Menge und stoppten nur dort, wo ein Wildgewordener seine Luftgitarre auspackte.

Dröhnender Gesang und zappelnde Gliedmaßen überall, da vergaßen nicht nur die vier Weizer, dass zuhause im Radio einmal steirische Volksmusik lief, von der die Gitarren so weit entfernt sind, wie Leonhard Cohen vom Abgang von der Bühne (machte gerade eben mit zwei Konzerten Halt in Wien). Nein, auch der Rest der rockdurstigen Meute vergaß einmal mehr auf seinen jugendlichen Wahnsinn und schlug der Unbekümmertheit ein Schnippchen.

P. Brugner, Dorfdisco 2008

Killed by 9V Batteries, Foto: P. Brugner, Dorfdisco 2008

Das Krachen, Zetern, Brummen und alles, was sich sonst noch in der Schublade des Noise-Rock findet, hat man gehört und gespürt. Man musste dazu weder direkt an den Ausläufern der Boxen stehen, noch sich selbst im Haufen des tanzenden Mobs wiederfinden, sondern einfach nur hinhören – was, wie sich ja schon nach einigen Minuten herausstellen sollte, an diesem Abend nicht allzu schwer gefallen sein dürfte.

„Aufmerksam sein“ lautete also die Devise, um dann – noch von ein wenig zufälligem Glück der Umstände und eigenem körperlichen Dasein begünstigt – vielleicht einen dieser Momente zu erleben, in denen man glaubt, die Musik wäre das einzig Wahre auf dieser Welt. Ich, die Musik und rundherum gibt’s nichts mehr – so einfach könnte das Leben sein.

Lassen sich Killed by 9V Batteries schon nicht auf solch eine einfache Formel reduzieren, hatten sie eine solche für den perfekten Trip auf den Pfaden der simplen und doch geschmackssicheren Gitarrenrabaukenmusik dabei.

Keine übertriebenen Einlagen, die primitiven und einfachen Arrangements standen für großes Können. Können, das am 8.Oktober auch live in Berlin zu beurteilen sein wird. Dann nämlich, wenn „Fuck You All“, die Charity-Veranstaltung zur Popkomm, das White Trash beschlagnahmen wird.

Mittendrin dann die vier Steirer, die einstmals eine Gitarre zur Hand nahmen, um damit dufte Musik zu machen und richtig gut zu werden – das haben sie geschafft.

www.myspace.com/killedby9vbatteries

www.killedby9vbatteries.com/



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