Laura Marling: Vorweihnachtliche Stimmung


Laura Marling live im Gebäude9, Köln, 14.11.2011

November 15th, 2011 | 0 Kommentare ...  

Laura Marling: Vorweihnachtliche Stimmung

Von

Dass sie sich ein Stück kindlicher Unbedarftheit erhalten hat unterstrich Laura Marling gestern abend in Köln bei der Vorstellung ihrer Band: Zusammen mit Cellistin Ruth Turberville wär sie mit der Straßenbahn gefahren und, hätte, weil es für sie ungewohnt war, den Fahrschein mindestens 20 Mal überstempelt bis ihnen jemand von den Verkehrsbetrieben zu erklärte, dass das ja nicht sinnvoll wäre. Allgemeines, erheitertes Gelächter über jene zierliche Blondine, die das Publikum in vorweihnachtliche Stimmungen versetzte.

Die Band, die alle von einem Musikonservatorium hätten stammen können, musste sich reihum auf deutsch erklären. Das ging nur Pete Roe – Piano und Gitarre gut: mit fast richtigen deutsch erzählte er einen kölschen Kalauer. Und Bassist Marcus Hamblett spielte zuletzt bei Damo Szuki von Can, wie er stolz verkündete.

Es kam also etwas rüber an diesem Abend im Gebäude 9, das bis hinten hin gut gefüllt war. Vor zwei Tagen trat hier noch Lana del Rey auf, auch ausverkauft. Aber wo Lana del Rey das Versprechen einer Idee ist, braucht Marling keine Projektionen oder glamouröse Bezüge zum amerikanischen Traum. Zudem spielt Laura Marling ja noch wirklich selbst und ist so noch authentischer, um das Königskriterium aller Zeiten zu bemühen.

Kein Wunder, als Tochter eines Musiklehrers der ihr in frühen Jahren schon das Gitarrespielen beibrachte, sie an das Folkgenre heranführte und ansonsten Jahre auf einer privaten, traditionell geführten Quäkerschule verbrachte bleib nicht viel Raum für den ganzen weltlichen Konsumoverkill samt Entertainmentzerstreuung.

Dabei steckt die erst 25 Jahre junge Marling noch in ihrer Entwicklungsphase. Als ihr 2008er Album Alas I Cannot Swim brachte den Durchbruch brachte, schaute sie noch schüchtern auf den Bühnenboden.  Heute hält sie ihren Kopf hoch und umgibt ihre individuelle Klasse mit einer seltsam ehrlichen wie anstrengungslosen Natürlichkeit.

Das Gitarrenspiel ist äusserst perfektioniert und ihre Stimme, während der Ansagen zerbrechlich und leise, wirkt bei den warmen Stücken immer geübt kräftig und prägnant rauchig. Vergleiche zu Joni Mitchell oder Joan Baez drängen sich auf, oder eine weibliche Leonhard Cohen. Nur ist dies 2011 und das Publikum lauscht mucksmäuschen still ihren Texten, die oft von zerbrochener Liebe handeln, wenn es nicht gerade regnet oder Schnee fällt und Laura was vom Weihnachtsmarkt erzählt, den sie hier so sehr mag.

Nur nach dem Ende eines Mittelteils, den die zierliche Blondine ohne Band allein bestritt und das Publikum regelrecht in vorweihnachtliche Stimmung versetzte, schlichen sich gleich zwei kleine Fehler nacheinander ein, sowas ärgert Marling dann. Aber ganz perfekt will und darf sie ja auch nicht sein. So werden kleine Fehler auch wieder auf dem authentischen Pluskonto verzeichnet.

http://www.youtube.com/user/lauramarling



Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: