Inkarnation vom neuen Lo-Fi Surf


Best Coast, Think About Life, Gringo Star, 18.05.10 im Magnet Club

Mai 28th, 2010 | 0 Kommentare ...  

Inkarnation vom neuen Lo-Fi Surf

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Fast war das Dilemma perfekt: Noch vor Monaten hieß es, dass die Best Coast und Dum Dum Girls am gleichen Abend spielen werden. Es wurde gegrübelt, ob das zeitlich vereinbar sei und wenn nicht, ob man extra in andere Städte fährt, um beide aktuell besten Lo-Fi Surf Leader zu erhaschen. Ein solches Raunen ging durch Berlin, dass es die Veranstalter erreichte und bewirkte ein Terminwunder. Best Coast wurden ein paar Tage vor Konzert in den Magnet verlegt, nur die Paarung mit der kanadischen Disco House Band Think About Life war da nicht die glücklichste.

Exakt um 21.30 begann von derselben ein Electro-Beat-Gestampfe, wie man es vom Magnet her zwar gewohnt ist, doch an anderer Zeit und Stelle besser aufgehoben gewesen wäre. So wirklich sprang der Funke vom sonnenbebrillten Sänger auf das Publikum nicht über – der beeindruckenden Lichtshow und dem ganzen Soul in der Stimme zum Trotz. Eine perfekte Performance haben Think About Life auf jeden Fall geliefert, geradlinig und professionell, aber ein bisschen zu glatt und unoriginell für diesen Abend.

Ehe sie die Bühne betraten, gab es tatsächlich noch eine Vorband: Gringo Star spielten so früh, dass sich kaum 15 Leute vor der Bühne aufhielten. Ob Pünktlichkeit jetzt im Kommen ist? Bestimmt hätte der bluesgespickte Psychedelic der Band mit dem einfallsreichen Namen einigen später kommenden Best Coast Fans gefallen. So konnten sie nur eine halbmotivierte Show mit immergleich rumpelnden Songs und nöliger Stimme vor fast leerem Club bieten, die bei mehr Publikum vielleicht in ein sehr gutes Rockkonzert ausgeartet wäre.

Umso mehr steigerte sich die Vorfreude auf Bethany Cosentino – Warten bekommt dadurch was schönes. Schließlich wurden Best Coast auch aus Cosentinos Sehnsucht nach der Westküste während ihres Studiums in New York heraus inspiriert.

Kaum hatten sie, außer ihr Bobb Bruno und Ali Koehler von den Vivian Girls, die Bühne betreten, sorgten sie schon für Sterne in den Publikumsaugen. Best Coast starteten mit einigen neuen Liedern, die sofort ankamen. Von einem Stilbruch mit Bekanntem war auch nicht zu sprechen. Die doppelte Gitarrenbesetzung und der Verzicht auf Bass schafften einen wunderbaren Fuzzsound, der die passende Sonne-und-Strandkorb-Lässigkeit bei jedem Stück durchschimmern ließ. Ob das verklärt-schöne Up All Night oder Something In The Way, das doppelt schnell vorgetragen mehr nach Punk denn Pop klang – Bethany Cosentino weiß durchgehend zu bezaubern.

Schwärmereien, vergebliches Verlangen, wie mache ich meinen besten Freund klar? – von A bis Z der Gefühlspalette ist alles vorhanden. Dabei liegt die Annahme nahe, Bethany kokettiert und überspitzt das Image des unterlegenen Mädchens mit Dauer-Crush. Trotz wirklich süßer Stimme und immer wiederkehrenden Beach Pop Melodien aber ist sie auf der Bühne her toughness in Person.

Denn Best Coast sind nicht gekommen um das Publikum mit 60s-Säuselmusik einzulullen. Die erste Reihe wippt schon nach den ersten Liedern und spätestens beim When I’m With You, dem wahrscheinlich bekanntesten Stück und schönster Ode an die Romanze 2009/2010, sind alle begeistert. Zeitweise denkt man, Bethany Cosentino ist doch eher die schlaue, weibliche Antwort auf I Wanna Be Your Boyfriend der Ramones, als die Inkarnation vom neuen Lo-Fi Surf, und das ist ziemlich toll.

http://www.myspace.com/bestycoasty

http://www.myspace.com/thegringostars

http://www.myspace.com/thinkaboutlife



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