Im Winter gibt’s kein Icecream


Drive by Shooting,Helga Blohm Dynastie live im Wild at Heart, 23.10.2009

Oktober 26th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Im Winter gibt’s kein Icecream
Helga Blohm Dynastie, Foto: Maja Preitz

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Ein sehr gemischtes Publikum wartete in dem relativ kleinen Konzertraum des Wild At Heart. Einmal standen dort solche, die den Titel der Kneipe wundervoll klischeehaft bedienten, und zum anderen, zwischen langhaarigen Altrockern, die ganz „normale” Berliner Jugendkultur, um der Helga Blohm Dynastie zu lauschen. Ein netter Nebeneffekt von Bands, die sich schwer einordnen lassen, und eine solch diverse Hörerschaft anziehen.

Los ging’s dann aber erstmal mit Drive By Shooting, und wie aus einem vorbeifahrenden Auto beschossen, kam man sich tatsächlich etwas vor. Es dröhnten Punkrocksongs aus den Boxen, doch das Publikum tat wirklich nicht viel mehr als zu lauschen, hier und da begleitet von verhaltenem Kopfnicken. Ein Shooting jagte das andere, und dann hieß es schon „Bier is’ alle, good bye”. Doch da sollte noch die Berlin Trilogie folgen (Berlin, Neukölln, Hartz IV). „Berlin is sooo geil”, tönte es während der ersten Hommage an die Hauptstadt durch das Mikro, und da wurden sie endlich alle wach. Sich selbst feiern können sich die Berliner eben doch noch am besten.

Die ersehnte Helga Blohm Dynastie folgte sogleich, und die sind schon allein einen Anblick wert. Ein Lemmy Kilminster-Verschnitt an der einen Gitarre, Gesichtsausdrücke, die einem Klaus Kinski nacheifern an der zweiten Gitarre, und hinten am Schlagzeug wacht Hannibal Lector über das Ganze – etwas zugespitzt, versteht sich von selbst. In Wirklichkeit standen dort Oliver Röhrig, Tobias Werner und Uwe Gerstenberger, und der Krautnoise-Punkfolk-Sound den sie dann lieferten zeichnete sich durch wesentlich mehr Abwechslung zur Vorband aus.

Das bis dato kopfnickende Publikum ließ sich hier und da zu einem Headbang hinreißen, doch leicht hatte es die Dynastie auf der Bühne nicht. Dabei holten sie aus ihren Gitarren alles raus, was nur irgendwie ging: Ohrenbetäubendes Verstärkerfiepen, Finger-über-die-Seiten-Quietschen, Gitarre-an-die-Wand-Klopfgeräusche. Und auch seine Stimme erhob der kinski-eske Sänger, bis sie beinahe klang wie eine Kinderstimme und man sich fragen musste, wo er die wohl herholt.

Meinem Nebenmann gefiel es jedenfalls super, und er merkte an, dass die Ansagen überhaupt nicht zu der Art Musik passten, da stehe er voll drauf. Und tatsächlich, die Ansagen zwischen den Stücken, die von Punkrock bis Surf reichten, wirkten beinahe koscher. Nur zu intellektuell hätte es lieber nicht werden sollen, denn eine Liedwidmung an Roman Polanski stieß auf der Zuhörerseite auf absolut keinen Zuspruch.

Weiter ging’s trotzdem, auch ohne Polanskiwidmung, und hin und wieder tönten einzelne Jubelrufe aus dem Publikum. Bekanntlich bilden ja Publikum und Band eine Symbiose, und hier war einfach nicht ganz klar, wer wen ausbremst. Vielleicht lag’s am Herbst, oder an der Zeitumstellung, oder am Ende der Tour, wer weiß das schon. Und obwohl das Publikum einen letzten Wunsch hatte und lautstark „Icecream! Icecream!” forderte, wurde der Abend mit der Anmerkung geschlossen: „Im Winter gibt’s kein Icecream.” Licht aus, Tour aus, schade! Bis zum nächsten Mal… im Sommer dann?

www.myspace.com/helgablohmdynastie

www.myspace.com/drivebs



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