Im Dreck gewühlt


Hugo Race and the True Spirit im Frannz-Club, 13.10.2009

Oktober 20th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Im Dreck gewühlt
Hugo Race, photo by Davide Fontani (coutesey of Hugo Race)

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Man kann es eine Gabe nennen oder als Ergebnis langer Arbeit verstehen: Manche Bands sind in der Lage einen Sound zu schaffen, der auch abseits von irgendwelchen drogeninduzierten Psycho-Trips bestimmte Sinne aktivieren, greifbare Assoziationen erzeugen kann. Bei Hugo Race ist es seit über zwei Jahrzehnten dieses lehmfarbene Braun, das man sich zu Hause dann erstmal wieder unter den Fingernägeln wegkratzen darf.

Die True Spirit durchpflügen ihr abgedrehtes Blues-Erdreich immer noch mit der ihr eigenen stoischen Coolness und abgeklärten Eleganz, es macht immer noch Spass dem seltsam genialen Schlageugspiel von Chris Hughes zu folgen (gerne auch mit Maraca und Besen statt der bewährten Holzknüppeln), und dieses Kreisen um einen Groove zu beobachten, über dem sich die Songs von Mastermind Race so brilliant unaufgeregt ausbreiten können.

Woran mag es aber wohl liegen, dass sich gerade mal ungefähr 150 Nasen (vorwiegend schon etwas älter als 30) im Frannz-Club verirren und auch ansonsten auf der laufenden Tour eher die kleineren Läden bespielt werden? Wahrscheinlich kaum an der Qualität des letzten Albums ‘ 53th State’. Dieses zählt mit zu den besten Veröffentlichungen der True Spirit und klang live deutlicher rauher, organischer als auf Konserve. Außerdem hat Hugo Race mittlerweile in weiten Teilen Deutschland einen quasi unantastbaren Status erreicht, der sich eben nicht mehr allein aus der ehemaligen Teilhabe bei den Bad Seeds oder The Birthday Party speist. Es drängt sich vielmehr der Verdacht auf, dass das Problem bei den Akteuren selbst zu suchen ist.

Mr. Race hat sich eben mittlerweile seinen eigenen Kosmos geschaffen, arbeitet mit langjährigen Freunden und Kollegen. Selbst das Vorprogramm mit Marta Collica, die später den Zugaben-Block mit ihrer betörende Stimme veredelte, und dem Ein-Mann-Klampfer Hellhound Brown wird aus diesem Dunstkreis bestritten. Ein bisschen mehr von dem neumodischen Zeug was sich P.R. und Promotion nennt, und man hätte vielleicht den Laden voll bekommen. Aber wer kann schon in das Hirn dieses eigenwilligen Künstlers blicken? The True Spirit sind ja auch nur eines seines schier unüberschaubaren Projekte.

Für die Herren auf der Bühne ist das offensichtlich kein Thema an das es sich lohnen würde allzu viele Gedanken zu verschwenden. Schließlich hat man ja ein Mission: Die Rettung der Romatik im psychodelisch getränktem Blues-Rock’n Roll, selbst wenn der da eigentlich gar nicht so richtig mitmachen will. Da wird mit jeder Note gerungen, will jede Melodie erkämpft sein. Daraus dann so bittersüß schmelzende Dramen wie ‘We create tomorrow’ zu destillieren, kriegt aber eben kaum einer so gut hin wie Race.

Routinierte Unaufgeregtheit ist in 99 Prozent aller Fälle ein kaum kaschierter Euphemismus für das lustlose Runterspielen des eigenen Stiefels. Bei Hugo Race and the True Spirit wirkt es einfach souverän.

Das alles ist dann auch meilenweit von dem entfernt, was laut dem verkrampften Kodex einer Rockmusik des 21. Jahrhunderts als authentisch durchzugehen hat.

Dieser Sound ist nicht zeitlos sondern irgendwie aus der Zeit gefallen. Schön mal wieder zu realisieren, dass man das Schwarze unter den Nägeln doch nie so richtig wegkriegt.

www.myspace.com/hugoraceandthetruespirit



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