Ich hasse Vögel


Black Ice im Thule Club, Berlin, 31.3.2007

April 1st, 2007 | 0 Kommentare ...  

Ich hasse Vögel
Miss Kel, Black Ice, Photo © Dorfdisco 2007

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Es ist schon bedauerlich wenn zu den ausdrucksstärksten Bands nur sehr wenig Publikum kommt. Black Ice aus San Francisco sind als absoluter Tip gerade auf einer kümmerlichsten Europa Tournee. Gerade mal vier Auftritte in Deutschland konnten gebucht werden, zu den glücklichen Städten gehören Berlin, Leipzig, Münster und ausgerechnet Erlangen.

In Berlin fanden neben einer gut informierten In-Crowd die Stammkundschaft des Thule Clubs ein, allesamt bunt aufgebrezelte Goths, in welche Schublade auch Black Ice gesteckt werden, zu Unrecht. Die Band, die zu zwei Teilen aus Ex-Mitgliedern der vielleicht etwas bekannteren Phantom Limbs gehören, bedient alles andere als typische Goth-Klischees. Ihr spektakulärer, melodramatischer Tribal-No Wave-Rock knarzender Bässe und minimaler Gitarre getoppt von Miss Kel’s fulminater Stimme wird in den einschlägigen Szenen zurecht abgefeiert. Und in dem Moment wo ich den Club betrat und die Band gleichzeitig anfing waren meine Strapazen der letzten Tage und Nächte wie weggeblasen.

Allein für Miss Kel ist es schon wert diese Band zu sehen. Gekleidet in glänzendem schwarz, engen Jeans und Slippern ist dieses 1.62m kleine Stimmwunder eine ziemliche Offenbarung. Ein hübsches Puppengesicht mit verdrehten Augen, das sich die Geister aus der Luft holt und – zum Beispiel – über das stumme Elend verlassener Räume oder schreckliche Vögel (“Ich hasse Vögel”) klagt, ist auch nicht alle Tage, hat was von einer dunklen Ästhetik ohne platt negativ zu wirken und nimmt einen mit dergestalt, dass man der eigenen Seele nicht ganz sicher sein darf. Dazu der treibende, brachial-schneidende Sound der Musik, das ist groß, tanzbar, zum abtauchen und hineinfallen.

Smart wird es dann, wenn jeder einzelne der Band ein überaus symphatischer und gerade intellektuell starker Charakter ist, mit dem man noch bis in den Morgen nicht nur ‘zig Bier trinken, derbe Witze reissen und alberne Fotos schiessen kann, sondern sich auch noch interessiert über aktuelle Themen wie Kunst, Musik, Geschäft, Gesellschaft bis hin zur Politik unterhält. Fragt mich nicht wie ich es nach Hause geschafft habe, mein Auto jedenfalls steht vor der Tür..

Hier reisst mein Faden auch schon ab. Black Ice aus San Francisco gelten weiterhin als Geheimtip bekennender Musikfans – wie mich. Von daher darf ich nur wärmstens empfehlen sich selbst zu überzeugen, Black Ice entweder in einer der verbleibenden drei Städten zu erleben, oder ihre Musik über das Netz anzuhören.

Black Ice

Black Ice

myspace.com/blackblackice



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