Hochleistungssportgruppe Rock


Tweak Bird – West Germany 08.Oktober 2010

Oktober 11th, 2010 | 1 Kommentar ...  

Hochleistungssportgruppe Rock
Tweak Bird Pic Tanja Krokos

Von

Ach ja, unsere lieben nordamerikanischen Freunde! Von Holland aus mit dem Tourbus Richtung Deutschland und dabei vergessen, dass man mit gewissen Waren im Gepäck – dort mehr oder weniger legal zu erwerben – in unseren Gegenden das gesteigerte Interesse der Ordnungshüter wecken könnte. Die Höchststrafe lautet dann: Festsitzen in Braunschweig statt Feiern in Berlin. The Pharmacy konnten einem schon leid tun, aber – hey! -  es hätte schlimmer kommen können. Wolfsburg ist z.B gar nicht so weit weg von Braunschweig……

Tweak Bird mussten ihr Konzert im West Germany also notgedrungen alleine bestreiten. Die Trommel wurden im Vorfeld mächtig gerührt. Tool und die Melvins durften sie schon supporten. Angeblich hat man es mit einer der energetischsten Zwei-Mann-Kapellen unserer Tage zu tun.

Das Positive zuerst: Der stellenweise sehr feminin klingende Duett-Gesang der Brüder geht schon als Markenzeichen durch; kommt auch auf der Bühne klar und ausgefeilt rüber. Auch wurde von Beginn an mächtig auf die Dezibel-Tube gedrückt, allerdings nicht unbedingt ein soundtechnischer Vorteil im West Germany – lehrt die Erfahrung. Aber ansonsten leider auch reichlich viel heiße Luft: Riff reiht sich an Riff reiht sich an Riff. Das hat was von Hochleistungssportlern im Trainingslager, dem Abspulen und Einüben von Bewegungsabläufen. Es kann schon Spass machen, den Kraft- und Energieeinsatz von Ashton hinter dem Schlagwerk zu bestaunen, der  Fingerakkrobatik Calebs an seiner Bariton-Gitarre, einem Zwitterwesen aus Bass und Gitarre, zu folgen, nur reicht mein guter Wille, bzw. meine Fantasie nicht aus, hinter dem ganzen Bohei die musikalische Substanz, die Songs zu entdecken.

Dabei weiss man, dass sie da sein müssten. Auf dem vielleicht etwas zu ambitionierten Studiowerk  gab es sie doch auch! Nur wenn  selbst das As im Ärmel in Gestalt von Saxophonist John McCowen keinen Stich zustande bekommt, weil dessen jazzigen Einwürfe im Lautstärkepegel untergehen und nur noch als Hintergrund-Getröte zu vernehmen sind, macht man offensichtlich irgendwas falsch. Um an die großen Vorbilder Kyuss  oder gar Black Sabbath heranzureichen, fehlt den Vögelbrüdern nämlich ein entscheidendes Detail: Dynamik, also die Fähigkeit Spannungsbögen aufzubauen, die das Publikum packen und nicht mehr so schnell loslassen.

Im günstigsten Fall lässt sich in ein paar Jahren im Rückblick vielleicht  konstatieren, dass man hier einer jungen Band bei ihrer, noch sehr unausgereiften Suche nach einer eigenen Identität beiwohnen durfte. Das könnte dann auf dem Rockolymp oder in der Sackgasse der Beliebigkeit enden, je nachdem ob sie willens und in der Lage sind, ihr durchaus vorhandenes Potential in entsprechende Kreativitätskanäle zu leiten. Dieses Mal entließ man das Gros der zahlreichen Besucher noch eher unzufrieden raus in die Kreuzberger Nacht. Am Kottbusser Tor standen die Polizeiwannen mit gelangweiltem Inhalt zu später Stunde immer noch dutzendweise rum – Fussball-Länderspiel Deutschland-Türkei. Was wohl gerade so in Braunschweig los war?

http://www.myspace.com/tweakbird



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. pändy  

    Auch wenn das Konzert nich so dolle war – sehr schöner Bericht!!

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