Hippiemaessig Aussehende Teeniemaedchen


The Notwist live im Columbiafritz, 18.3.2002

März 25th, 2002 | 0 Kommentare ...  

Hippiemaessig Aussehende Teeniemaedchen
The Notwist at Columbiafritz 18/3/2002 Photo © Dorfdisco 2002

Von Ran Huber

Das Mutterschiff war gelandet, die kleine Columbiahalle in Berlin ausverkauft und es war ein milder Montagabend im Maerz zu Berlin.

Notwist waren da, die Cheflethargiker des zeitgemaessen Pops, die Band die jahrelang an ihrem neuesten Album”Neon Golden” (NG) gearbeitet hatte, um dann in der ersten Woche nach VÖ auf Platz 10 der Charts einzusteigen.

Ein heisserwartete Sache, die Reaktion der Medien war immens und international, die Konzerte sind ausverkauft. In der Halle war es hinten eng, gross und alt, vorne an der Buehne war Platz und die Leute waren juenger und kleiner. Die eher hippiemaessig ausehenden Teeniemaedchen, die zum Konzertstammpublikum der “vier Buben aus Weilheim” gehoeren, waren nur vereinzelt anzutreffen, ueberhaupt war das Publikum schwer einzuschaetzen – es war eine bunte Mischung aus jung und alt, ZEIT, FAZ und Jungle World – Lesern, Notwist ist zur Konsensband geworden.

Der Sound war perfekt, verhaeltnismassig leise fuer ein Konzert einer Band, die vor 10 Jahren noch ihre Definition von Hardcore (Neil Young meets DinosaurJr) spielten. Aber Notwist sind nach vielen Experimenten und Metamorphosen jetzt beim Pop angelangt.

Es fing ruhig an, mit “Day Seven” oder “Pick up the phone” (mein persoenlicher Favorit auf NG), brontosaurisch arbeiteten sich die Acherbrueder Lied um Lied zu mehr Dichte , Haerte , Intensitaet, dennoch: bis zum letzten Lied wurde alles extrem verhalten gespielt, erst in den zahlreichen Zugaben liess die Band es krachen. Ihr Konzert vor drei Jahren in Potsdam war noch ruhiger. Ob sie ruhig waren oder wild sind, ist wahrscheinlich auch der falsche Ansatz, um ein Konzert des Quintetts (ContrivaGitarrist Punktezahl war als zweiter Gitarrist dabei) zu beurteilen: Da spielt eine Band hochkonzentriert, es geht ihr definitiv um Intensitaet, aber das Rockige hat sich trotzdem weit verkrochen, in irgendwelche Remixartige Liedteile und das war das Schoene: Notwist spielten ihr Album nicht langweilig Eins zu Eins, wie beispielsweise eine Woche vorher die Strokes in der benachbarten Columbiahalle, sondern setzten andere Schwerpunkte, im Klang und auch in der Songstruktur: sie flochten ganze Dub-, Psychedelic- oder Rythmuspassagen ein und da gefielen sie mir am Besten, an einer Stelle fuehlte ich mich sogar an drogengeschwaengerten Spacerock erinnert.

Wahrscheinlich war diese Stelle Notwists´ Hommage an NeilYoungsche Endlosgitarrensolos. Notwist coverten und remixten sich live selbst. Das Schoenste ueberhaupt an Ihnen ist diese Melancholie, die einen tief erfasst, darueber sollte sich jeder Neuling ihnen naehern … Auch dabei diesmal: zwei Plattenspieler, die vom Saenger und Gitarristen Markus Acher bedient wurden , um zwischen den Liedern Jazz- und Ambientartiges einzufuegen.

Wie ich aber gegen Ende von einem Freund erfahren musste , hatte “das beste Konzert seines Lebens” eine Tag vorher stattgefunden, beim Auftritt des Zeitkratzerensemble mit Lou Reed. “Lou ist Gott”, meinte der Freund. Und Notwist sind die Thomas Bernhards der Musik …



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