Her Name is Zola


Zola Jesus im Berghain, Berlin, 29.09.2011

Oktober 3rd, 2011 | 0 Kommentare ...  

Her Name is Zola

Von Benjamin Cries

Ein Knacks. Dann ist die Musik aus. Da verrutschen sogar der Erscheinung in Weiß auf der Bühne kurzzeitig die Gesichtszüge. Ungläubige, perplexe Blicke. Stille. Kurzer Ausfall der Anlage. Und das in Berlins Elektro-Kathedrale Nr. 1, dem Berghain.

Wo Zola Jesus, im bürgerlichen Leben erwartungsgemäß gar nicht so sondern Nika Roza Danilova gerufen, ihr neues Album „Conatus“ vorstellt. Das Intermezzo markiert einen spontanen Ausbruch aus der bis dahin ganz eindeutigen Performance: Zola schreit, klagt und singt zu imponierend unbewegter Gesichtsmimik und marschiert dabei immer mal zwischen rechtem und linkem Bühnenrand hin und her.

Der erste Eindruck: wow, was für eine Stimme! Beeindruckend. Der zweite Eindruck, etwa 10 Minuten später: wirklich beeindruckende Stimme. Wohl stimmt, was berichtet wurde: so singt zur Zeit keiner sonst! Vorzustellen hat man sich das als eine Mischung aus dem jungen Bono, Souxsie Sioux und Linda Perry. Klingt furchtbar? Nein, klingt kraftvoll, eigen und intensiv.

Doch gibt es Songs? Jemand bringt es auf den Punkt: „Könnte man gut als Soundtrack zum Film hören“. Wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, Zola würde jetzt konturierte Songs anbieten? Gar Gothic-Pop-artigen Hymnen? Gut, wer braucht schon Gothic-Pop-artigen Hymnen?

Doch liefert „Conatus“ eben ganz und gar anderes. Vor allem disparate Klangkörper zu perkussivem Stehdrumming und etwas inspirationslos anmutendem Knöpfchengedrehe. Nicht die Musik sondern die Stimme ist das Material, die Spielwiese. Dazu gibt Zola, kleingewachsen, blondgefärbt, weißgewandet, was in ihr steckt. Dies sind erstaunliche Ausbrüche, indes oft repetitiven Charakters. Zu ahnen ist, dass mancher vor dieser Performance, vor dieser Erscheinung niederkniet. Doch in den Gesichtern etlicher Besucher spiegelt sich nach einiger Zeit aufmerksame Langeweile.

Der Strom kommt wieder. Das Konzert geht weiter. Zolas Gesichtsausdruck ist wieder unbeirrrt. Sie schreit, klagt, singt. Und sie marschiert. Nach einer Stunde ist alles vorbei. Und so nah wie im Moment der Stille kommt sie uns nicht noch einmal.

 



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