Hard Rock Blues


Sedlmeir, Bronko and Guitar bei 4 Jahre Dorfdisco, Golden Gate, 10.12.2004

Dezember 14th, 2004 | 0 Kommentare ...  

Hard Rock Blues

Von Frollein K

Eines muss man dem Laden lassen: als wir um 8 zum kleinen Soundcheck ankamen, stand noch nichts an seinem Platz. Und als um 10 Uhr schon die ersten Leute kamen, stand Shunt noch mit nem Staubsauger in der Hand im Raum, während es noch stark nach Rigips und Putz roch, und man alle 3 Stücke rübermusste die Plattennadel säubern. Dann ging die Party los.

Das heisst, diesmal waren es ja zwei Dorfdisco Jubiläums Parties. Die Erste fand letzte Woche im Big Eden am Kudamm statt. Dort ging es mit Stroboskop, Team Plastique und Transformer di Roboter weit glamouröser zu als heute. Aber heute kamen gefühlte 50% mehr Publikum zu Sedlmeir und Bronko and the Guitar, was vielleicht daran lag, dass das Golden Gate eben zwischen Mitte und Kreuzberg liegt.

Als Djs legten zuerst mal Dorfdisco’s Miss Rose und Nicole von den Kesseteens als The Ladies of Avalon lautstarken Rock’n’Roll auf. Der Hammeraber fiel nach Mitternacht, als der selbsternannte Hard Rock Roboter in perfekter Symbiose mit Gitarre und Mikrophon seinen Platz auf der kleinen Bühne einnimmt. Ein herausfordernder Blick in den Raum, ein Riff in die Grundmauern des Golden Gates, und das tiefgefrorene Publikum merkt: det ist Hard Rock, und das macht heiss.

Dazu kommen Drums und Bass von Kassette, knackig und minimalistisch, wobei der Hard Rock Roboter dem Publikum das “schmutzige Leben” um die Ohren haut. Ein Mann, drei Akkorde, 190 Beats per Minute. Euphorische Zustimmung aus den vorderen Reihen bei Karateklub Meier, “denn da ist die Welt noch in Ordnung”. Große Gesten und ein eleganter Sprung ins Publikum. Das junge Ding aus der ersten Reihe wird kaum ruhig schlafen können, denn Sedlmeir croont den heimlichen Hit: Ich hab Dich lieb – mit Hüftschwung in ihr rechtes Ohr. Back on Stage lässt er breitbeinig und mit brennender Gitarre das Klischee vom harten Rock-Rowdie raus. Nach nur 30minütiger, mit allerlei Sex aufgeladener Show sind die Zuschauer erstmal platt und ziehen zur Bar für ein ab-kühlendes Bier auf den Herrn.

Bronko and the Guitar, Pic © Dorfdisco '04

Bronko and the Guitar, Pic © Dorfdisco

Kaum ist das Bier veronnen, locken die ersten Takte von Schlagzeuger Stiv Rythm die Anwesenden zurück in den Konzertraum. Sänger und Gitarrist Sunny Sick ist an der Wand im Zuschauerraum postiert. Von zuletzt berichteter Unsicherheit ist hier nichts zu merken. Der Sound von Bronko and the Guitar ist laut, und Sunny spielt mit den Augen gechlossen. Zwischen ihm und Stiv scheint auch kein Blickkontakt notwendig zu sein. Alles sitzt perfekt. Stiv Rythm, dessen Spiel allgemein hoch geschätzt wird, traktiert noch immer in gleichmässiger Präzision das Schlagzeug, während Sunny’s eigenartige Stimme, die manch einen an einen David Lynch Film erinnert, heute sogar mehr metallisch oder einfach dreckig und sexy klingt. Nur fürs Textverständnis könnte der Sound besser sein. Die Band spielte eine Stunde lang, auch die kam einem aufregend und kurz vor.

Aber ab da war auch Schluss mit Bier. Den Rest des Abends wurde Wodka getrunken, zuerst zu Dj Heldenbrand, dessen nudeliger Old-School EBM dann doch nicht jedermanns Sache war. Sollte auch nur im Big Eden dabei sein, kam aber nicht hin. Nach etwa einer Stunde übernahm dann Chefredakteur Oli Shuntrock das Dj-Pult. Hatte sich ja vorsorglich schon als Besoffen & Stoned angekündigt.

Jetzt rockte es von Kissogram zu Flirts zu Cramps und ACDC, und brachte den versammelten Rest noch mal zum Tanzen – und mich ins Delirium, während draussen der erste Schnee des Jahres auf die vereisten Strassen rieselte.



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