Hairy Monsters


Navel / No-Exit free Gig im Bang Bang Club, 9.3.2008

März 14th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Hairy Monsters
Hairy Monster: Jari Altermatt, Navel Photos by Tanja Krokos © Dorfdisco 2008

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Navel heisst die Band, für die das Berliner Label Louisville Records unermüdlich durch Feuer und Flamme geht. Anlässlich ihres ersten Albums Frozen Souls kam die Band nach Berlin, trat nachmittags im Radio Fritz auf, und spielte abends einen Freigig im Berliner Bang Bang Club.

Es waren die Auswirkungen des Berliner Nahverkehrstreiks. Anstatt langer Schlangen um Einlass bettelnder Teenager fanden sich nur rund hundert geladene Gäste ein. Der Vorteil lag gleich auf der Hand: anstatt von Gedränge konnte man den haarigen Monstern gleich direkt auf die Finger schauen.

Zuerst aber kündigte Patrick Wagner von Louisville Records eine Vorband an, die, wie er meinte, am Nachmittag im Radio kennen gelernt hatte. Die Band spielte mir ihre Songs einfach vom Handy vor, erzählte Patrick, und ob dieses Coups steigerte sich das Interesse von alleine. So kamen No-Entry aus Cottbus zu ihrem vielleicht ersten Auftritt vor geladenen Pressefuzzis, die wiederum eine Band erlebten, die janz juten Punkrock zum Besten gab.

Anschließend erschien Wagner noch einmal auf der Bühne um die Band des Abends anzukündigen. Wenn es diese Gruppe nicht gegeben hätte würde es Louisville vielleicht auch nicht mehr geben, sagte Patrick, und klassifizierte sich gleich noch als aussterbende Art Labelmacher, der noch intensiv um den Erfolg einer Band kämpft. Heute ist dies nötiger denn je, wenn es so liegt wie Patrick erzählt: in der Schweiz hätte er ein Treffen mit dem dortigen Universal Produktmanager gehabt, der, zusammen mit nur fünf anderen, 80 Platten pro Monat betreut und vermarktet. Und der Riese Warner-Chappel hätte sich letztens bei Louisville in Berlin als Untermieter einquartiert!

Eve Monney, Navel, Photo by Tanja Krokos © Dorfdisco 2008

Eve Monney, Navel, Photo by Tanja Krokos © Dorfdisco 2008

So wurde man presse-passend eingestimmt für Navel, die einem nach Wagners Ansagen gleich wie ein Juwel vorkamen. Tatsächlich schlurfte die Band dann wie alles andere als eine inszenierte Showband auf die Bühne. Betont lässig gar wäre übertrieben und wenn es denn ihre typische Art sein sollte, dann auch nur um den Kontrast zu ihrem kaputt-lautem Grunge zu verstärken.

Ebenfalls zur Ausstattung gehört die Versunkenheit im Eigenen, das im Rückzug hinter der eigenen Gardine stattfindet. Vom Sänger Jari Altermatt bekommt man allenfalls eine blonde Mähne zu sehen — ein grosses J auf seinem T-Shirt aber weist auch dem Unkundigen den Weg zum Who-is-who. Während Steve Valentines Drum präzise treibt und Eve Monneys Bass unermüdliche Linien brummelt, klagt Jaris Stimme einen Rocksound, die man stilistisch mal zwischen griechisch-klassisch und den Überlebenden irgendeiner Orgie bezeichnen darf. So, Held stirbt in den Wehen der Neuzeit, während man inmitten einer irgendwie kompliziert klingenden Feedbackbrücke lässig ein halbes Glas Bier leert.

So spielen Navel keine verkrampft-gezwungene, auf lustig-gute Rockhaltung gemachte Grunge-Punk Hallo-Hüpf Nummer, sondern die einer unsichtbar-fokussierten, und damit Emotionen freien Lauf lassenden Lass-es-raus-Rocks. Ein Schelm wer dabei meint, dass sie eines Tages genau dort sein könnten wo heute die Smashing Pumpkins sind. Oder Soundgarden, oder Metallica, Nirvana? Jari Altermatts gefühlte 55 Kilo (61 mit Gitarre, ohne Haare, ca.), Eve Monneys (b) verkrempelte Pose und Steve Valentins (dr) straightness vermitteln eher den Eindruck noch nicht zu sehr an ihnen schütteln zu dürfen – sie könnten jeden Moment auseinanderbrechen.

Das angefetzte Publikum aber war auch hier wieder durch die Reihen begeistert, schmiss sich vorn zu den Navelschen Salven in die Breschen, eierte mit den Armen und kugelte sich auf dem Boden. Wäre die am Club vorbeiziehende Kampftrinker Touritruppe noch hinzu gestoßen, wer weiß, es hätte einer dieser legendären Abende werden können, von denen man noch seinen Kindern erzählt.

So versuchten wir nachher noch ein paar Schnappschüsse mit Schnaps von der Band backstage, brachten aber keine vernünftigen Taten mehr zustande. So eine Begegnung soll ja auch origineller sein als die ständige Nachfrage warum man denn nun nicht als Vorgruppe zu den Smashing Pumpkins spielen wollte. Ja warum auch? Als Vorspeise will man sich nicht verkaufen, und das ist ihrem Auftreten auch ganz angemessen.

Das Album “Frozen Souls” erscheint am 28.03.2008 auf Louisville Records, Berlin.

www.myspace.com/navelofswitzerland
www.myspace.com/noentrymusik



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