Gut gebrüllt Löwe


Regina Spektor, Kings of Leon im Columbiafritz, 25/11/2003

November 28th, 2003 | 0 Kommentare ...  

Gut gebrüllt Löwe

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Eigentlich sollten Jet aus Sydney Vorgruppe zu Kings of Leon sein. Ich dachte mir wunderbar, man bekommt gleich zwei der gerade meistbeschriebenen neuen 2000er Rockbands von Overseas zu sehen. Als ich am Eingang dann aber erfuhr, dass Jet nicht können und durch jemand mir völlig Unbekannten namens Regina Spektor ersetzt wurde, dachte ich zuerst mal o-oh, ob das jetzt gut geht.

Das Columbiafritz war voll bis auf die hinteren, letzten Stehplätze als Regina Spektor, wie aus einem Kindermärchen hergezaubert, allein hinter ihrem elektrischen Piano Platz nahm. Als dann ihre charismatische Stimme zu einer leichten, manchmal einhändigen Mischung Mozart trifft Moldy Peaches erklang, spitzte ich nicht nur meine Ohren, sondern entkam auch nicht ihrem höchst entwaffnenden Lächeln unter ihrem brutzelig rotem Haar.

Dabei zählt man die in Moskau geborene, und in die Bronx emigrierte, am Klavier klassisch geschulte Spektor zum New Yorker Indi-folk Spektrum, das bekanntlich Gedichte mit Lagerfeuer-ähnlichen Gitarren vereint.

Bei Regina Spektor findet man allerdings einen sehr viel weitergehenden Ansatz. Man nimmt ihr zudem ihren magnetisierenden Gesang, der mit Leichtigkeit durch kräftige Höhen und Tiefen fliegt, sowie die gut hörbaren Textzeilen, die frei von erfundenen Charactären wie Kurzgeschichten erzählen, bedinungslos ab.

Der ganze Saal schien von ihr eingenommen – und vorn feierte man sie nicht zu Unrecht schon wie einen Star. Kein Wunder. Wie ich später erst herausfand hat Regina Spektor nicht nur schon eine Tour mit den Strokes hinter sich, sondern mit ihnen auch einen Song aufgenommen, der selbst als ‘Regina and the Strokes’ herauskommen soll. Produziert übrigens von auch Strokes wizard Gordon Raphael kann man sich also schonmal auf das nächste Jahr einstellen, wenn die nächste Hysterie losbricht.

Kings of Leon: stylisches Arschbacken zusammenklemmen Photo © Dorfdisco 2003

Kings of Leon: stylisches Arschbacken zusammenklemmen Photo © Dorfdisco 2003

Diese blieb bei den danach spielenden Kings of Leon irgendwie aus. Zwar waren alle wegen dieser Band gekommen, und es gab deshalb auch Stimmung. Kings of Leon selbst taten aber wenig mehr als ein, zweimal ‘wie cool doch das Publikum hier sei’ ins Mikro zu nuscheln, und ansonsten ihr Album, mittelmässiger Boogie-Rock mit post-modernen Schnäuzern, 1:1 herunterzuspielen.

Ihre Show war zudem so stiff wie der Versuch durch stylisches Arschbacken zusammenklemmen toll zu wirken, ihre Songs leider nur halb so gut als wie die (nochmals) Strokes, und, hätte es zu einem glammigen Abend reichen sollen, viel zu leise. Gegen Ende brüllte des Löwen Stimme zwar noch etwas über die Erwartungsgrenze, dann war aber auch schon Schluss.

Bleibt nur noch anzumerken, dass man zur Zeit nur hippes, halber Meter langes Haar zu simplen, Lynyrd Skynyrd liken Songs braucht, um eine Heerschar von Pokemon Baby T-Shirts vor die Bühne zu bekommen — die mit ihrem Haarschnitt immer ein Jahr hinterher sind.

..und so sahs aus.

..und so sahs aus.



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