Grubby Things & The Applicators


6.11.05 im Tommy Weissbecker Haus/Kreuzberg

November 12th, 2005 | 0 Kommentare ...  

Grubby Things & The Applicators
Elvan \"Sid Decay\" Photo AC Horn © Dorfdisco 2005

Von AC Horn

Eigentlich bin ich nur auf den Gig gegangen, um irgendwie das rau durchzechte Wochenende abzuschließen, mit der Absicht nicht wieder ganz zu versacken. War doch Tags zuvor noch die Punk n´ Roll Hölle in Form von den Kieler Proleten Smoke Blow über Berlin hereingebrochen (nein sie haben nicht wieder den Schwanz ausgepackt), und dann Peter Pan Speedrock, die das ebenfalls bis zum Anschlag gefüllte Clash durch etliche schweißtreibende Zugaben mit hölländischem Motorrock zudröhnten.

Diverse neue Bekanntschaften, wie etwa mit der Gründerin des Kreuzberger Turbojugend Chapters und anderer hartgesottener Frauengestalten denen ich sogar meinen heißgeliebten Slayer Anstecker abtreten mußte, geleiteten mich durch diese Nacht, welche ich in einem nahezu komaartigen Zustand im bekannten Travolta Asoladen bei Sonnenaufgang erfolgreich & glücklich abschließen konnte. Sonntag erst wieder in den Abendstunden erwacht, ging’s also gleich weiter ins Tommy Weissbecker Haus, um gepflegt zwei Mädchenbands beim musizieren beizuwohnen.

Eigenartigerweise wurde am Eingang gleich ein für ein alternatives Zentrum recht fürstliches Catering serviert, auf dass mir das Wasser im Munde zusammenlief, ich aber vom Kassenmensch umgehend darauf hingewiesen wurde, dass dieses nur für die amerikanischen Mädels reserviert sei. Diese wären aber zu spät dran, worauf ich etwaige Flugzeugabstürze in Betracht zog, weil ich wahrscheinlich zu viele Folgen des TV-Serials “Lost” begutachtet hatte. Nicht viel los im Laden, deswegen an die Bar für ein Aufwärmbier, wo man sich die Zeit verkürzte indem man ausgelegte Bandtexte über die Schlechtigkeit der Welt und der daraus resultierenden Frustration durchlas. Ein Musiker versuchte mich mit einer frisch aus Bayern geflohenen Ausreisserin im Fantasy-Outfit zu verkuppeln, welche als durchgeknallte Kindfrau es schon bis in eine ARD-Dokumentation geschafft hatte. Diese verlangte einen ansehnlichen Betrag dafür dass man ihr beim aufs Klo gehen zugucken könne, welchen dann aber doch niemand locker machen wollte.

Irgendwann betraten die Berliner Grubby Things die Bühne. Nach wechselden Line-ups ist jetzt nur noch der Drummer männlichen Geschlechts, was irgendwie so aussieht als wäre er ein Sessionmusiker der speziell für diese Show engagiert wurde. Nichtsdestotrotz fetzten die Damen sofort bratzig auf ihren Instrumenten los, während das sprichwörtliche Ass im Ärmel Sängerin Elvan “Sid Decay” darstellte. Wie soll man das beschreiben? Eine 24-jährige welche singt als hätte sie schon zum Frühstück ein paar rostige Nägel verschluckt und man annehmen könnte sie wäre die jüngere Schwester von Texas Terry? Eindeutig die Überraschung des Abends wurde das Set straff dargeboten, wozu Songmässig das eine oder andere Highlight gesetzt werden konnte. Wenn da noch weiter gearbeitet wird, wird man sicher noch mehr von den Grubby Things hören. Sehr gut gefiel mir das große Oberarmtattoo einer klassischen Westernpistole der Grubby Gitarristin, während Frontfrau Elvan einen etwas durch die Oberweite verzerrten Clint Eastwood auf ihrem T-Shirt zur Schau trug.

Anscheinend wurde auf eine Gage verzichtet, was angesichts der mageren Besucherzahlen wohl nicht anders ging. Nur rund 20 Leute kamen in den Genuss der musikalischen Darbietung, was angesichts des quasi nicht besuchten Riotgirl Konzerts von Disco Volante die Woche zuvor im West Germany mit nur 10 Leuten (inklusive Veranstalter, Barfrau, Djs, Kassengirl & AC Horn) schon einen Rekord darstellte. Dann noch die Texanerinnen von den Applicators, welche mit einer etwas zahmen Bühnenshow, so als wären sie gerade beim Talentwettbewerb in der örtlichen Highschool, melodischen Punkrock darboten. Angesichts des doch recht energetischen Vorprogramms hatten diese es aber schwer was zu reissen, obwohl sie mit den besten Absichten antraten. So verlief sich das Publikum auch schon, um nach einigen Bieren wieder anderweitigen Vergnügungen nachzugehen, und ich konnte, nach einem lohnenswerten Sonntagabend, endlich das ereignisreich durchzechte Wochenende beschließen.



Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: