Großstadt–Calypso


Lord Mouse and the Kalypso Katz, Lovelite 07.03.2009

März 10th, 2009 | 2 Kommentare ...  

Großstadt–Calypso
Lord Mouse at Lovelite, Photo:Mike Menzel

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Zum vierten Mal schon lud das Lovelite am vergangenen Samstag mal wieder in den ‘Salon Obskur’. Diese Veranstaltungsreihe an jedem ersten Wochenende im Monat widmet sich laut Eigenbeschreibung ‘dem Abseitigen, dem Frivolen, dem Erstaunlichen und dem Exotischen’, Abendgarderobe ist dabei ausdrücklich erwünscht.

Also: Frisch in Schale geworfen und durch sexy Friedrichshain Richtung Simplonstraße flaniert.
Dort angekommen lässt man sich erstmal vom Schwarz dominierten Ambiente einfangen, auf das rotierende Discokugeln in Endlosschleife immerzu weiße Punkte werfen, und so driftet die Wahrnehmung schon gleich von Anfang an ins Absurde, an Skurilität vielleicht nur noch übertroffen von dem grotesk kleinen Raucherkabuff zwischen Konzert- und Tanzsaal, wo man sich Anzug oder Ballkleid vollstinken lassen kann. Etwa die Hälfte des Publikum war auch stilgemäß schick gekleidet, statt Champagnerglas aber dann doch überwiegend mit Bierpulle in der Hand – wir sind ja schließlich nicht in München hier! Der DJ wartete derweil mit einem geschmackvollen bis gewagtem Programm von Salsa bis Sinitra auf.

Äh, warum war ich nochmal hier? Ach ja: Karibik und ‘Mambo Calypso’!! Vorkriegs-Berlin-Nightlife und ‘In da Jungle’!!! Und bitte: ‘Don’t blame it on Elvis’!!!

Irgendwann nach Mitternacht bestiegen dann die unvergleichlichen ‘Lord Mouse and the Kalypso Katz’, die für dieses 13köpfige Orchester zu kleine Bühne. Dabei war man an diesem Abend nicht mal in Vollbesetzung angetreten. Bananen und andere exotische Früchtchen fein um die Mikroständer drapiert, ganz vorne Mr. Mouse, dahinter die sechs umwerfenden Damen im 20er Jahre-Retro-Style neben der Bläsersektion. Im Hintergrund lugten die restlichen Mitmusiker hervor, und zwischendurch durfte Tom Lee Who mit seiner Ukulele auch mal an die Front und eine seiner feinen karibischen Eigenkomposition zum Besten geben. Meine Damen und Herren: Sie sehen und hören das vielleicht Charmanteste was diese Stadt gerade zu bieten hat!

Lord Mouse & the Kalypso Katz - Photo: Mike Menzel

Lord Mouse & the Kalypso Katz - Photo: Mike Menzel

Nur: Warum kickte das alles diesmal zunächst nicht so wirklich richtig, wie z.B. letztes Jahr im Supamolly, als die Jungs und Mädels mal eben eines der besten Konzerte 2008 hinlegten, inklusive kollektivem Ausflippens von Publikum und Band?

Ein paar Erklärungsversuche, warum Lord Mouse und seine Katzen an diesem Abend irgendwie ‘nur’ gut waren, erstmal lediglich vorsichtig kratzten, und erst spät wirklich zu fauchen begannen: Eines der Probleme war die (fehlende) Lautstärke, die da von der Bühne in den Saal geblasen wurde, wobei der Sound eigentlich gar nicht so schlecht rüberkam. Ist schließlich auch nicht ganz so einfach das vernünftig zu mischen, deshalb grundsätzlich mal ein Lob. Aber anstatt die Regler mutig mal ein Stück weiter nach oben zu reißen, ging der Mann hinter dem Mischpult wohl eher auf Nummer sicher, wollte die Ausgewogenheit nicht zerstören. Leider letztendlich auf Kosten des Schalldruckes, den eine solche Gruppe nun mal braucht.

Problem Zwei: Ich konnte mich nicht ganz des Eindruckes erwehren, dass die Band, was ihre Live-Performance betraf, ein wenig aus der Übung war. Erst mit zunehmender Erwärmung von Raum, Publikum und Bühnenakteuren ging die Stimmungskurve immer steiler nach oben. Während der letzten drei bis vier Songs zeigten sich die Katz dann auch endlich so, wie man sie eigentlich kennt: Charmeur Lord Mouse ließ mit seinem geschmeidigen Bass die anwesenden Frauenherzen hüpfen, die der Herren schmolzen unter den 12 Händen der ‘fabulous [sic] background girls’ endgültig dahin.

Betrachten wir das Ganze also mal als eine Art ‘Aufwärm-Konzert’, bevor nächsten Samstag dann hoffentlich wieder kollektiv durchgedreht werden darf: Im Kreuzberger Clash, dann auch auf angemessen großer Bühne. Abendgarderobe wird bestimmt auch dort gern gesehen.

Lord Mouse & The Kalypso Katz



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. heinrich  

    Hallo!

    Zitat: "Charmeur Lord Mouse ließ mit seinem geschmeidigen Bass die anwesenden Frauenherzen hüpfen, die der Herren schmolzen unter den 12 Händen der ‘fabulous [sic] background girls’ endgültig dahin."

    In Anbetracht gesellschaftlicher Realitäten und insbesondere des Publikums vor Ort könnte es auch heißen:
    "Die Herren schmolzen bei Charmeur Lord mit seinem geschmeidigen Bass dahin und die anwesenden Frauenherzen hüpften unter dem Eindruck der 12 Hände der ‘fabulous [sic] background girls’."

    Wegen zu wenig Schalldruck kann der Redakteur einfach den Misch-Mann auch mal ansprechen. Der wird einem dann schon eine Antwort geben und man muss nicht mutmaßen – was meistens sowieso in die Hose geht.

    Ansonsten feiner Text und tolles Konzert!!!

    Grüße
    ditn

  2.  
    2. martin  

    der redakteur hat sich mit dem misch-mann danach schon noch länger unterhalten,während des konzertes ist das eigentlich immer nich so ne gute idee.
    okay,dann mutzumaßen passt nicht so richtig in den text,da hast du recht.
    gruß
    martin