Glammy Dolls für lau


Sohodolls, Admiralspalast, 22.5.2008

Juni 2nd, 2008 | 0 Kommentare ...  

Glammy Dolls für lau
Maja Doll, Admiralspalast, Photo: Mike M. © Dorfdisco 2008

Von Mike Menzel

Am 22. Mai war es soweit, die Londoner Band Sohodolls, zuletzt vor zwei Jahren in der Stadt, führten uns zu einem ihrer seltenen Gastspiele in den Admiralspalast, umsonst.

Am gleichen Abend aber fand dort auch ein Konzert der Berliner Philharmoniker statt, die wegen ihres angekokelten Daches an diesem Abend einen Ausweichort fanden, so dass sich der Beginn der Dolls wegen der Palast internen Akustik erstmal um fast zwei Stunden nach hinten verschob.

Derweil zog man sich mit der, zum neoklassizistischen Foyer passenden, auf Neo-Trash-Glam-Gothic-Style getrimmten Zuhörerschaft ein paar nicht ganz billige Getränke rein, die von einem ausgesprochen gepflegt kompetenten, und metropolitisch gestyltem Personal orchestral gereicht wurden.

Gestärkt und alkoholisiert wie ein metropolitischer Rotlichtviertel Streuner, glitt man über schöne Treppen und Gänge hinauf in den vierten Stock des Hauses, in der Annahme gleich das geheime Etablissement von Madame Boudoire zu betreten, dem neuen Admiralspalast Studio, als sich die vielleicht hundert angetüdelten Fans in einem mit modernster Technik ausgestatteten 400 Stehplätze Halle wiederfanden.

Wer überlebt, ist gut dachte ich, als die Band plötzlich auf die Bühne trat. Mit ihrem eingängigen Elektro-Glam-Pop versuchten die Dolls vom ersten Song an zu infizieren, doch so richtig warm mochte es nicht werden. Man mühte sich um Nähe, scheiterte aber für meinen Geschmack an einer dominat hohen Bühne.

Musikalisch sind die Sohodolls auch ein bischen von allem, eine mit Gitarren und Schlagzeug verpoppte Version von chansoniertem Elektropop. Heute Abend klang ihr Set aber so ähnlich aufregend als wie im Studio.

Mike M.

Eddy McCastle, Admiralspalast Photo: Mike M.

Keine stimmlichen oder instrumentalen Ausrutscher, keine exzessivere Bühnen-Show oder andere Aufreger die die nur auf Anruf wartenden, brach liegenden Endorphine und kribbelig machenen Glückshormone erreicht hätten. Schade, lebt die Band doch von ihrem etwas verruchten Image als Electro-Pop-Sex-Combo. Hingabe oder Verausgabung nur sahen aber schon mal anders aus.

Nur das immer wieder mal kurz aufzuckende, zarte Lächeln und dem Funkeln in den Augen von Sängerin Maja Doll zeugte davon, dass sie immer noch sowas wie Lust haben, und mit einem letzlich gut gelaunt tanzenden Fans gut bedient waren.

Kürzer als ein frühes Ende im Schöneberger Rotlichtviertel dauerte es dann auch nur knapp 45 Minuten, bis der eingeflogene Spass, der ausser der flüssigen Selbstversorgung ja nix gekostet hatte, wieder verschwand. Lau.

Sohodolls



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