Gimme Gimme Rausch Treatment


Rausch live im Wild at Heart

Februar 10th, 2003 | 0 Kommentare ...  

Gimme Gimme Rausch Treatment
Peter Sarach, Rausch, im Wild at Heart Photo © Dorfdisco 2003

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Sonst als die ‘Cowboys on Dope’ unterwegs, kamen zum ersten Mal seit langem wieder mal Rausch, kultigste Kölner Rockband seit Psychotic Tanks auf eine Minitour nach Hamburg und Berlin.

Ein Ruf des Exzesses, wilden Parties und stoned rauchendem Rock eilt ihnen schon seit den frühen 90gern vorraus. Inspiriert von Timothy Leary zu dem Namen Rausch, der den bis heute überlebenden Peter Sarach und Wolly Düse so etwas wie ein Auftrag zu sein scheint, bekam die Phonogram im Gerangel verschiedener Plattenfirmen den Zuschlag zum Beispiel erst, als sie nachts den scheinbar besten Säufer auf dem Kölner Ring schickte.

Als sie mit Produktionen wie die “Indi-A-Collection”, eine 6er-Single-Box mit steilem Rockzeugs und Beatlecovers oder der Platte des Monats im Musik Express auffielen, war man längst unterwegs mit den B 52’s, Sonic Youth oder Nirvana, spielte auf Festivals und trat sogar regelmässig im MTV auf. Schließlich waren sie die Urheber der ‘Keine Macht den Doofen’ und Adidas-Hanfblatt T-Shirts, die man heute an jeder Ecke raubkopiert bekommt.

Doch bald rauschte es Verwirrung. Alles kam irgendwie zu früh, die Touren wurden zu lang, das Management patzte und die Band zog’s nach Berlin, wo sie ohne weiteren Vertrag auseinanderfällt. Freunde wie Thomas Stern oder Alex Hacke ersetzten die Abgänge, und ab und an sah man den rauschenden Rocksänger alleine mit akustischer Gitarre durch die Läden tingeln. Zwar blieben weitere Engagements und Fernsehauftritte bei Viva, MTV und RTL nicht aus, doch bald konzentrierte man sich mehr auf das Soloprojekt ‘Cowboys on Dope’, bei der auch Schlagzeuger Düse mit von der Partie ist, und “obszöne Lesungen mit humorvollem Anspruch in minimal-musikalischer Begleitung” aufführt. Schließlich lag es am Freund und Gönner Graf Michael von Tyszkewicz (ex-MTV/VIVA), der sie letztes Jahr dazu überredete wieder als Rausch auf einer Schlosshochzeit aufzutreten, die den Neuanfang für Rausch heute legte, und wie berichtet wurde, alles andere als langweilig war.

Auch im Wild at Heart war die Stimmung gleich hoch, Wolly Düse sitzt wie immer hyperkommunikativ an einem eingelassenen Tisch zwischen ex-Rausch Bassist und Neubauten Mixer Thomas Stern und den eben eingetrudelten neu-Gitarristen Thorsten Dohle und Bassist JJ Disco. Geredet wurde ein bischen über früher, aber hauptsächlich über das jetzt, dass Rausch sich wieder gefunden hat, wie sie letzte Nacht in Hamburg gut abschnitten und endlich auch eine neue Platte aufnehmen – ihre 7te! Dann trifft auch Peter Sarach ein. Ohne Hut und Sonnenbrille sieht er sogar sehr clean aus und lächelt etwas verlegen über ein Glas Whisky und der Anwesenheit der vielen Hips, Creeps und Punks, die hier zu Ehren von Rausch nochmal ihr Bier trinken.

Steigerte sich ab dem Moment, wo die Band anfing. Vom ersten Riff ab war klar, dass dies wieder lauter, steiniger Rock sein wird, der sich im Laufe des Gigs lückenlos durchzieht. Gitarrist Thorsten Dole packt original Who Riff’s, und behält der Band einen ausgesuchten Sound. Düse treibt klar an und nach so drei vier Nummern klebt Sarach sein Haar im Gesicht, ist der Anzug halbiert und sein Körper streift um die Melodien. Das ist, denke ich einen Moment lang, irgendwas nach Rio Reiser und vor Iggy Pop verstehn.

Ausser dreier neuer Songs namens ‘Round’, ‘Dirty Job’ und ‘Five Kills Seven’ boten sie einiges wie ‘Holiday’, ‘Big Bang’ oder ‘Suicide’ aus ihrem rauchenden Backkatalog, vermissten tat ich aber ein wenig auch die ruhige Nummer, der Peter Sarach durchaus gewachsen ist. Doch dafür ist er zweimal im Publikum verschwunden oder hat den Austausch einer kaputten Fussmaschine mit einer dichterischen Einlage á la Patti Smith aus der ‘Cowboys on Dope’ Ecke lachhaft überbrückt. Das Publikum übrigens ist hingerissen, schüttelt sich die Knochen und will mehr von dieser Mukke, die sofort klar ist. Am Schluss vom Set, spielten sie noch eine Version von Plastic Bertrand’s ‘Ca Plane Pour Moi’, was die Leute kragenreissend amüsierte.

Ende:
Wir sitzen zusammen im Backstage und leeren den Kühlschrank zusammen mit, naja, du weisst schon. Hacke singt und Nikko will auch und nach einer gewissen Ewigkeit zieht man noch ins Enzian. Ich zog ins Bad Kleinen, dort rauschte gerade der Eröffnungsabend. Die Band will dieses Jahr eine Live Cd einspielen, dazu habt ihr dann die Gelegenheit mit dabei zu sein – auf der Aufnahme versteht sich, wenn ihr nur laut genug seid. Und ein Plan besagt, dass jeder Besucher später eine dieser Cd’s erhalten soll… det is’ doch geilen Rausch garantiert.

www.myspace.com/wollyduese



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