Gib mir mein Ritalin, Mutti!


The Drums – Postbahnhof 31.Mai 2010

Juni 2nd, 2010 | 0 Kommentare ...  

Gib mir mein Ritalin, Mutti!
The Drums, Foto: Tanja Krokos

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Sogar in der deutschen Sektion des Altherren-Magazins Rolling Stone wurde das Debüt der Drums kürzlich abgefeiert. Womit sie dann wohl auch hierzulande als ernstzunehmende, d.h. auch von erwachsenen Menschen hörbare Neulinge im Geschäft durchgehen dürften. Was sich an diesem Abend im ganz ordentlich gefüllten, aber keineswegs ausverkauften Postbahnhof an Besuchern tummelte, schien diesen Eindruck zumindestens zu bestätigen.  Nur wenige von den erwarteten jugendlichen Hipstern mit dem besonderen Glanz in den Augen, sondern größtenteils normale Ab-und-Zu-Konzertgänger, die einfach mal bei der angesagten Band der Stunde vorbeischauen wollten. Folgerichtig lag auch nicht gerade knisternde Vorfreude in der Luft, sondern eher mehr oder minder routiniertes Warten auf die Dinge, die da noch kommen sollten.

Die offensichtlich sehr nervöse Vorgruppe Use Your Fucking Headphones aus Berlin konnte mit ihrem lahmen Indie-Rock schon mal keine Punkte sammeln. Ihre (ungewollte oder doch nur gespielte) Schülerband-Attitüde mag auf einige vielleicht ganz sympathisch gewirkt haben, aber die Schuhe, die man sich hier anzuziehen versuchte, waren deutlich einige Nummern zu groß. Vielleicht doch noch ein paar Jahre etwas kleinere Venues bespielen um die nötige Sicherheit in puncto Peformance und Songwriting zu gewinnen, Jungs?

Der Auftritt der Drums war anschließend, um es gleich vorweg zu nehmen, eine Riesenenttäuschung. Irgendwie wurde man während der ganzen Show den Eindruck nicht los, als müsse sich eine Band der ihr zugeschriebenen Rolle als frische und etwas durchgeknallte Indie-Sensation permanent selbst gerecht werden. Das Bühnengebaren von Sänger Jonathan Pierce erinnerte an ein extrem hyperaktives Kind, dem die Mutti vergessen hat rechtzeitig seine Tagesdosis an Ritalin zu verabreichen. Derweil zeigte uns der Gitarrist mit welcher Hingabe er sein Instrument durch die Luft zu schwingen versteht. Das große Manko dabei: Nichts davon wirkte echt, nichts wirklich spontan. Einstudierte Posen, denen eine unfreiwillige Komik innewohnte, weil alles viel zu theatralisch, viel zu überzogen für solch eine (im Vergleich) relativ kleine Indieband wirkte.

All das ist ja zunächst mal nicht wirklich schlimm, wenn sie in der Hauptsache, dem Musikalischen, die notwendige Leidenschaft nicht so eklatant hätten vermissen lassen. Merkwürdig blutleer kamen die meisten Songs rüber. Eindrücklichstes Beispiel: Ausgerechnet der größte Hit Let’s Go Surfing wurde derart lieblos zum Besten gegeben, dass sich nicht einmal die anwesende Menge richtig über den Wiedererkennungswert freuen konnte.  Die bunte Palette vom entspannten Sommersonnenuntergangs-Szenario am Strand bis zur düsteren Melancholie im Wissen um die eigene Vergänglichkeit, die die Band in ihren besten Momenten auf Tonträger zu bannen versteht, reduziert sich im Postbahnhof auf austauschbare Grautöne.

Wer wollte konnte einmal, fast am Ende, einen kurzen Blick unter die Oberfläche erhaschen.  In dunkles Licht getaucht erklang eine hinreißende Version von Down by the Water und die New Yorker besannen sich endlich auf ihre eigentliche Stärke: Die unzweifelhaft tollen Melodien mal ohne das ganze Hype-Geschwätz im Hinterkopf zur Entfaltung zu bringen.

The Drums müssen aufpassen, dass sie sich ihren Ruf mit dieser Art von Live-Shows nicht vorzeitig leichfertig verspielen. Es gibt sicherlich Bands, die wesentlich unverdienter als DIE neue Pop-Hoffnung des Jahres gehandelt werden. Allerdings sollte man den Boden unter der Füßen immer im Blickfeld haben, denn wer hoch fliegt kann eben auch tief fallen.

http://www.myspace.com/thedrumsforever

http://www.wearethedrums.com



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