Frisch aus dem Kühlschrank


The Horrors, Voom Blooms am 24.04.07 im Magnet Club

Mai 21st, 2007 | 0 Kommentare ...  

Frisch aus dem Kühlschrank
Faris Badwan, The Horrors, too fast to capture for this cam - Photo: Christian Tietge, Magnet, 24.04.07

Von Christian Tietge

Wie aus dem Kühlschrank der Musikgeschichte geben die Londoner Schwarz-weiß-Retro-60’s-Mod-Psyche band The Horrors am 24.04.07 ein überraschend überrumpelndes und grandios wegfegendes Konzert.

Was haben sie nicht alles verinnerlicht? The Birthday Party – ganz klar – sie würden es nicht mal wissen wollen, die Cramps ein bischen, aber auch The Seeds oder Count Five, die ganze Teenage-Junk und Trash-Kiste samt 80er Batcave Klamottenkiste sowieso. Schön dass sowas wieder frisch aus dem Kühlschrank für junge Drittbrett-Generationer gibt.

Zuerst spielten The Voom Blooms. Ging so, wenn man bedenkt dass der Name eher mit einer Staubsauger als einer Rockband assoziiert werden könnte. The Voom Blooms schrammeln irgendwo zwischen Bloc Party, The Libertines, Interpol und The Clash Fender-Telecaster Sound, sauber und gut gerührt.

Aber erst mit der Umbaupause wird es mit einem Mal tierisch voll, der Raum knistert geradezu vor anhaltener Vorahnung.

Und wie aus einem schwarzen Loch kommen die Horrors in ihrem skurril übertriebenen Outfit auf die Bühne und veranstalten erstmal extrem lauten Einleitungslärm. Die meisten (so wie ich) verschlägt es ob dieser Chupze schon mal die Sprache und staunen mit ungläubigen Augen.

Doch als Sänger Faris Badwan taumelnd, mit zerzaustem Haar und Hände um den Kopf geschlungen aus dem Dunkeln hervor ans Licht tritt, ändert sich das Staunen in jubeln, tosen, lautes, spontanes Rufen und Schreien. Die Gemeindegesichter sind nun hell erleuchtet, und die Augen blitzen wie die kleiner Kinder vor der Spieleisenbahnauslage.

Und dann geht es richtig los. Badwan murmelt schnell noch was vor sich hin, spricht unverständliche Dinge in das Mikro, und fängt dann an exstatisch gekonnt zu brüllen. Währenddesssen verfällt das Publikum unter ihm in Chaos. Vorerst noch die ersten Reihen, kurze Zeit später taumelt der ganze raum in deliriösem Horrorsound.

Die Musik ist schnell, laut, brachial, offensiv und krachend. Einzelne Instrumente oder auch Arrangements sind schwer auseinanderzuhalten, werden doch so gut wie keine Verschnaufpausen gegönnt. Dazu inszeniert sich die gesamte Mannschaft so überzogen, dass man teilweise fast lachen muss. Badwan hängt sich immer wieder an die Deckenbeleuchtung, als dass man diese jeden Augenblick auf ihn niedersausen sieht. Auch ein typisches Relikt aus den frühen, wilden 80ern. Erst ergreift Hände der Fans, wischt sich damit den Schweiß von der Stirn und umarmt Leute auf der Bühne. Die Band ist so energiegeladen und dynamisch, dass sie einen in den Bann zieht.

Und so plötzlich wie es angefangen hat, ist es auch wieder zu Ende. Zugaben gibt es nicht eine. Eine gefühlte Friedhofs-Stille kehrt schnell wieder ein. Was bleibt ist ein Fiepen in den Ohren und verwirrtes Lächeln auf den Lippen. Was zum Teufel haben wir da gesehen?

www.myspace.com/thehorrors



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