Fratellis: Gefrickel im Frannz Club


Fratellis, Frannz Club, 5.2.2007

Februar 11th, 2007 | 0 Kommentare ...  

Fratellis: Gefrickel im Frannz Club
Fühlten sich im Kulturhaus Frannz nicht so wohl: die Fratellis, Foto: blondphoenix, Dorfdisco 2007

Von Christian Tietge

Das Konzert von den Fratellis ist eines der wenigen in letzter Zeit, vor dem ich aufgeregt bin. Schon auf dem Weg zum Frannz Club, beim Hören der aktuellen Platte „Costello Music“, male ich mir wilde, lang ersehnte, erhoffte Szenarien aus. So zum Beispiel, dass das Publikum mitgeht, mitgrölt, vor Freude und Begeisterung. Vor allem aber natürlich dieses eine Szenarium: Saufexzess.

Denn es trifft schon zu, wenn ihre Musik als „Musik für Biertrinker“ (blond), bzw. „Pubrock“ (Spiegel.de) bezeichnet wird. Das liegt natürlich vor allem an Gesang und Texten, sowie den schnellen und stupiden Gitarrenriffs. Für Saufexzesse sind einige Lieder meiner Meinung nach geradezu geschrieben. So sind „Baby Fratelli“, „Henrietta“, „Whistle For The Choir“ und „Chelsea Dagger“ wirklich etwas neues für mich, erheiternd zuallererst. Wenngleich andere Lieder der Platte einfach nur auf die Nerven gehen („For The Girl, „Cuntry Boys And City Girls“).

Erfreuen tue ich mich außerdem an der gewissen Ironie, die der Band anlastet. Schon allein der Name und bestimmte Textzeilen wie „…I was good she was hot / Stealin‘ everything she got / I was bold she was over ther worst of it / Gave me gear thank you dear bring yer sister over here / Let her dance with me just for the hell of it…“ bringen einen zum Schmunzeln. Als ich „Chelsea Dagger“ das erste mal hörte, dachte ich nur: Was ist das? Ist das ernst gemeint? Doch sogleich habe ich meine Bedenken beiseite gelegt und mir gesagt: Egal, hauptsache schneller Rock’n’Roll.

Also sind meine Erwartungen zugegebenermaßen ziemlich hoch, als ich schließlich vor der Bühne stehe. Das Bühnenbild macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Großer Ampeq Bassverstärkerturm (cool) und drei (!) Hiwatt Verstärker sprechen für sich. Nur der YAMAHA-Schriftzug über dem Fratellis-Logo stört.

Da ich schon auf die Setlist geschaut habe, weiß ich, was der Opener sein wird. Henrietta. Das freut mich, denn das Lied mag ich am meisten, ist auch das erste auf „Costello Music“. Gordon McRory, John Lawler und Barry John Wallace betreten eher unspektakulär und plötzlich die Bühne. Instrumente werden kurz getestet, Begrüßung ins Mikro genuschelt und ab geht’s. Sogleich wandert mein Blick ins Publikum, um zu sehen, wie das so reagiert. Dieses besteht größtenteils nur aus sehr jungen Leuten/Kindern, die ich eher bei Virginia Jetzt!, oder den FOTOS erwartet hätte. Nun gut, trotzdem wirken sie ganz sympathisch und von peinlicher Vergötterung der Musiker ist nichts zu merken. Sie scheinen zumindest begeistert. Es wird getanzt, bzw. ansatzweise heftig, geklatscht und Arme empor gestreckt.

Nur werden schon beim zweiten Lied („Cigarello“) Zweifel größer, dass meine Erwartungen erfüllt werden. Denn die Fratellis machen den Fehler und verlieren sich in Gefrickel. Und nicht nur das, es ist auch noch schlechtes Gefrickel. An einer Stelle denke ich an Hendrix, doch verwerfe den Gedanken sogleich wieder.

Sie fangen an zu improvisieren und ziehen alles etwas in die Länge, die Gitarre spielt annähernd Soli, doch ist es eigentlich nur Geschrammel. Das passt nunmal gar nicht und geht voll an dem vorbei, was sie besonders oder außergewöhnlich macht, nämlich Mut zum Primitiven, des Spaßes Willen. Und hin zu Standard-Rock, den es zu Hauf gibt und niemand hören will. Im weiteren Verlauf des Konzertes wird „Pubrock“ immer mehr zu „Poppunk“, so dass ich kurz davor bin, an die Bar zu gehen und mir alles aus der Ferne anzusehen.

Doch dann kommen die letzten (und besten) Sachen zum Ende hin: „Baby Fratelli“, „Chalsea Dagger“ und „Got Ma Nuts From A Hippy“. Letzteres ist musikalisch sehr gut, die ständigen crescendo und decrescendo und die sanft perlenden Gitarrenmelodien beeindrucken mich. Auch die beiden Zugaben „Creepin Up The Backstairs“, sowie das Goldfrapp-Cover „Ohh La La“ (gemixt mit irgendeinem 70er Klassiker) sind in Ordnung.

Ich bin gespannt, wie es mit den Fratellis weitergeht. Wenn es nicht gar schon mit ihnen aufgehört hat. Solche Liveshows werden in Zukunft keinen Bestand haben. Außer natürlich, wenn es in GB Trend wird, sich Musiker anzuschauen, die mit dem Rücken zum Publikum vor sich hin gefrickelten Krach machen.



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