Flegeleien mit Erfolg


Vivian Girls im West Germany, 6.6.2009

Juni 7th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Flegeleien mit Erfolg
Vivian Girls

Von

Als wollten sie Sonic Youth in Rente schicken, die Vivian Girls agieren am Rande einer dreisten Parodie auf Punk und Artrock, und haben mit ihren phlegmatischen Flegeleien Erfolg.

“Ausverkauft” stand auf einem kleinen Zettel am Eingang zum West Germany, dort wo gerade mal wieder viele neue großartige Bands wie Wavves, The Mae Shi, Abe Vigoda oder Ponytail auftraten. Ob es sich herumgesprochen hat? Gepfercht in den abgedichteten Bürovorraum von der Größe einer VIP-Lounge tropfte die Luftfeuchtigkeit abermals von der Decke, klebten die T-Shirts auf der Haut und japsen ältere Semester nach Luft.

Vorn stehen die drei junge New Yorkerinnen Kickball Katy, Ali Koehler und Cassie Ramone a.k.a. Vivian Girls und spielen unablässigen Kauderwelsch. Gitarre, Bass und Schlagzeug scheinen wie schnell zusammen gehauen, unverzerrt, doch voll verhallt. Darüber mehrstimmiger Gesang, der jeden offenen Vokal besonders gerne lang stehen lässt, irgendwie engelsgleich und flegelleicht.

Das Publikum schwebt, vielleicht auch weil Bassistin Kickball Katy dieses mit ihren langsam wiegenden Hüften auf Dauer in Trance versetzt, derweil Sängerin Cassie Ramone ihre Strophen mit fast beleidigender Beiläufigkeit ins Mikro bringt. Dazu rattert Ali Koehler am Schlagzeug, wenn sie nicht gerade einen ihrer gefürchteten Rythmuswechsel einschlägt.

Zwischendurch Momente eines Riffs, das Steve Jones von den Sex Pistols nicht anders könnte. Oder Sonic Youth. In dem Moment gerät ihre DIY-Überauthentizität schon fast zur Parodie, und einige Lachen sogar, vielleicht vor Glück, so was erleben zu dürfen.

Zwischendurch werden alle Mädchen im Raum nach vorn gerufen und jemand hüpft mit einem Tamburin auf der Minibühne herum, was die Band nicht stört, im Gegenteil. Gegen Ende werden sie die Instrumente tauschen, ohne dass der Sound abreißt. Cassie wummert jetzt am Bass, Katy Kickball übernimmt das Schlagzeug (und steigert sich voll Wonne hinein), während Ali Koehler die Gitarre mit Sektflasche und Tamburin bespielt, minutenlang, wie ein langer Schlussakkord.

Trotz ihrer (absichtlich) limitierten Mittel schlagen sich die Vivian Girls erstaunlich gut, fast besser als wie vor drei Monaten die in Berlin gastierenden Crystal Stilts, die einen ähnlich treuherzigen Teenage Angst Sound interpretieren.

Am Merch Stand wollen die Girls ihren Erfolg so gar nicht fassen.  Alle Singles verkauft, nur noch CDs, und da auch nur noch die Erste. Dafür schreiben sie belustigt Autogramme auf T-Shirts und signieren die los gewordenen Platten. Und Sold out, zwitschern sie sich zu, sold out!

www.myspace.com/viviangirlsnyc



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