Fix the Cracks


1 Jahr Love&Hate mit Pink Grease und Humanzi

Dezember 1st, 2006 | 0 Kommentare ...  

Fix the Cracks

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Große Ereignisse werfen ihre Schatten vorraus, dieses hier wurde lange geheim gehalten, bis eine Woche vorher per Emailing das einjährige Bestehen von Conny Oppers der Love & Hate Reihe im White Trash mit zwei Knalleracts angekündigt wurde: Pink Grease und Humanzi, die Ablösung aller dummen Britpop und schnöden Electrorockacts.

Zuerst aber hiess es eine weitere Vorgruppe und ein etwas unfähiges Dj-Team zu ertragen – man sollte sich überlegen was man mitbringt und das dabei trinken erfahreneren Haudegen überlassen – bis gegen 1 Uhr Pink Grease die Bühne betraten. Das heisst, davor konnte man schonmal den Licht-check des lustig-genialen Synthitüftlers Nicholas Collier zu bewundern, seine Elektrobrett hat sich in den zwei Jahren seit sie das letzte Mal hier waren durchsichtig gestaltet, alle Knöpfe blinkten, ansonsten blieb alles beim Alten, heisst, das Ding wird immer noch mit zwei Zahnbürsten gespielt.

Leider fehlte der zweite Gitarrist, Keyboarder und Saxophonist John Lynch aufrund einer, nach Sänger Rorys bekunden, “polizeilichen Festnahme”. Da ist es schwierig zu beurteilen wie sich die Band heute als ganzes anhört, schließlich haben sie sich mit ihrem zweiten Album lange Zeit gelassen, und dazu ein eher Discoides Brett aufgenommen. Live aber dominierten die Gitarre, begleitet von Colliers “Machine”. Der Sound wurde dadurch ziemlich seziert, vorne fehlte es in der niedrigen Diamond Lounge wohl einfach an Höhe um zur Entfaltung zu kommen.

Steven Santa Cruz, Photo O.shunt Dorfdisco 2006

Steven Santa Cruz, Photo O.shunt Dorfdisco 2006

Vielleicht haben das die Greaser auch so gesehen. In den ersten Reihen ging die Post ab, weiter hinten glotzte man die Decke lang. Dann scheinen die Engänder auch irgendwie zuviel vom White Trash zu erwarten, ihre Vorbilder New York Dolls hätten hier auch gespielt, bemerkte Rory, nur sang das Publikum bei den Dolls fast jeden Song mit, während bei dem nur etwa 40 minütigen Pink Grease Schnack hauptsächlich neues Material gespielt wurde, das noch nicht unbedingt alle kannten. Dennoch “Langweilig” durfte man die Vorreiter des gerade als neu empfundenen “New Rave” nicht gerade betiteln, im Gegenteil. Irgendwann wurde die Luft dermaßen zum schneiden stickig, dass ich zum ersten Mal an das gescheiterte Rauchverbot in Clubs dachte!

Wer meinte jetzt aber den Höhepunkt des Abends schon gesehen zu haben und sich nach oben zu den Resten von Taylor Savvy begab, wurde ab zwei Uhr glatt noch eines besseren belehrt. Humanzi, die nach bislang nur einer Single, aber euphorisch abgefeierten Livegigs auf der Insel auf dem Cover vom irischen NME landeten, rissen tatsächlich nochmal alle Leitungen raus. Weniger Liebesproblematisch als wie Pink Grease, dafür umso realistischer räumen sie auf mit dem ganzen Britpop Quatsch.

Shaun Mulrooney, Humanzi, Photo O.Shunt Dorfdisco 2006

Shaun Mulrooney, Humanzi, Photo O.Shunt Dorfdisco 2006

Humanzis Sound ist dabei entscheidend. Weniger auf Pose, dafür aggressiver und droniger in ihren Gitarren finden sie sich an der Nahtstelle zwischen Indie und Rock genauer euphorischer Punk, dunkler Elektro-rock und a-stringente Tanzbeats. Stücke schiessen oft mal über die 5 Minuten Grenze hinaus ohne Hippiesk zu sein, zwischendurch blitzen mir Erinnerungen an Killing Joke, ACDC(!) oder Joy Division durch. Dazu schwitzten sie junges Blut, die White Trash Atmo änderte sich schlagartig von Szene-Glam-Hipness in eine No-Go-für-Schnickschnack Area, vor der Bühne rauften sich eine Horde wild gewordener, griff die Bühne an, flog über die Monitore und klauten ihnen am Ende noch die Drinks. Humanzi, denen man zur Bandgründung schon einige Raufereien nachsagt nahmen es recht gelassen, heizten die geladene Stimmung durch ihren manisch-ambitionierten Style eher noch an.

Und dies führte letzlich dazu, dass als der nächste Retro-Dj Opfer einer aufgeheitzten Menge wurde, die weiterhin solange Zugaben forderten bis Humanzi tatsächlich um 4 noch einmal die Bühne betrat und mit ihrem wunderbaren Verständnis für Frustrationen, Verärgerung und Schweiss, Bier und Kotze 1 Jahr Love&Hate endgültig abschloss.

Witzigerweise taf ich die Band am nächsten Abend noch zwei Mal: einmal um 12pm in der 8mm Bar zu einsaufen, und um 4am im Rio, d.h. im Keller bei einem Friseur! Dass dabei die Lampe zu Bruch ging passt irgendwie in ihre Legende, hoffentlich haben sie ihre Lust an Berlin noch nicht verloren, mal für länger herkommen wollen sie nämlich lieber heute als morgen.

www.myspace.com/pinkgrease
www.myspace.com/humanzi



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