Fill the Void where Love Exists


Dahlia Live at Bastard 13/10/05

August 15th, 2005 | 0 Kommentare ...  

Fill the Void where Love Exists
Dahlia at Bastard, 13.10.2005, Photo © Dorfdisco 2005

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New York und Berlin. Das hat lange Tradition, das war immer eine glamourös gefühlte Club Kultur Achse. Trotzdem hatten es die Performer nie leicht in der jeweilig anderen City, obwohl sie sich anziehen wie Klebstoff. Sag mir einen Künstler der es jeweils länger als drei Jahre durchgehalten hat, und ich gebe dir ein Bier. Dahlia Schweitzer ausgeschlossen.

Seit Oktober 2003 lebt Dahlia in Berlin und hat sich davor und seitdem in vielen Bereichen einen Namen gemacht. Aufgewachsen in Baton Rouge, Louisiana studierte sie Englisch und Fotografie in Connecticut und Washington DC., stellte in verschiedenen Galerien aus, war Beraterin von Kunstschulen und Museen, leitete Lifestyle Projekte weltbekannter Marken, schrieb Essays über das Nachtleben und veröffentlichte in Eigenregie das Buch ‘Lovergirl’ in dem sie ihre Erfahrungen in der New Yorker Sex-Industrie wiedergibt. Am 13.10. im Bastard aber ging es ausschließlich um die Veröffentlichung ihrer ersten “volle Länge” CD ‘Plastique’.

Das Bastard war halb leer. Irgendwas muss bei der Promotion schief gelaufen sein. Schließlich präsentierte sich dort auch noch das Wiener Musikmagazin ‘Skug’, und diese hatten sich Dahlia selbst ausgesucht. Folglich waren die meisten Gäste solche die auf ihrer eigenen Gästeliste standen. Angetreten in weissem Plastikkleid mit Reissverschluss, viel Tüll und einer Pistole in der Linken erstieg Dahlia um halb eins die Stufen der Bühne, zu einem Zeitpunkt als die Spannung (oder war es Langeweile?) bei den Fans zum zerschneiden war. Entsprechend das Gebrüll zum Tüll, die Show der Night Club Diva konnte starten.

Cool, sublim, erotisch sind so in etwa Dahlia’s Markenzeichen. Wo etlich andere versuchen durch allerlei Unruhe primitive Vermassung zu barbarisieren, und sich damit im ewig gleichen ausweglosen Topf hilflosen Geschrei’s einkerkern, zeugt Dahlia mehr von gelebter Erfahrung, aus der sie authentische Feinheiten schöpft, sie erst nach und nach freigibt, entwickelt und dadurch dem Verfall entreißt.

Photo © Gili Shani,  Dorfdisco 2005

Photo © Gili Shani, Dorfdisco 2005

Das weisse Plastikleid aber ist bald entledigt, durch den Reissverschluss vorn wird es ein zusätzlicher Moment, und hervor tritt sie im gerafften 20ger Jahre Hinterzimmerfummel, glamourös-glitzernde Anlehnung an die Zeit Berliner Diven. Nur wo damals noch der Lidschlag blass Spitze rauchend über die Schulter ging (und später alles Rosamunde war), schauen Dahlia’s stahlblaue Augen einen direkt an, elektrisiert das Electrobacking, singt die Self-made Künstlerin von sexueller Unabhängigkeit, aber auch einhergehender exsistentieller Einsamkeit.

No one’s tells her where to go, what she needs to do, all she really wants to do is make it (Little Miss Independent)

Ich hatte schon öfter das Vergnügen Dahlia live zu sehen. Und verständlich auch dass ich nicht unstolzer Besitzer ihres Albums ‘Plastique’ bin. Von daher kann ich behaupten dass der Sound live noch einmal verstärkt aufgebohrt wurde, die Beats und Gitarren weitaus heftiger klingen. Mancher Track erinnert gar an 90ger Ravezeiten, andere sind knochentrockene Floorfiller. Im Grunde besitzt aber jeder Track einen gewissen Songcharkter, auch wenn Dahlia’s Stimme stets kühl distanziert wirkt, typisch New York sag ich mal, und schwer 80-tanzig-lastig.

Dazu packt Dahlia ihre Rollen aus. Einmal mit Telefonhörer, einmal mit überdimensionalem Eisbecherschirm, dann mit Federboa im Publikum, zuletzt mit der Peitsche, die auf manch an dem Abend anwesenden Fan nicht mal unpassend wirkte. Ob dies mit der folgenden Theorie zusammenhängt? Statistisch betrachtet sagt man Berlin-Mitte die meisten Singles nach, und unter denen keine unerhebliche Anzahl sexuell frustrierter, deren einziges Merkmal die Erfüllung irgendwelcher Rollenmodelle zu sein scheint und damit ihre Fähigkeit jemand anders zu lieben auf der Strecke bleibt. Vielleicht hilft ja jemand wie Dahlia dabei ihre Welt auszudrücken um die Leere wo die Liebe wohnt auszufüllen.



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