Ein ungestümer Fisch


Erste Stufe Haifisch im Lokal, 26.8.2008

September 1st, 2008 | 0 Kommentare ...  

Ein ungestümer Fisch
Erste Stufe Haifisch - Photo Philipp Brugner © Dorfdisco 2008

Von Philipp Brugner

Mit dem Konzert von Obstacles aus Dänemark und Pg.lost aus Schweden gab es schon am Vortag im Festsaal Kreuzberg ähnliche Musik zu hören – Math-, und Postrock. Solchen sollten auch Erste Stufe Haifisch fabrizieren, als sie an diesem Dienstag im Lokal in Mitte auftraten.

Das Quartett stammt teilweise aus Österreich, teilweise aus Deutschland. Sängerin Katrin Plavcak ist in Gütersloh geboren, in Österreich aber aufgewachsen. Drummer Rudi Fischerlehner ist sowieso ein Österreicher und die beiden anderen – Gitarrist Elis Bihn und Bassist Jens Rockstroh – sind Deutsche.

Merkbar wurde das aber nur bei genauem Zuhören. Erst dann fiel einem auf, dass Katrin Plavcak ihre Bitte an die Tontechnik in akzentfreiem Österreichisch intonierte. Das Mikro solle doch bitte ein “bissl” raufgedreht werden – eindeutiger Fall von Deutsch, das nicht aus Berlin kommen kann.

Das war aber schon die einzige Gelegenheit, Nationenfindung zu betreiben, widmete sich Erste Stufe Haifisch danach doch ausschließlich dem progressiven Rocken.

Katrin Plavcak wirkte in ihrer Erscheinung nur dann schüchtern und zurückhaltend, wenn sie nicht von ihrer Stimme Gebrauch machte. Da haute sie dann nämlich ordentlich auf die Pauke und schien sich alles Erdenkliche rauszuschreien – meist in Englisch wohlgemerkt.

Hätte die – für mich schon einige Male den Grad des Angenehmen überschrittene Dezibelstärke – nicht schon ausgereicht, griff sie so zwischendurch auch mal zum Megafon. Diejenigen, die sich bereits in die hintersten Ecken zurückgezogen hatten, sollten ja schließlich auch noch bemerken, wer hier das Sagen hat.

Die sich während des gesamten Gigs immer wieder wiederholenden Klangpasssagen, die Plavcak mit dem Auf- und Abratschen einiger Worte adäquat adaptierte, kamen besonders den Hartgesottenen wie gerufen.

Zwei Typen, bislang nicht in der Form in Erscheinung getreten, dass sie die Aufmerksamkeit der restlichen Zuhörerschar auf sich gezogen hätten, nutzten diese Phasen, um ihren Gretchen-Status vergessen zu machen. Der Bewegungsdrang wurde dem eines von der Leine gelassenen Hundes gerecht, eher Dogge denn Dackel. Immerhin, die Tanzfläche war damit gefüllt.

Wenn ich an Math-, oder Postrock denke, fallen mir Bands wie Mogwai, Explosions in the sky oder 65days of static ein. Deren Musik ist stilgerecht und für eine Genrebezeichnung heranziehbar. Bei Erste Stufe Haifisch fällt diese Auslegung schon schwerer.

Die Grundlage ihrer Musik lässt sich zwar als Powerrock irgendwo da drinnen zwischen den obigen Bands bezeichnen, ihre einzelnen Ausprägungen aber nicht. Dazu war für mich das Geschrei manchmal einfach zu laut, die Riffs zu hart und der Sound viel zu brachial.

Hätte jemand behauptet, auf der Homepage der Band stehe geschrieben, dass sie sich von Hardcore und Emo inspiriert fühle, wäre das genauso durchgegangen – steht es aber nicht.

Als besten Song empfand ich noch “Opa”. An der Stelle wo es da heißt “Now that I am an old man, fat glasses, my hair is white…” baut sich ein Spannungsmoment auf, der durch die – diesmal angepasste, sonore Stimme – auch Wirkung erzielt. Zwar geht es dann relativ eintönig weiter, der Refrain schafft es aber, mir im Kopf erhalten zu bleiben.

Nach einigem Kotzen und Stöhnen war Erste Stufe Haifisch dann fertig. Gekotzt und gestöhnt hat aber weder jemand vom Publikum, noch einer der Musiker auf der Bühne. So oder so ähnlich klangen lediglich die Geräusche, die sich angefangen von Katrin Plavcaks Stimmbändern, über das Mikro und die Boxen bis in die Gehörgänge von uns Konzertgästen fortpflanzten.

Welchem Musikstil ist so etwas zuzurechnen?

Erste Stufe Haifisch



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