Ein alter Mann und die Musik


Robert Owens live in der Fluc Wanne, Wien, 13.09.2008

September 17th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Ein alter Mann und die Musik
Robert Owens in der Fluc Wanne, Photo Philipp Brugner - Dorfdisco 2008

Von Philipp Brugner

Er feiert bald seinen 50. Geburtstag und könnte sich ob seines Erfolgs auch bedenkenlos allmählich aus der Welt der Musik zurückziehen, sich auf die faule Haut legen.

Nicht dass wir uns das jetzt wünschen würden, aber Robert Owens hätte es sich redlich verdient, sich nach mehr als 20 Jahren von seiner Profession als DJ und Sänger verabschieden zu dürfen – er macht es nur nicht.

Viel, viel lieber leiht er uns auch weiterhin seine wunderbare Stimme. Die Stimme, die eine ganze Menge Leute kennen, ohne es eigentlich zu wissen. Wenn ich an dieser Stelle „Walk a mile in my shoes“ von Coldcut nenne, sollte damit eigentlich Schluss sein. Es ist einer der gängigsten, populärsten Songs, dessen Text durch die samtene Intonation von Robert Owens interpretiert wird.

Hätte der gute Mann bei seinem DJ-Set in der Fluc Wanne auch noch das Duo von Coldcut hervorgezaubert, wäre die Suppe an dortigen Menschen wohl übergebrodelt und Tanzwillige hätten ihre Einlagen wohl während dem Schlangestehen zum Besten geben müssen. So war es voll, aber nicht am vollsten.

Angesichts der subkulturellen Club-Atmosphäre, die so gar nichts mit Kirche und Chor zu tun hat, konnte man seine Gedanken auch schwerlich in diese Richtung leiten. Um Robert Owens aber wirklich hörend aufnehmen zu können, war das notwendig.

So versuchte ich mir also auszumalen, wie er wohl damals ausgesehen haben mag, als er vor mehr als 20 Jahren seine ersten Gesangsproben im Gospelchor der Kirchen Chicagos und L.A.’s ablieferte. Seine juvenile Erscheinung erleichterte mir den Gedankensprung, der sodann auch glückte – ein weiß umhüllter Robert Owens, Kirchenlieder in einer Vorortkirche Chicagos trällernd damals und ein musikaffiner, mit seinen Bässen spielender Robert Owens in den Tiefen des Wiener Nachtlebens heute – schön!

Sein Set reichte von House, über Minimal bis zu kurzen Einsprengseln breakcoreähnlicher Beats, weshalb es ihm auch gelang, den Musik-Durst des Gros an Leuten zu stillen. Das ganze scheint umso erstaunlicher, tauchen seine über 70 Veröffentlichungen und Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern normalerweise immer im Feld der erstgenannten House-Musik auf.

Dadurch, dass er die meiste Zeit aber doch Tracks auflegte, die Clubbing-Charakter hatten, merkte man aber schon, dass es das Feld der etwas langsameren elektronischen Musik sein musste, aus dem Owens stammt.

Als anregend durften die meisten auch seine mit einer satten Regelmäßigkeit abgespulten Tanz(stück-)werke empfunden haben. Da ließ er es sich dann nicht nehmen, gazellenartig von einer Stelle zur anderen zu hüpfen um dabei auch noch gekonnt mit dem Arsch zu wackeln – so was kann man nur im großen, weiten Musik-Business lernen.

Was man sicher nicht lernen kann, sondern einem schon in die Kinderschuhe gesteckt sein muss, ist eine unikale Stimme. Robert Owens hat so eine und diese auch hören lassen. Die Anwesenden konnten in diesen Momenten gar nicht anders als ihr Tempo ein wenig zurückzuschrauben und auf seinen Mund zu sehen, dort, wo diese unnachahmliche Soul-Stimme ihren Ausgang fand.

Da war Leib und Seele dahinter, das sah man. Ein Körper, der sich trotz seiner langjährigen Auslastung noch immer hervorragend auszudrücken versteht und eine Seele, die noch von den Anfängen des House in den 1980ern geprägt ist. Robert Owens bleibt uns – hoffentlich – noch einige Jahre als Künstler erhalten.
http://www.myspace.com/robertjowens



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