Dum Dum Girls: Zwischen Gestern und Morgen


Die Dum Dum Girls kamen für 2 Tage nach Deutschland. Dorfdisco hatte die Gelegenheit sie beide Male zu sehen.

November 7th, 2011 | 0 Kommentare ...  

Dum Dum Girls: Zwischen Gestern und Morgen

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Hübsch anzusehen sind sie ja, die Dum Dum Girls um Frontsängerin Dee Dee aus Los Angeles in ihren schwarzen Klamotten, den Mary Quant Erinnerungs-Stockins und High-Street Stiefeletten, und ein Raunen geht durch den Festsaal als sie, bevor sie loslegen, noch mal die Bühne betreten, nur um ihre Instrumente wie beiläufig anzufassen. Das treibt Erwartungen unweigerlich höher, und erste Freudenschreie werden mal vernommen.

Zwar wird man hinterher sagen, naja, soo doll war es vielleicht doch nicht, zu bewegungslos das Ganze einer Band, die vielleicht krachig sein will, aber in ihrem eigenen, hoch stilisierten 60s-Song-Choreografie stecken bleibt.

Doch täte man ihnen damit unrecht. War ihr Erstling noch obligatorisch grob geformt, sind auf der neuen Platte Only in Dreams schon ein Haufen veritabler Hits mit gehöriger Sogkraft, die andere Tränendrücker-Bands wie vergleichsweise Crystal Stilts nicht so helle hinkriegen.

In My Head oder das Buddy Holly artige Heartbeat sind große Ami-Schlager-Perlen: traurige Hooks und Strophen, die im heroischen Chorus über das ewige Thema der Liebe schwelgen.

So hätte es im Festsaal glatt wie auf einer Highschool Prom-Party werden können. Doch fangen die Dum Dum Girls zu verhalten an, stehen angewurzelt vorm schwarzen Vorhang, wippen zu zunächst fast nur lieblichen Nummern und krümmen kein Haar.

So als Konzept: vorne bleiben alle cool, während Bambi das Schlagzeug wie bei den Muppets drischt.

Später schreibt Dee auf Facebook, dass sie am ersten Abend (Erkältung?) ihre (eh leicht rauchige) Stimme vermisste, nachgeguckt, Berlin war der erste Abend der aktuellen Tour.

Tags drauf in Köln aber beginnt das Set gleich mit dem Kracher Always Looking, und die Band reitet auf einer höheren Welle. Konzentrierter und bissig bereitet sie sofort Vergnügen, sitzen die Harmonien und, will man nicht tanzen, dann zumindest mitgehen. Der Kellerklub op der Zülpicher ist gut gefüllt, und sollte die Band auch noch Respekt vor Berlin gehabt haben, hier springt der Funken.

Zwar swingt sich die Band immer noch mehr oder weniger stoisch zum Rythmus als wie in Berlin, doch komprimiert allein die Enge des Kellers den Sound der Band. Vielleicht fühlen sie sich hier auch instinktiv mehr zuhause, das Set jedenfalls hatte mehr Zug und liess nicht mehr locker. He Gets Me High war einer der Höhepunkte, als wie das sich langsam entfaltende Hold Your Hand, bei der man sich genauso gut eine der schillernden, tränendrüsendrückenden 60s-Girlgroups wie The Crystals, Ronettes oder den Shangri-Las hätte vorstellen können – nur mit Gitarren.

Zudem gab es mit Jail La La und It Only Takes One Night zwei stimmlich anspruchsvollere Songs die in Berlin meines Wissens nicht vorkamen, und gegen Ende bat DeeDee in Köln aufgrund der Erkältung mit glasig-gereizten Augen darum für die letzten 15 Minuten das Rauchen einzustellen.

Auch wurde der web-weit best bewerteste Track Coming Down, der Dee Dees so ziemlich alles abverlangt, nicht gespielt.

Trotzdem bleibe ich dabei dass die DDG eine der stilvollsten Girlgroups der Zeit sind, musikalisch auf jeden Fall.

 

Setlist Köln MTC 4.11.2011

Always Looking

Bhang Bhang

Catholicked

I Will Be

Rest of our Lives

Bedroom Eyes

He Gets Me High

Hold Your Hand

Jail La La

Heartbeat

It Only Takes One Night

In My Head

Theres A Light



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