Dorfdisco meets endart Benefiz in der Maria


mit Stereo Total, Boy from Brasil, Gina(Cobra Killer), Der Grindchor, 3.3.2006,

März 11th, 2006 | 0 Kommentare ...  

Dorfdisco meets endart Benefiz in der Maria

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Mehr Andrang als erwartet erlebte die endart Benefiz-Gala letztes Wochenende, bei der neben Stereo Total auch Gina von Cobra Killer, Boy from Brazil und Der Grindchor (ihr wisst schon) auftraten. Das bedeutete die geballte Hoftracht Kreuzberger Musikavantgardisten, die mehr oder weniger als die Szene einer der ältesten Sponti-Galerien Kreuzbergs, dem endart, ein Stück ihrer Vergangenheit teilen. Als offenes Labor für Subversivkunst auch stets an einer Stilisierung des subversiven Geschmacks gelegen (ich erinnere mich noch an manch blöden Unfug), traf man sich hier schon seit 1981, und spielte so manches Hauskonzert.

Diesmal aber weniger als speziell-perverser Abend als den Kosten einer drohenden Mieterhöhung zu begegenen, vermisste ich z.B. einen endart-Merchandising Stand, bei dem man sich mal mit mehrdeutigen Artikeln hätte eindecken können, sowas wie “Ich sah sie alle auf einmal” Slogans. Also suchte ich nach mir bekannten Gesichtern bis ich Christof Ernst nebst englischen Freund aus Paris traf, der sich noch an eine meiner eigenen Ruhmestaten früherer Tage erinnerte und selbst ein Extra in der The Who Oper “Tommy” war! Der Abend war gerettet.

 Bionadepunk: Boy from Brazil, Foto Dorfdisco 2008

Bionadepunk: Boy from Brazil, Foto Dorfdisco 2008

Den Auftakt machte dann immer-überall-dabei Boy from Brazil. Weniger Kuschlsounds zum Verlieben als abstruser Jahrmarkt bei dem Klischees kabarettistisch verdreht werden, donnerten die Electrorock Sounds zu Pocket Rocket Queen vom CD Player. Später zog er sich wie üblich nackig aus und turnte mit schwarzen Tesaklebestreifen auf der Haut über die Bühne. Doch mehr als ein paar Mikrofonversteller und Publikumsgrapscher soll da nicht mehr passieren. Da traf es sich gut dass er sich mit mir unter der Woche mal noch unterhielt und dabei erzählte, dass er damnächst mal wieder an eine BAND gedacht hätte!

Dem schloss sich nach kurzer Pause Gina von Cobra Killer an. Ohne Annika, welche wider Erwarten das Bett hüten musste, präsentierte d’Orio zum ersten Mal vier Stücke von ihrer Solo Cd “Sailor Songs”. Mehr gehaucht als gesungen und in Bühnenblau getaucht sass sie mal auf einem Hocker, oder zirklete wie eine Eisprinzessin über die hohen Absätze. Hier erreichte es nicht die Wildheit eines echten Cobra Killer Auftritts, aber es war schön zu hören und sehen, und romantischerseits muss ich mir diese Cd auch mal besorgen.

Doch die Stimmung stieg in jedem Fall für Stereo Total, die einen mehr als unkomplizierten Auftritt hatten. Das Publikum ging an vielen Stellen voll mit und links erspähte ich sogar Meg von den White Stripes, die mit zusah wie sich der Raum in ein tanzend singendes Etwas verwandelte. Da ich aber keine 14 mehr bin und, Liebe zu dritt und so, hielt ich mich schon lieber an der Bar auf. Unser englischer Freund fragte mich dann welche deutsche Band außer Kraftwerk eigentlich erfolgreich sei, und ich zeigte rüber auf die Bühne zu dem tanzenden Brezel und die etwas mumifizierte Francoise Cactus. “Ahh, thats what my daughter hears”, konstatierte der, was ich dann auch gleich nachvollziehen konnte.

Doch der Knaller war der abschließende Auftritt derer die sich das Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester nennen. Vielleicht ist der Name auch so lang damit auch alle Nasen reinpassen? Jedenfalls machten die Pfeifen um MC Westbemme und Hanns Martin Slayer ganz schön Konkurrenz. Selbst Meg reckte jetzt die Fäuste zu Styin Alive und anderem, verrotzten Kram. Die Bazillenrocker (Spex), die bislang schon als Vorgruppe von Jon Spencer Blues Explosion mithielten, sorgten mit einer beherzten Show für ein großes Danke eines in allem erfolgreichen Abends.



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