Die Verrückten kommen!


Chrome Hoof, Bang Bang Club, Berlin 9/7/2007

August 7th, 2007 | 0 Kommentare ...  

Die Verrückten kommen!
Die Verrückten kommen! Chrome Hoof at Bang Bang Berlin, 9/7/2007 Photos by Tanja Krokos © Dorfdisco 2007

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Auch schon wieder 4 Wochen her, da traten im Berliner Bang Bang die Londoner Metalfunk Kapelle Chrome Hoof auf. Weil wir dort auch abhingen, haben wir es auch nicht vergessen aufzuschreiben: Chrome Hoof, abonniert auf hippes Expertentum, traf die Berliner Hipster Szene, die Echte ohne Gucci, den selbstprofilierten In-Zirkel, der sich stets als schlabbrige Avantgarde inszeniert und als nicht wegzudenkendes Understatement abfeiert.

Reichen zehntausend kleine Pailletten getragen von neun Akteuren auf bodenlangen Kutten um genug Licht in diesen Dunstkreis zu werfen?

Im Berliner Bang Bang Club fand sich all das ein, was eine solche Annahme zur Ausnahme sprichwörtlich nimmt. Schummrig unter einer S-Bahn Brücke gelegen, die gemauerte Außenwand in fahles gelbes Licht getaucht, eine unscheinbare Tür, herum abgerissene Poster und davor ein paar Lässige, die entweder lässig rein oder lässig rausschauen. Denn drin wurde es immer enger und der Sound des Public Image Limited oder The Slits auflegenden Djs immer übersteuerter. Aber egal hier, wo Mp3 und Ipod den Anspruch auf Tonqualität längst ruiniert haben. Oder etwa nicht?

Die Vorband nannte sich The Tremonds, war aber ein Derivat der auch nur engsten In-Kreisen bekannten Powers mit dem ebenso hippen wie fast unbekannten Grafiker und Fotografen Joe Dilworth am Schlagzeug. Sie spielten geradezu unverdaulich Avantgardistisch, am Besten man goutierte die Schreie der für den einen Abend engagierten Sängerin mit ebenso lautem Gebrüll, was aber nicht geschah. Für die erfahrenen Experten und cool herumstehenden Damen galt es den eigenen Ausdruck nicht zu offensichtlich zu verschwenden.

An der bedrängten Bar grüßten sich derweil die Wahlverwandschaften, schmissen sich die neuesten Geschichten und unrühmlichsten Witze um die Ohren, akustische oder gar mentale Wahrnehmung Fehlanzeige, so: Ey, kannst du mir das morgen noch mal per E-Mail schicken? – verständnisvolles Nicken, aber morgen alles vergessen, natürlich.

Gutes Feld also für eine Band, deren Exotenstatus im Frühjahr 2007 nicht zu übertreffen ist. Chrome Hoof spielen so was wie Metal auf Funkbasis, weiße Langhaarrocker mit schwarzer Irokesenröhre, angereichert mit Geige, Trompete, Keyboards, dazu Oboe, allerlei Schellen und anderen Merkwürdigkeiten. Dazu kostümiert in bodenlangen Pailettenglitzerkutten Haste-nich-gesehen.

Dafür, dass die Bühne für eine mehr als 5 köpfige Band gar nicht erdacht wurde (das Bang Bang Berlin ist bekannt für seinen 60s Beat Einschlag: mehr als 5 passen da nicht drauf), verteilte, nein, drängelte sich die Band noch hinter die Boxen bis neben den DJ. Ein Wunder dass Sängerin und Queen of Glam Lola Olafisoye nicht von den herumschwingeden Gitarrenhälsen der Funkmetal Fraktion getroffen wurde. Die fesche Lola bekam gar die Ehre auf einem Quadratmeter freien Platz zum Vortanzen, und während der Bühnenkarneval so vor sich ging erblickte ich unter einer der abseitigen Kaputzen doch tatsächlich wieder Joe Dilworth, der Schelm!

Unser Publikum war derweil erst einmal erb-asst. Während die Haare um die Glitzerkutten flogen und die Mischung funkiger und klassischer Instrumente doch eine Mehrzahl turnschuhbetagter Hipster mehr staunend (oder war es ratlos?) als raunend dastehen ließ, stellte eine der etwas irritierten Zuhörerinnen doch glatt die des Kaisers-neue-Kleider Frage in etwa so: gibt es denn heute abend auch noch mal Musik? Super Show hiess es nachher woanders, die nicht dabei gewesen waren, und man hätte ihnen genauso gut “Super Verkleidung” zuflüstern können.

Schließlich sind Chrome Hoof doch einer gewissen Monotonie erlegen. Nämlich der, mindestens 4-mal auf dem Album jenes leicht einfältige tata-tata Leitmotiv zu dudeln, nicht gerade die einfallsreichste Melodiefolge, eher etwas nervig wenn es mit voller Instrumentierung inclusive Bläser und Saxophon ad-Nirvana wiederholt wird.

Aber egal, gegen Ende traten dann doch ein paar Tanzbeiner um sich und erschwitzten einen kleinen Moshpit zu den gelegentlich aufblitzenden Metalriffs auf Pickelhaube. Die einzige wirklich interessante Frage aber wäre: wer war eigentlich nicht da?

myspace.com/chromehoof
myspace.com/powersofpowers



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