Die Relevanz vergangener Tage


Butthole Surfers, 20.April 2009, Kesselhaus/Kulturbrauerei

April 23rd, 2009 | 2 Kommentare ...  

Die Relevanz vergangener Tage
Gibby Haynes - Butthole Surfers, Kesselhaus Berlin 20.4.2009, Foto: Eva Bruhns

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Die aktuelle Tour der Butthole Surfers – immerhin eine der wenigen Bands, denen man das Attribut ‘einflussreich’ unwiderlegbar zugestehen muss – ist ein würdiger Anlass mal wieder den Sinn oder Unsinn von Reunions zu diskutieren. Machen wir uns nichts vor: Bis auf wenige Ausnahmen (Dinosaur Jr., mit Abstrichen vielleicht noch Mudhoney) waren die ganzen Wiedervereinigungen von 80er-Alternative-Größen, die man in den letzten Jahren so erleben konnte, doch eigentlich ungefähr so spannend wie die Rückkehr der Sex Pistols. Hat man nicht wirklich gebraucht und obendrein kann das eine neue Generation von Musikern aus den U.S. of A mittlerweile eh viel besser.

Aber das sind immerhin die Butthole Surfers! Jene seltsame Truppe, die mir in noch sehr jugendlichem Alter die Ohren für das etwas Schrägere, Abseitige geöffnet hat. Das erste Berliner Konzert nach 13 Jahren und dann auch noch in der Besetzung, die Großtaten wie ‘Locust Abortion Technican’ (1986) und ‘Hairway to Steven’ (1987) zu verantworten hat. Das war natürlich Pflichtprogramm.

Die Frage, die den meisten Anwesenden im (fast) ausverkauften Kesselhaus förmlich ins Gesichte geschrieben stand, bezog sich dann auch weniger auf den möglichen Einfluss der Band auf die heutige Musikszene, sondern ob sie tatsächlich die Relevanz vergangener Tage ins Hier und Jetzt retten können. Das Publikum setzte sich so auch mehrheitlich aus nicht mehr ganz taufrischen Altrecken der Generation 35 plus zusammen, die ihre ehemaligen Helden insgesamt eher zurückhaltend bejubelten.

Der erste Eindruck ist ganz viel versprechend: Guter Sound, die Band spielt auf den Punkt, der auf eine Leinwand hinter Bühne geworfene Bildersturm harmoniert mit dem was da aus den Boxen dröhnt. Aber auch die gewohnt schlüpfrig bis geschmacklosen Ansagen von Gibby Haynes konnten irgendwann nicht mehr verhindern, dass nach der ersten ‘Sie-sinds-wirklich’-Euphorie die Luft nach und nach entwich, bis schließlich nur noch Song für Song an einem vorbeirauschte. Gepflegte Langeweile von einer Band, die dir eigentlich in den Hintern treten sollte? – komische Zeiten!

Gut, es gab diese Momente: Wenn King Coffey und Teresa Taylor an den beiden Schlagzeugen ihre Vorderleute antrieben, Mr. Haynes das Mikro mal aus der Hand legte und zum Saxophon griff, kam so was wie Stimmung auf, inklusive vereinzelter Fäuste, die in die Luft gereckt wurden.

Doch dann werden immer weiter stumpf die Riffs runtergerockt, zwischendurch soliert sich der gute Paul Leary einen Ast und an das Design von Flying-V-Bässen werde ich mich wohl auch nie gewöhnen. Das Geschehen auf der Leinwand war zu diesem Zeitpunkt längst viel interessanter und fesselnder als das akustische Ereignis darunter.

Keine Ahnung ob die Butthole Surfers gerade mal einen schlechten Tag erwischt haben, wahrscheinlich hatten sie sogar ihren Spaß auf der Bühne. Vom alten anarchistischen Duktus war allerdings rein gar nichts mehr zu spüren. An der kompletten Selbstdemontage sind sie geradeso noch vorbeigeschrammt. Worum gehts also auf dieser Tour? Im reiferen Alter noch mal glorreiche Tage abfeiern? Oder können die Musiker nur das Kleingeld gerade ganz gut gebrauchen? Von da ist es dann nämlich auch nicht mehr ganz so weit bis zu den Sex Pistols anno 1996ff.



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. frank  

    habs leider nicht geschafft.find das kesselhaus auch nicht so dolle.danke für die review!!!
    grüsse f

  2.  
    2. snlr  

    Interessant!