Die netten Electro-Punks von nebenan


Saalschutz, Bondage Fairies, Frittenbude, Egotronic am 14.05 im Festsaal Kreuzberg

Mai 19th, 2010 | 0 Kommentare ...  

Die netten Electro-Punks von nebenan

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Wer will dumm in der Ecke stehen, wenn Egotronic zum Tanz bittet? Voraussichtlich niemand, handelt es sich bei den Wahlberliner um Mastermind Torsun um die Electro-Punkband, die dieses Genre, wie keine andere Gruppe verkörpert und bei der das Publikum sich in Ekstase tanzt und schwitzt.

Zur Record-Release Party, des neuen Albums Ein Ausflug mit Freunden wurde dann auch am letzten Freitag in den Festsaal Kreuzberg eingeladen. Als Support mit dabei die Aushängeschilder von Audiolith, das Züricher Techno-Punkduo Saalschutz, die verrückten Schweden von Bondage Fairies und den Biedermännern von Frittenbude.

Zu Beginn des Abends heizten Saalschutz die Menge an. Analoge Synthesizer, Hardware Sampler und Drum Computer brachten das Publikum in Bewegung, konnten aber leider nicht über das fehlende Talent für Gesang und Songwriting hinwegtäuschen. Doch dies ist bekanntlich in diesem Bereich der elektronischen Tanzmusik zweitrangig, und man nahm es ihnen nicht weiter übel, sondern sonnte sich im Blitzlicht des Stroboskops.

Bondage Fairies erinnerten an die Zeit, in der Musik nicht nur durch Software erzeugt wurde, sondern noch mit richtigen Instrumenten. Bewaffnet mit E-Gitarre, Bass und vorprogrammierten Beats (man kann sich dem Fortschritt nicht immer verwehren) brachten sie die vorderen Reihen zum Pogen. Jedoch traf der Milchbubipoppunk a la Blink 182 nicht auf den Nerv aller Konzertbesucher, sodass man relativ oft ein Augenrollen sah. Dementsprechend war auch nur die von wenigen verlangte Zugabe ein Signal die Gastro durch einen Gang in die Bar anzukurbeln. Doch abgesehen von ihrer Musik schienen die zwei „Drunken Guys from Sweden“, wie sie sich selbst bezeichneten, recht sympathisch. Die Gesichter wurden verdeckt durch Helme, die sofort die Assoziation an Star Wars Bösewicht Darth Vader weckten. Auch die ausgiebigen Danksagungen an das Publikum und wirre Zwischenkommentare waren immer einen Lacher wert. Dies führt auch zum intellektuellen Höhepunkt des Abends als Sänger Deus Deceptor die Frage nachdem Unterschied zwischen „Danke schön“ und „vielen Dank“ stellte.

Verhielt es sich bei Bondage Fairies so, dass die Bandmitglieder angenehm wirkten und ihre Lieder nicht überzeugten, verhält es sich bei Frittenbude genau anders. Lieder wie Acid oder Mindestens in 1000Jahren lassen die Leute ausrasten und auf die Bühne stürmen. Doch hat man den permanenten Eindruck, dass Sänger Rüde zu lustlos ist, und sein Image als Raver mit politischer Einstellung nur gestellt ist, wie eine lieblose Mischung aus Deichkind und Egotronic. Nichtsdestotrotz wurden Frittenbude von ihren Fans gefeiert, und letzte Zweifel wurden vom Bass erstickt, der auf einen niederfährt, doch im nachhinein blieb ein dumpfes Gefühl.

Aufgewühlt von Frittenbude brachen alle Dämme beim ersten Lied von Egotronic. Als wollten Torsun, Endi und KT&F ihr Image als politische Band wahren, das sich gegen Leitkultur, Rassismus und Faschismus wehrt, Inhalte, die im aktuellen Album Ausflug mit Freunden zu kurz kommen, erklangen als erstes Toleranz und Raven gegen Deutschland im Festsaal. Während der Stücke erklang aus den Reihen des Publikums der Ruf „Nie wieder Deutschland“, und man wusste, das Egotronic Publikum hatte nichts von ihrer Einstellung verloren. So verband sich durchgängig Politik und hedonistische Lebensfreude während des gesamten Auftritts. Das Publikum sang lauthals mit, und Torsun schrie sich die Seele aus dem Leib, wobei die Stimme im Bass unterging. Ein besonderes Highlight war neben der Energie, die die Band vermitteln konnte, der „Todes Dive“, ein Sprung aus der ersten Etage des Festsaals ins Publikum, den ein Fan gewagt und unbeschadet überstanden hatte. So tanzte und pogte man dahin, stürmte zum vorletzten Lied Exportschlager Leitkultur auf die Bühne, sang mit und freute sich über den Gastauftritt von der “Soundcultures” Sängerin Danja Atari bei Tonight.

Somit verließ man den Festsaal verschwitzt, mit ein paar blauen Flecken und dem Wissen, dass das Deichkindprinzip immer noch funktioniert. Man braucht nur eingängige Texte, eine Anlage, die einen zum Zittern bringt und genügend Leute, die drauf abfahren und ausrasten können.

Links:

http://www.myspace.com/egotronics

http://www.myspace.com/frittenbude

http://www.myspace.com/bondagefairiessweden

http://www.myspace.com/saalschutz

http://www.myspace.com/danjaatari



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